Tanktourismusfalle

28. März 2010, 16:49
  • Artikelbild
    foto: hartmut910, www. pixelio.de

Tendenziell führt eine Erhöhung des Kraftstoffpreises zu einem Rückgang des Absatzes.

Wenn es bei der kommenden Erhöhung der Mineralölsteuer auch um das Stopfen von Steuerlöchern geht – tendenziell führt eine Erhöhung des Kraftstoffpreises zu einem Rückgang des Absatzes.

Deshalb ist es für den Staat gar nicht so einfach, mit einer höheren Mineralölsteuer auch tatsächlich mehr Geld in die Kassa zu spülen. 30 Prozent des österreichischen Kraftstoffabsatzes entfallen laut Umweltbundesamt nämlich auf den Tanktourismus, Sprit, der in Österreich getankt wird und dessen Abgase in anderen Ländern in die Luft geblasen werden. Dies wird aber der österreichischen CO2-Bilanz zugerechnet. Da droht die Europäische Union schon lange und jetzt ganz konkret mit Strafsteuern.

Die Wahrheit scheint die zu sein: Um den Tanktourismus einzudämmen, bleibt ohnehin nichts anderes übrig, als den Spritpreis mittels Mineralölsteuererhöhung dem Niveau der Nachbarländer anzugleichen. Daraufhin folgt ein erheblicher Einnahmenausfall durch Wegfall des Tanktourismus, der zuerst einmal durch die höhere MöSt ausgeglichen werden muss.

Mit dem Tanktourismus hat der Staat ein bisserl linkisch lange Jahre enorm viel Steuergeld eingenommen. Jetzt droht diese Einnahmequelle zu versiegen, und der Lösungsansatz erscheint sehr österreichisch: Ein bisserl Tanktourismus wird wohl noch bleiben, und ein bisserl MöSt-Erhöhung sollte auch etwas bringen. Und irgendwie wird sich die Rechnung schon ausgehen. Der Umwelt nützt das gar nichts – und zum Budgetlochstopfen wird auch nicht viel bleiben. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/26.3.2010)

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
Sand
00
Wers glaubt wird selig

"30 Prozent des österreichischen Kraftstoffabsatzes entfallen laut Umweltbundesamt nämlich auf den Tanktourismus"
Sicher, halb München pendelt täglich nach Ö. um zu tanken.
lol

inness robins
01
Alarmismus

Die Aufregung ums CO2 ist Alarmismus. Das geht jetztschon soweit,dass mir die Klimaerwärmung (fast schon) egal ist!

RS69
 
21

Hat ja keiner behauptet, dass Sie sonderlich clever wären.

asdf 1234
00
29.3.2010, 20:04
Also ich würde unserem BM für Finanzen einen ganz anderen

Vorschlag machen:
Erhöhung der Möst um 100%, dafür aber auch das Eingeständnis der Autoindustrie, Farzeuge herzustellen, welche nur mehr den halben Verbrauch der heutigen Fahrzeuge haben, ansonsten müssen die Möst-Beträge von der Autoindustrie übernommen werden,denn:
Eine Möst-Erhöhung macht nur dann einen Sinn, wenn diese einerseits europaweit gleich hoch ausfällt und die Preise etwa gleich sind, sowie der Verbrauch von fossillen Energieträgern gesenkt wird.
Alles andere sind Steuerschröpfungsaktionen zu Lasten der Kleinen;-))

Orco vs. Man-At-Arms
00
31.3.2010, 11:55

Bauen die dann auch schnell die Gebrauchtfahrzeuge um?

Parkschwein
00
30.3.2010, 08:17

"dafür aber auch das Eingeständnis der Autoindustrie, Farzeuge herzustellen, welche nur mehr den halben Verbrauch der heutigen Fahrzeuge haben"
achso, die bauen dann einfach fahrzeuge mit dem halben verbrauch. warum sie das jetzt noch nicht tun? aja weil sie uns ärgern wollen und außerdem mit allen andern unter einer decke stecken.

gustl
 
00
19.5.2010, 13:32
Warum?

Weil so ein Auto nicht nachgefragt wird.

