Tierschützerprozess könnte sich bis in den Herbst ziehen

26. März 2010 20:03

Eine Zwischenbilanz im Megaprozess gegen 13 Tierschützer wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation.

Wien / Wiener Neustadt - Zwölf Verhandlungstage mit insgesamt 70 Verhandlungsstunden haben im Tierschützerprozess am Landesgericht Wiener Neustadt bereits stattgefunden. Weitere 23 Verhandlungstage sind allein bis Mitte Juni fix angesetzt - und Stefan Traxler, Verteidiger von fünf der insgesamt 13 Beschuldigten, geht davon aus, "dass dieses Monsterverfahren auch nach der geplanten Sommerpause im August in den Herbst hinein weitergehen wird".

Am Freitag, vor der ersten längeren, für eine Woche angesetzten Verhandlungspause, zog Traxler, zusammen mit Verteidiger Josef Philipp Bischof und vier Angeklagten, vor der Presse Zwischenbilanz. Mit Lob für Richterin Sonja Arleth - "Sie räumt den Beschuldigten die Möglichkeit ein, sich zu erklären" -, aber mit Zweifeln an der Stichhaltigkeit der Anklage wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation nach dem umstrittenen Antimafiaparagrafen 278a als solcher.

"Bei Prozessen geht es üblicherweise um die Klärung konkreter Straftaten. Hier hingegen wurden den Beschuldigten während ihrer gerichtlichen Einvernahmen bisher vor allem zahlreiche E-Mails vorgehalten - verbunden mit der Frage, wie deren Inhalt zu verstehen sei. Für die Anklage nach Paragraf 278a hat das nur wenig Relevanz", meinte Bischof.

Tatsächlich haben Richterin Arleth und Staatsanwalt Wolfgang Handler bisher viel Zeit damit verbracht, Inhalte aus der Onlinekommunikation der Beschuldigten - zum Beispiel im sogenannten Fadinger-Forum - daraufhin zu prüfen, ob sie in Verbindung mit der Planung und Durchführung militanter Aktionen der international agierenden Animal Liberation Front (ALF) stehen könnte. Doch ein solches Vorgehen ist laut dem Verfassungs- und Verwaltungsjuristen Heinz Mayer für ein Paragraf-278a-Verfahren nicht unplausibel.

Unterstützen reicht

"Es genügt, jemandem nachzuweisen, dass er oder sie eine kriminelle Organisation unterstützt hat, und sei es nur durch Informationsweitergabe. So soll den zunehmend verbreiteten Formen organisierter Kriminalität Einhalt geboten werden", erläutert Mayer im Gespräch mit dem Standard. Natürlich, so ergänzt er, müsse dem Beschuldigten dann auch nachgewiesen werden, dass er über die kriminellen Handlungen der Gruppierung im Bilde war.

Die ALF, die diesbezüglich in der Tierschützercausa in Verdacht steht, sei jedoch "keine Gruppe, sondern ein Konzept, um Aktionen wie zum Beispiel Tierbefreiungen durchzuführen", brachte bei der Pressekonferenz der Tierschutzaktivist und Prozessbeobachter Eberhard Theurer vor. "Auch eine solche Verbindung kann eine kriminelle Organisation sein", kontert Mayer.

Der Prozess geht am 7. April weiter. Nach der Resteinvernahme des Dreizehntbeschuldigten Geschäftsführers des Vereins gegen Tierfabriken, Harald Balluch, soll an diesem Tag das Beweisverfahren eröffnet werden: Die Leiter der in der Causa ermittelnden Soko Pelztier, Bettina Bogner und Herbert Landauf, sollen aussagen. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.3.2010)

Kommentar posten
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korruptes österreich
21.04.2010 11:09

habe ich das richtig verstanden, dass auch verfassungsrechtler der meinung sind dass dieses verfahren sich nicht auf den §278a stützen darf?

korruptes österreich
21.04.2010 12:33

wenn ich mit meiner einschätzung da flasch liege....
müsste nicht dann auch der hypo skandal (mit sammt der geldwäsche) nicht auch nach dem §278a verfolgt werden?

wwelv folig
28.03.2010 22:25
hier ein vid, wo merkel begründet einen Verbrecher als Kompetent zu bezeichnen...

http://www.youtube.com/watch?v=X... E&index=39

WAKE UP!

wwelv folig
28.03.2010 18:22
politisch verurteilt, wie elsner eben...

