Kampf um DDR-Millionen

Gericht verurteilt Bank Austria zur Zahlung

27. März 2010, 14:23

Nach neuem Schweizer Urteil muss UniCredit/Bank Austria Novum-Vermögen an Bundesrepublik zahlen - Wird Urteil rechtskräftig, fließen 240 Mio. Euro - Vor Berufung

Wien/Zürich/München - Mehr als 20 Jahre nach dem Kollaps der DDR könnten aus dem Vermögen der einstigen Staatspartei SED demnächst mehr als 230 Mio. Euro in die neuen deutschen Bundesländer fließen. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichten, verurteilte das Obergericht des Kantons Zürich die Bank UniCredit (Bank Austria) in zweiter Instanz zur Zahlung von 128 Mio. Euro an die Bundesrepublik, plus fünf Prozent Zinsen über 16 Jahre. Das Geld muss laut Einigungsvertrag den ehemaligen DDR-Ländern gegeben werden. (Aktenzeichen LB080075). Die Bank Austria wird berufen.

Bei dem Geld handelt es sich um das Vermögen der Ostberliner Außenhandelsfirma Novum. Wer aus dem Westen mit DDR-Kombinaten ins Geschäft kommen wollte, musste Zwangsprovisionen an die Novum zahlen, die in den Staatshaushalt oder in die SED-Kasse flossen. Novum-Chefin war die Wiener Geschäftsfrau Rudolfine Steindling, genannt die "Rote Fini".

Das Urteil vom 25. März ist noch nicht rechtskräftig. In jedem Fall werde die Bank in nächster Instanz dagegen ankämpfen, sagte Bank-Austria-Sprecher Martin Halama am Samstag zur APA. Für die Bank kam das Urteil "unerwartet".

Konkret werde die Bank Austria nun nach Ausfertigung des schriftlichen Urteils als prozessführende Nebenintervenientin das Kassationsgericht des Kantons Zürich sowie das Schweizerische Bundesgericht anrufen.

Sollte auch das endgültige Urteil zugunsten der einstigen deutschen Treuhandanstalt ("BvS") ausfallen, könnte sich, aus heutiger Sicht gerechnet, das mögliche Risiko auf 128 Mio. Euro bzw. samt Zinsen auf 240 Mio. Euro belaufen, rechnete die Bank Austria vor.

Der BvS-Anwalt Marco Niedermann glaubt aber, dass das Urteil hält: Zwar könne es noch vor dem Obergericht angefochten werden, doch habe dies bei der Vollstreckung in der Regel keine aufschiebende Wirkung, sagte Niedermann der "FAZ". Zudem werde in der Revision nur noch der Verfahrensablauf, nicht aber die Tatsachenfeststellungen geprüft.

Der Fall hatte nach der deutschen Wiedervereinigung die Wogen hoch gehen lassen. Die Geschäftsfrau Steindling behauptete nach der deutschen Wende, sie habe Novum treuhänderisch für die KPÖ gehalten, und transferierte die Firmen-Millionen von der damaligen Österreichischen Länderbank (später Bank Austria) auf etliche neu gegründete Konten bei deren Tochterbank in Zürich und wieder zurück. Dann legte sie das Geld anonym an. Es ist bis heute auf nicht genannten Konten.

Unter dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl richtete die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) den Arbeitskreis Koordinierte Ermittlungen ein, eine Sondertruppe zum Aufspüren verschwundener DDR-Gelder. Im September 2003 bestätigte das Oberverwaltungsgericht in Berlin die Rechtsauffassung der BvS, wonach die Novum und ihr Vermögen SED-Eigentum gewesen sind und somit das Geld an die Bundesrepublik gezahlt werden müsste. Schon 1994 hatte Deutschland die Bank Austria verklagt, aber den ersten Prozess verloren.

Jetzt korrigierten die Richter den Urteilsspruch: Die Bank UniCredit als neue Eigentümerin der Bank Austria muss das Geld überweisen, weil sie nach Ansicht der Richter ihre gesetzliche Sorgfaltspflicht verletzt habe. Sie hätte wissen müssen, dass über die Millionen nur mit Einwilligung der Treuhandanstalt verfügt werden durfte. Zudem hätte sie wegen der Umstände der trickreichen Transfers Verdacht schöpfen müssen. Wird das Urteil rechtskräftig, muss die Bank das Geld aus eigener Kasse zahlen, schreibt "Focus" am Samstag.

