Mit runtergelassener Hose

Dorian Waller, 26. März 2010 21:17

Im Wiener TAG verspricht das Stück "Phalli" überfällige Aufklärungsarbeit zu leisten. Geboten wird dann aber noch einiges mehr

Glied, Penis, Schwanz oder gar Zauberstab, es gibt viele Worte für das, was gerne auch als des Mannes bestes Stück bezeichnet wird. Das Theater an der Gumpendorfer Straße widmet dem Schniedel nun einen ganzen Abend. In Phalli soll jede falsche Schamhaftigkeit über Bord geworfen und endlich einmal Tacheles geredet werden.

So zumindest die Prämisse, wenn Autor Raoul Biltgen mit Christian Himmelbauer und Sven Kaschte die Bühne betritt. Die drei erzählen auch gleich frisch von der Prostata weg, was ihnen alles zu Beschaffenheit und Funktionsweise ihrer Zumpfis einfällt. Dabei erfährt man zwar in aufgeklärten Zeiten wie diesen kaum Neues, amüsant ist der pubertäre Matrazenlager-Smalltalk aber freilich schon. Zudem hält die Zuseher natürlich die Frage bei der Stange, ob und wann die Akteure auch im nonverbalen Sinne auspacken.

Bis es dazu kommt, sind aber schon einige erste verstörende Aussagen gefallen. Langsam wird klar, dass es hier um etwas ganz anderes als poppigen Aufklärungsunterricht geht. In den Biografien der vermeintlich sympathischen jungen Herren tauchen mehr und mehr Risse auf, ist von etwas zu freizügigen Eltern und immer gewalttätigeren Sexerlebnissen die Rede - bis sich die drei Freunde endgültig als völlig unreflektierte Ungustln entpuppen, aus denen die geballte Misogynie herausbricht. So bleibt dem Publikum das Lachen zusehends im Halse stecken, und auch für die drei Aufklärer endet der Abend schließlich anders, als sie es sich vorgestellt haben.

Nach ambivalenten und durchwegs kurzweiligen 50 Minuten bieten die Schauspieler dem Publikum zudem noch eine offene Fragerunde an. Eine schöne Idee, die regen Zuspruch findet und einen interessanten Theaterabend noch ein paar Zentimeter stärker macht. (Dorian Waller, DER STANDARD, Printausgabe 27.3./28.3.2010)

TAG, Gumpendorfer Straße 67, 1060 Wien, bis 31. 3.

Kritikerin123
27.03.2011 00:54
Phalli Teil 2

Nicht nur die Tatsache, dass der initiierende Theaterverein PLAISIREanstalt von ORION, einer der bekanntesten Erotik- und Porno-Unternehmen, gesponsert wird, macht die Kritik unglaubwürdig. Das Stück wird zu einer pseudokritischen Darstellung von sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Auch wenn das Stück eine scheinbar gewollte Provokation darstellen soll - mit welchem Ziel? Und darf Kunst wirklich alles?

Kritikerin123
27.03.2011 00:20
Phalli

Drei nackte Männer auf einem Plakat versprechen einen „informativen und vergnüglichen Abend“. Humorvoll. Selbstkritisch. Provokant. Aber es kommt anders, als man denkt. Die Freundschaft der drei Männer basiert auf einer Gruppenvergewaltigung, deren Verlauf dem Publikum mit entblößten Geschlechtsteilen plastisch geschildert wird. Auf dem schmalen Grad zwischen Humor und Kritik scheitert der Balanceakt.

Unter dem Mantel des „intellektuell-kritischen“ Theaters scheint es fast, als könne Mann alles machen. Gerechtfertigt wird diese provokante Darstellung mit dem Anspruch auf Gesellschaftskritik. Nicht nur die Tatsache, dass der initiierende Theaterverein PLAISIREanstalt von ORION, einer der bekanntesten Erotik- und Porno-Unternehmen, gespons

Barbara Schubert2
27.03.2010 12:01
Plaisiranstalt

"Phalli" ist übrigens die erste Produktion der Theater Company Plaisiranstalt: www.plaisiranstalt.at

piazza
27.03.2010 21:57

Warum kommt das Thema Beschneidung nicht vor?

agathe
28.03.2010 16:25
hm.

wahrscheinlich, weil das für die drei typen einfach kein thema ist...

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