Willkommen im rechtsstaat des 20sten jahrhunderts.

denkender Mensch
29.03.2010 21:18

Willkommen im 21. Jahrhundert! ;)

wirklich unglaublich
28.03.2010 17:27
aber was ich an der angeblich so objektiven berichterstattung der verschiedenen blogger nicht verstehe:

wieso betrachten sie sich als objektiv? ich habe mir so ziemlich alle berichte, die irgendwie greifbar sind/waren, durchgelesen, überall kommt die richterin gar nicht gut weg, ebenso die staatsanwaltschaft (hobbyrichterInnen sind eben sowieso alle :-)).

mensch wird einfach das gefühl nicht los, dass die bloggerInnen in ihrer objektivität diese komplett links liegen lassen.

liebe bloggerInnen, auch wenn das vertrauen in die justiz geschwächt ist, haben wir zurzeit keine andere möglichkeit, über handlungen und vorgehensweisen recht zu sprechen. und eine subjektiv gefestigte meinung der straße ist schon gar nicht dazu geeignet.

lasst in diesem fall die justiz einfach arbeiten, beobachtet sie, aber stellt sie nicht ständig infrage.

Fussel4
22.04.2010 19:04
Vielleicht, weil einige der BloggerInnen und PosterInnen sich VOR ORT von der himmelschreienden Ungerechtigkeit überzeugt haben?

Wenn alle, die aus dem Fenster sehen, sagen, dass es regnet, stellen Sie, die zu faul sind, den Kopf zu heben, das dann auch in Frage?

Michail Bakunin
 
29.03.2010 09:41

"Der Vorwurf gegen ihn sei, er würde EDV-Experte sein. Die Grundlage für diesen Vorwurf sei ein Telefonat, in dem er sich selbst als „Internetchecker“ bezeichne. Er habe diesen einen Vorwurf bereits 100 Mal im Akt wiedergefunden. Er selbst habe vor seiner Verhaftung keinen Computer gehabt. Der bei der Hausdurchsuchung von der SOKO entfernte Computer habe seiner Mutter gehört. Das habe die SOKO bereits anerkannt und den Computer rückerstattet.

Man werfe ihm also vor, er sei Computerexperte, der lediglich den bei Hofer gekauften Computer seiner Mutter mitbenutze, der mit Windows laufe, um eine kriminelle Organisation in Linux zu beraten."

Und das soll man nicht in Frage stellen? Die Justiz macht sich in dem Verfahren völlig lächerlich.

Lazy Jones
29.03.2010 12:35
Beim StA frage ich mich auch ...

... ist er lediglich so peinlich unfähig, daß er ständig Mails sinnentstellend unvollständig wiedergibt, Kausalitäten bzw. Urheberschaften behauptet, die durch Blick auf das Datum ausgeschlossen werden können, oder will er die Richterin tatsächlich täuschen? Oder fällt irgendwem eine weitere Möglichkeit ein?

(ich beziehe mich auf die Berichte auf tierschutzprozess.at)

Michail Bakunin
 
29.03.2010 16:21

Nö, das ist nicht Unfähigkeit, sondern Absicht. Das gesamte Verfahren baut darauf auf - beginnend mit Haftbefehlen, in denen jeder einzelnen Person mal gut 20 Straftaten (außer 278a) vorgeworfen werden (davon blieb bis zum Prozess nix übrig) über die unzähligen unvollständigen, fehlinterpretierten oder aus dem Zusammenhang gerissenen "Beweise" aus dem Verfahren. Bislang haben sich diverse "belastende" e-mailzitate etc. bereits dadurch erledigt, dass die Angeklagten das Vorlegen des gesamten mails verlangt haben - und schon ist der Inhalt des mails ein völlig anderer. Es sind auch weiterhin nicht alle Ermittlungsakten im Gerichtsakt und die original Überwachungsmitschnitte werden immer noch zurückgehalten. Kann sich ja jedeR denken, warum...