Die deutschen Behörden, die Treuhandanstalt und die Kommission zur Überprüfung der Partei- und Massenorganisationen der DDR hegten von Anfang an folgende Vermutung, wie auch die heutige "FAZ" wieder bekräftigt: Novum sei ein mit der DDR-Staatspartei SED verbundenes Unternehmen gewesen, weshalb das Geld der Bundesrepublik zustehe. Die Klärung dieser Frage dauerte bis 2004, als das deutsche Bundesverwaltungsgericht die Rechtsprechung seiner Vorinstanzen bestätigte, die Novum gehöre zum Parteivermögen der SED. Sie sei nichts anderes als eine Tarnfirma gewesen.

Während der Rechtsklärung in Deutschland hat das Verfahren in der Schweiz geruht. Das Züricher Gericht habe seine Begründung nun auf die deutsche Rechtsprechung aufgebaut, sagte Anwalt Niedermann laut "FAZ". Er sieht den damaligen Vorwurf bestätigt, die Banken hätten Beihilfe zur Untreue und Geldwäsche geleistet. Steindling habe 1991 umgerechnet 128 Millionen Euro zunächst von Wien nach Zürich, später wieder nach Wien zurücküberweisen lassen, wo sie sich das Geld dann habe in bar auszahlen lassen. Die Bank habe erkennen müssen, dass es nicht Steindlings Geld gewesen sei.

In einem anderen Finanzstreit über SED/Novum-Gelder - alles in allem hatte die Treuhandanstalt umgerechnet 240 Millionen Euro vermisst, die mit der Züricher Gerichtsentscheidung weitgehend wieder sichergestellt wurden - hatte sich Steindling schon Anfang des vergangenen Jahres mit dem deutschen Finanzministerium auf einen "Vollstreckungsvergleich" geeinigt. Damals hatte sie 106 Mio. Euro gezahlt. (APA)

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johannes mayer1
00
29.3.2010, 18:27
Deutsche Journalisten haben mehr Mut, und kümmern

sicht bereits um Rudolfine Steindling und Schlaff Martin!!! Ein deutscher Journalist schreibt sogar ein Buch darüber!!!

Darius
01
29.3.2010, 05:28
Fällt irgendjemand auf, dass sie nicht eine einzige österreichische Partei zu dem Skandal meldet??

Die Tante Fini ist eben "sozial äußert kompetent", immer gewesen.
Der internationale Haftbefehl von Interpol hat nichts genützt, die Dame war unauffindbar, die 100 Mio sind auf "nicht genannten Konten".
Dabei sitzt sie am Kohlmarkt und trinkt Kaffee mit Frau Vranitzky, wenn sie nicht gerade in Israel als Mäzenin (in Österreich ist sie übrigens offiziell mittellos) auftritt.
In was für einen dreckigen Land leben wir, dass sich diese Dame in Wien frei bewegen kann?
Udo Proksch hätte viel von der Dame lernen können, nämlich dass man am besten in beiden Reichshälften "sozial kompetent" unterwegs ist, damit so ein Haftbefehlchen tatsächlich wirkungslos ist, egal welche Bananenregierung gerade an der Macht ist. Die BA darf das Geld ersetzen.

johannes mayer1
00
28.3.2010, 20:47
da gibts schon was zum Thema Steindling - Schlaff ...

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/1751... 7/index.do

FloW ERlebnis
00
28.3.2010, 10:56
Oha, da wurde mein Post vom Foromat verschluckt


Dabei hab ich doch nur auf das herausragende Stück Satiere von "Die 4 Da" verwiesen, die sich unter anderem auch dieses Themas und dem Drum herum angenommen haben.

'Reicher Leben mit Martin Schlick'

http://www.youtube.com/watch?v=mX_qsc18QXw
konkret zum Thema ab 3:50 min

Gibt's eigentlich den "Verein der Freunde" offiziell noch?

johannes mayer1
04
28.3.2010, 09:37
Ist die rote Fini nicht die Stiefmutter vom Martin Schlaff??

Warum wird diese Beziehung hier nicht erörtert??? Da gibts doch was Persönliches zwischen diesen beiden!!! Liebe Standard Journalisten hängt euch hier rein, das könnte eine Megastory werden.