Denn die Eigenschaften wären:
- nur 3 statt 5 Sterne beim Crashtest
- statt 20000 € 25000 € Neupreis
- statt 400 l Kofferraum nur 300
- schmälere Sitze
- statt 100 PS nur noch 50 PS

Wenn also der Schuh nicht ganz gewaltig bei den Treibstoffpreisen zu drücken anfängt, wird kein Otto Normalverbraucher so ein Auto kaufen. Schließlich machen die Treibstoffkosten nur zwischen 10 und 15% der gesamten Autokosten aus, wenn also der Spritpreis auf 2,30 €/l verdoppelt würde, käme das einer Verteuerung des Autofahrens um gerade einmal 10 - 15% gleich. Die Lenkungswirkung in Richtung weniger Spritverbrauch würde ähnlich aussehen.

Mann40
01
29.3.2010, 15:25

ich hoffe wir dürfen bald unser ganzes einkommen an den finanzminister überweisen, das wäre schön.

no ja
00
29.3.2010, 12:17
mineralölsteuer und km-geld erhöhen

eine lösung wo es zum gewünscht verteilungseffekt kommt

nodiesop
00
29.3.2010, 11:49
wieso ist der Sprit in D so viel teurer?

haben die höhere Abgaben?

SagServus
00
29.3.2010, 14:14

Ja, dafür habens keine Nova und die motorbezogene Steuer ist auch geringer.

Michael B
00
29.3.2010, 10:12
Spätestens ab 2012 wird Österreich für die aus dem Tanktourismus zugerechneten CO2-Mengen Zertifikate KAUFEN müssen.

Ab dann rechnet sich die höhere MÖSt auf jeden Fall.

M L3
00
Da wäre es aber sinnvoller, diesen Kauf abzulehnen und den tanktourismus aus der CO2 Rechnung herauszunehmen

Notfalls die entsprechenden Verträge nachzuverhandeln, Kyoto-Protokoll oder Nachfolger kündigen/nicht ratifizieren.

SagServus
05
29.3.2010, 08:54

Wenn die MöSt-Erhöhung im Sinne der "Umwelt zu liebe" geschieht, dann müsste es ja gerade das beste Zeichen sein wenn die Einnahmen durch die MöSt geringer werden.

Denn das würde ja bedeuten das das Auto weniger genutzt wird und so Sprit gespart wird.

Da man sich aber gedanken macht wie man die Steuereinnahmen kompensieren kann bzw. wie hoch man die MöSt ansetzen kann ohne das der Tanktourismus wegfällt, zeigt nur eines: Das man wieder die Autofahrer wieder irgendwie zur Kasse beten will.

Mein Vorschlag noch immer: NoVa weg, motorbezogene Steuer senken oder abschaffen, dafür MöSt stark erhöhen (Spritpreise auf Deutschlandniveau).

Das wäre halt eine Lösung für die Umwelt und eine Bestrafung für Fahrer mit Spritfressern.

asdf 1234
00
29.3.2010, 20:17
Mit Verlaub, aber:

Die Spritpreise einfach auf deutsches Niveau anzuheben, das ist zu kurz gegriffen. Österreich hat auch noch andere Anreinerstaaten;-)))
Persönlich denke ist, dass es an der Zeit wäre, hier eine EU-weite Lösung zu finden, so, dass der Sprit EU-weit praktisch (fast) gleich teuer ist. Auch meine ich, dass die Autoindustrie mehr gefordert wäre, zumal es an dieser liegt, verbrauchsärmere Fabrikate auf den Markt zu bringen, was imo schon möglicch wäre. ( Bei eine Verbrauch von 4 ltr statt 8 kann ein Liter Sprit de facto 2 Euro, statt einem Euro kosten, bei gleichen steuerlichen Bedingungen!)

Orco vs. Man-At-Arms
00
31.3.2010, 11:58

Man wird mit Sicherheit den Spritpreis auf das höchst mögliche Niveau ansetzen wollen. Im Endeffekt zahlen dann die ärmeren Länder drauf, in denen die Bevölkerung mit 700 Euro Gehalt pro Monat heimgeht.

SagServus
01
30.3.2010, 09:36

Von mir aus kann der Spritpreis auch EU-weit gleichgesetzt werden.

Es müssen dann aber im gleichen Zuge auch die KFZ-bezogenen Steuern überarbeitet werden.

