Fujitsu macht erstes Handy für Bastler

27. März 2010, 12:31
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Weltweit erstes modulare Handy soll ein neues Geschäft mit Zusätzen von Tastaturen bis Projektoren ermöglichen

In Japan hat am Freitag eine kleine Handy-Revolution begonnen. Der Elektronikkonzern Fujitsu hat das weltweit erste modulare Handy auf den Markt gebracht. Bei dem von Japans größtem Handynetzbetreiber NTT Docomo verkauften F-04B können Nutzer den 3,4-Zoll-Touchscreen mitsamt seiner 12-Megapixel-Kamera von einem Tastaturteil trennen, der sowohl Qwertz- als auch Nummerntastaturen bietet.

Multifunktional

Das erste Gerät dieser Gattung soll eine neue Art des Handygebrauchs ermöglichen, wie ein kurzer Test des Geräts zeigte. Da die Teile schnurlos durch Bluetooth verbunden sind, können Kunden gleichzeitig telefonieren und auf dem Display Adressen nachschlagen, fernsehen oder im Internet browsen.

Außerdem lässt sich auch nur mit dem Touchscreen telefonieren, der damit zum superflachen und nur 87 Gramm schweren iPhone-artigen Handy mutiert. Der ebenfalls telefontaugliche Tastaturteil wiegt 82 Gramm. Zusammengesteckt funktioniert das F-04B wie ein Schiebehandy.

Gespannt

Fujitsus Vorstoß wird von Experten mit Spannung beobachtet. Denn mit diesem neuen Handykonzept wird ein neues Geschäftsmodell eingeführt. Anders als Apple, das durch den Verkauf von Software Extragroschen einstreicht, winken den Herstellern modularer Systeme durch zusätzliche Hardware neue Verdienstmöglichkeiten.

Upgrades

Fujitsu bietet als erstes Peripheriegerät einen Mikroprojektor an, der bis zu 50 Zoll große Bilder und Filme an die Wand werfen kann. Weitere Hardware soll folgen, als Ideen kursieren Drucker, Scanner oder weitere spezialisierte Displays. Fujitsu hat bereits eine Reihe von Ideen für weitere Modulhandys in der Schublade, die das Unternehmen allerdings noch nicht verraten will. "Dies ist erst der Anfang", sagt ein Manager.

Zu teuer für Massenhit?

Ein Massenhit dürfte das Gerät jedoch nicht werden. Dazu ist es schlicht zu teuer. Rund 500 Euro soll der Listenpreis laut Insidern betragen. Dafür ist das Gerät allerdings auch mit neuester Technik und Software vollgestopft: GPS, Schrittmesser, elektronische Geldbörse - und interessanterweise Bewegungssensoren in beiden Modulen. Dies ermöglicht ganz neue Videospiele: So können die Nutzer zum Beispiel das Tastaturteil für den Golfschwung oder das Bowlen verwenden, während das Display auf dem Tisch die Aktion zeigt.

Kecke Software

Auch die Software bietet Neuerungen, wie den "Search-Me- Autofokus": Man fotografiert eine Person und gibt ihr einen Namen, damit kann der Autofokus später automatisch diese Person identifizieren, sie auch bei Bewegungen verfolgen und zusätzlich ihren Namen einblenden.

(Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD/Printausgabe, 27.3.2010)

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Fujitsu

  • Handyschichten: Fujitsu ermöglicht, einen Touchscreen mit Modulen 
aufzurüsten.
    foto: kölling; montage: beigelbeck

    Handyschichten: Fujitsu ermöglicht, einen Touchscreen mit Modulen aufzurüsten.

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