Dr. Seltsam
 
02
28.3.2010, 18:19

Geht nicht! Wer immer in Ö gegen Schlaff schreibt, ist weg vom Fenster! Das traut sich kein Medium.

Erzpiefke
 
01
28.3.2010, 07:07
Ich versteh nicht,

warum nicht die Rote Fini packt. Die hat doch letzten Endes das Vermögen verschwinden lassen.

Cassidorus
 
00
28.3.2010, 09:13
Eine berechtigte Frage - uU ist die Dame schon

über den Jordan gewandert ?

johannes mayer1
00
28.3.2010, 11:36
in ihre Fussstapfen ist der Herr Martin Schlaff getreten!!!

Um den Martin Schlaff müssen sich die Journalisten mehr kümmern. Von Null Vermögen auf Milliarden Vermögen ... das stinkt doch gewaltig!!!

Darius
02
28.3.2010, 06:34
Na da wird heute aber gefeiert werden in Israel

Diese Geschichte ist wohl Österreichs größter politische Skandal, der allerdings bis heute gut vertuscht wurde. Er kommt Lucona durchaus sehr nahe.
Involvierte wissen, womit die "rote Fini" heute ihren Lebensunterhalt in Israel finanziert, die dort auf Du und Du mit Isralels High Society ist, wie zuvor im roten Wien.
Dass alle Strafverfahren und der internatioanle Haftbefehl gegen die Frau Kommerzailrätin eingestellt wurden, ist entweder Hexerei oder man muss davon ausgehen, dass von den über 100 Mio Eur fehlenden Geldern wohl auch eine gewisse Partei kräftig 1990 mitgenascht hat.
Die "rote Fini" war und ist per Du mit so manchen Ex-Bundeskanzler und -präsidenten. Recherchiert ihr so schlecht oder dürft ihr nicht, lieber Standard?

teuerzahler
04
27.3.2010, 22:18
ohne ausländische gerichte !!! gäbe es in diesem land

überhaupt keine gerechtigkeit mehr!

FloW ERlebnis
00
27.3.2010, 22:14
Da fällt mir ein erschreckend subversiv aufklärerisches Detail ein:


'Die 4 da - Reicher leben mit Martin Schlick'

http://www.youtube.com/watch?v=mX_qsc18QXw
(speziell ab 3:50)

Die absolut beste Folge von "Die 4 Da"

morales
06
27.3.2010, 21:42
Bravo! Ein sehr gerechtes Urteil

Das gönne ich der Bank Austria. So skandalös wie dort mit Kunden umgegangen wird,

z. B. nicht ausgenützter Dispositionsrahmen wird unangekündigt auf Null gesetzt. Da man dies nicht wissen kann, wird man vor die Tatsache gestellt, dass eine Überweisung nicht durchgeführt wurde.

oder bei einer Kontoüberziehung von 200 Euro (kein Dispositionsrahmen mehr!) wird bereits nach 2 Tagen (!) eine Mahnung über 20 Euro verschickt. Nach 3 Tagen kam bereits der etwas verzögerte Zahlungseingang, der das Konto mehr als deckte. Man muss bei diesen 20 Euro für 200 Euro und 3 Tage mal die Zinsen auf das Jahr hochrechnen. Das ist mehr als Wucher.

Jeder sollte sich genau überlegen, bei welcher Bank er Kunde wird. Ich bin es bei der BA nicht mehr.

schlitzohr2
01
28.3.2010, 12:06

Ich kenn einen armen „Teufel“, der wurde von der Bank Austria, eiskalt über einen Kamm geschoren. Er zahlte jahrelang Gebühren für eine nie konsumierte Kreditkarte. Auch die Kontoführungsgebühren, obwohl Mindestrentner, wurden ihm voll verrechnet. Nicht vielleicht ein paar Monate – nein jahrelang.

christian p.
04
27.3.2010, 22:26

seh ich auch so!
mir hatte man ohne aviso das konto gesperrt weil über dem überziehungsramen und das ganze trotz der tatsache das mein betreuer wusste, dass es auf einem anderen konto bzw. wertpapierplan mehrere 10 tausend euro gab.

ergo..... tschüss BA!
sollen doch vor die hunde gehen!

Dr. Seltsam
 
16
27.3.2010, 21:12

Einen Artikel über die rote Fini zu schreiben, ohne auch nur einmal den Namen Martin Schlaff zu erwähnen, grenzt an gezielte Fehlinformation!