Die motorbezogene Steuer ist z.B. bereits überholt wenn man sich die neuesten Motoren ansieht. Die Steuer setzt nämlich nachwievor Leistung mit Verbrauch gleich. Mehr Leistung entspricht also mehr Verbrauch. Das stimmt aber nicht mehr wenn man sich die aktuellen Kataloge durchsieht.

Da gibts auf der einen Seite das 70PS Modell ohne Turbo mit einem Verbrauch von Hausnummer 8 Liter. Das 90PS Modell mit Turbo braucht aber plötzlich nur mehr 7 Liter. Und sogar das 120PS Modell mit Turbo braucht weniger als die 70PS Kiste.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
12
29.3.2010, 07:07
Falle

Wenn man sieht, was die Energieverbrecher anlässlich der Osterferien wieder mit den Spritpreisen aufgeführt haben, so kommt einem das Kalte Kotzen. Wenn jetzt die Staatlichen Löcherstopfer auch noch zulangen, so wird's überhaupt ein Wahnsinn werden. Als nächstes werden natürlich die vielgeliebten "Öffis" nachziehen. So geht's (wie lange noch?) dahin mit dem munteren Deppertverdienen!

Allerdings: Kein Vorteil ohne Nachteil! Steigen die Preise weiter, so wird Autofahren bald wieder zu dem werden, was es vor 50 Jahren war: Ein Privileg der Reichen. Wozu braucht ein Arbeiter, ein Pensionist, etc. ein Auto? Danke SPÖVP, danke Regierung, danke Politik, danke, danke...

asdf 1234
00
29.3.2010, 19:52
Bevor Sie solcherarts von sich geben,

denken Sie bitte einmal nach (ich weiß nicht, ob Sie das schon erlebten!) wieviel denn ein Liter Superbenzin im Jahre 1967 gekostet hat. Ich weiß es noch, zumal ich an einer Tankstelle aufgewachsen bin. Die Preise unterlagen damals der sog. "paritätischen Kommission" im Finanzministerium, ein Liter Super kostete ATS 3,90. Nach heutigem Geld wäre das unter Hinzurechnung der Inflation.........
Ich lass Sie selbst rechnen. Auf alle Fälle mehr, als derzeit ein Liter Super an den Tankstellen kostet;-)))

Dante Alighieri
00
29.3.2010, 17:55

Benzin ist in Österreich im Vergleich zu seinen Nachbarn sehr billig. Vor allem wenn man bedenkt wie hoch das Durchschnittseinkommen ist. Warum jammern Sie also so viel? Seien Sie lieber froh dass man durch einen minimal höheren Benzinpreis ein wenig zum Spritsparen ermutigt wird.

Heavyweather
01
29.3.2010, 01:25

Völlig egal...

Weil rund um AT heben sie sowieso auch wieder die Spritpreise an.

Entropix
04
28.3.2010, 23:16
es ist der

Umwelt sowas von egal, aus welcher Zapfsäule der Sprit kommt. Bei Wegfall der "Tanktouristen" fällt erhebliches Steueraufkommen in Österreich aus, welches dann logischer Weise vom heimischen Steuerzahler aufzubringen ist. Die vorgeschobene Begründung "Umweltschutz" würde nur gelten, wenn das absolute Steueraufkommen aus dieser Quelle abnähme. Glaubt irgend jemand ernsthaft, dass dies Ziel des Finanzministers ist?

RS69
 
01
29.3.2010, 08:20

Seit wir uns verpflichtet haben, für Nichterreichung der CO2-Ziele zu zahlen, stehen den zusätzlichen Steuereinnahmen hohe Ausgaben gegenüber.

M L3
10
Und genaudiese Verträge sollten schnellstmöglich gekündigt werden!

Oder der Tanktourismus herausgerechnet - indem man nicht Verkauf sondern Verbrauch rechnet.

RS69
 
00

Warum?

Immer nur dann umweltbewusst zu sein, wenn's nichts kostet und keine Unanehmlichkeiten verursacht wird wohl nicht funktionieren.

Das Konzept ist eben, bei jenen Umweltaspekten anzusetzen, wo die Umweltauswirkungen bedeutend sind.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.