Tullner Liebe
00
28.3.2010, 10:57
Martin Schlaff und die rote Fini?

Wissen Sie Näheres...?

Dr. Seltsam
 
01
28.3.2010, 18:24

Na sagen wir es einmal so. Schlaff hatte in Bezug auf DDR-Geschäfte eine hohe "Sozialkompetenz". Nachdem die Tante Fini die Provisionszahlungen an die SED verwaltet hat, ist klar, dass es da sehr enge Beziehungen gibt.
Im Zusammenhang mit diese Affäre wurde ja in D auch gegen Schlaff ermittelt. Die österreichische justiz hat aber geblockt.
Das Ganze wäre auch eine gute Gelegenheit gewesen, um Schlaffs exorbitante Gewinne rund um die Währungsunion zu beleuchten. Nur traut sich das bei und niemand.

Zivilgeselle
00
29.3.2010, 12:33
"Vertrauliche" Staatsanwälte

Sie werden doch nicht behaupten, dass die Politjustiz die Staatsanwaltschaften "blockiert" wenn undurchsichtige Milliarden von "sozial kompetenten" Persönlichkeiten bzw. Politmäzenen hin- und hergeschoben werden.

Das wäre ja wie in Sizilien - mit einem signifikanten Unterschied:

Dort musste die Mafia die Staatsanwälte wegsprengen. Iin Österreich geht das wesentlich "vertraulicher", da werden Kontrollorgane äußerst diplomatisch mit "streng vertraulichen" Politberichten ausgeschaltet.

Es ist wesentlich weniger blutig - aber von höchster Stelle korrupt: "Streng vertraulich" gehört zum "Ehrenkodex" der Mafia und der Politik.

Die VP Granden "bestätigen" KHG, Graf Ali und Konsorten sogar als "Ehrenmänner" ........ !!!!!!

Dr. Seltsam
 
00
29.3.2010, 13:39

Vielleicht halten bei uns weniger kleine Beamten im täglichen Geschäft die Hand auf.

Hinsichtlich der Bedeutung der Korruption in der Politik und Wirtschaft kann sich Österreich aber mit jeder afrikanischen Kleptokratie messen. Bei uns geht es nur in Absolutbeträgen um viel mehr Geld!

pepitant
00
30.3.2010, 09:32
...um viel mehr Geld!

Dann können sich die afrikanischen Kleptokratien nicht ganz mit unseren messen :-))

-_-
00
27.3.2010, 21:03
ich würde mich wetten trauen,

wenn die Bank Austria verliert, dass der österr. Steuerzahler dafür aufkommen wird dürfen...

Viper001
00
27.3.2010, 21:15
nicht unbedingt...


gehen wir mal realistischerweise davon aus, dass die UNI Credit Bank Austria die Sache bereits verloren hat..

dann gibt es immer noch die Möglichkeit Schadenersatzprozesse gegen sämtliche Leut die in diesem Bericht ( siehe unten) vorkommen, anzustrengen..

Die Knete gibts ja noch..

http://www.berlinonline.de/berliner-... index.html

heinz feichtinger
10
27.3.2010, 20:49
Die internetkriminalität ist proffesionell, wissen ma

Aber die Kriminalität der Polizei in Innsbruck ist zwar nicht ganz professionell - eher stümperhaft - aber wenn ich die Dokumente vor mir habe ( Fotos und das aoffizielle Schreiben der Polizei und den treaumatiesierten Verfolgten - dann sind wir in einem Polizeistaat gelandet ohne Grenzen.
Aber auch der STANDARD hat seine Grenzen Scheuklappen und will aus bankenfinazierten Verhalten sich verhalten - weil es eben keine Protesste geben darf gegen "Arisierung" und Morde. Das ist dem "Standard" eben auch eigen !
Mit Bruno Kreisky nur zu sagen : "Lernen Sie mal Geschichte !" Die Verena Landegger als Redakteurin kann sich der "Standard" abschminken !
Aber auch Sie haben nicht das Originalmaterial - und wollen Sie das auch noch bezahlen ?

rishon-lezion
 
01
27.3.2010, 19:38
nicht berufen, Revision!

UniCredit kann nicht mehr In Berufung gehen, sondern nur noch in Revision, da es sich um eine Urteil eines Schweizer Obergerichts handelt. Geltend gemacht werden können mithin nur noch Rechtsfehler.

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