Lazy Jones
29.03.2010 21:36
wenn das Absicht war, was für ein Plan steckt dahinter?

- dachte die StA ernsthaft, daß die Angeklagten nicht die vollständigen Mails gezeigt haben wollten? Dachte sie, daß die Richterin das brav ablehnen würde (hat sie ja angeblich bei Balluch öfters getan)?
- rechneten sie gar nicht mit einem Prozeß, oder waren sie so unbedarft, daß sie einen anderen, weniger abgrundtief peinlichen Verlauf erwarteten?
- ist der Prozeß selbst das Ziel (reine Schikane), ungeachtet des Ausgangs (immer noch peinlich und dokumentiert für die Nachwelt) oder konnte man gar nicht anders, weil schon so viel Geld verschwendet wurde?
- erhoff(t)en sie ungeachtet der Faktenlage eine Verurteilung, weil die Justiz fest in ÖVP-Hand ist?

So eine Justizblamage wird es jedenfalls hoffentlich so bald nicht mehr geben...

Michail Bakunin
 
30.03.2010 15:06

Was soll der Sta denn sonst machen? Die Ermittlungen haben ca. 5 Millionen Euro gekostet, es wurden annähernd 250 (!) Menschen überwacht, das konkrete Ergebnis aber ist mehr als mau. Ohne 278a stünden jetzt ein paar Personen wegen Kleinigkeiten vor Gericht - und das bei dem Aufwand. Also wird mit allen Mitteln das Konstrukt der angeblichen k. O. aufrechterhalten, wie unlogisch es auch sein mag. Vorgeworfen wird den Angeklagten jetzt die Gesinnung - irgendwas wird schon kleben bleiben. Dass diese aus Gruppierungen kommen, die nichtmal gemeinsame Aktionen gemacht haben - wen interessieren denn schon Widersprüche?

278a ist ein Gummiparagraf (siehe Operation Spring), insofern hofft der Sta sicherlich damit durchzukommen. Plan B hat er nicht

Lazy Jones
30.03.2010 17:53
einen Plan B gibt es immer...

... die Kollegen in Deutschland haben es ja vorgemacht:

http://www.heise.de/tp/r4/art... 054/1.html

Ich wundere mich ja eh, daß die Anklage bisher dem Anschein nach noch nicht zu solchen Mitteln gegriffen hat, aber das kommt ja vielleicht noch.

Michail Bakunin
 
01.04.2010 09:55

Nö, glaube ich nicht - es wird halt seeeeeehr einseitig interpretiert, entlastendes zurückgehalten usw. Einiges davon hat man im ersten Monat gemerkt: So wurde "belastendes" aus e-mails z.B. im Strafantrag etc. nur zitiert. Bei einer ganzen Reihe mails stellte sich heraus, dass das völlig aus dem Zusammenhang gerissen war und das Verlesen des gesamten e-mails machte das dann deutlich. Oder ein Flugblatt "Jäger töten", das vom Sta so interpretiert wurde, dass man Jäger töten soll. Natürlich gings dabei darum, dass Jagd für die AktivistInnen Mord ist und die Jäger Tiere töten (was auch die Richterin so sah).

Ausstiegszenario hat die Sta keines, weil nur die paar Einzeldelikte den Aufwand niemals rechtfertigen würden. Also munter weiter...

Arbeiter von Wien
28.03.2010 08:12
Hier irrt der Herr Mayer! Der Gesetzestext lautet:

"Wer eine [...] unternehmensähnliche Verbindung einer größeren Zahl von Personen gründet oder sich an einer solchen Verbindung als Mitglied beteiligt"

ALF ist ein Label, daß herangezogen wird, wenn irgendwo Einzelpersonen oder Kleinstgruppen irgendeine Aktion machen. Der Name ALF wird dabei von Allen ohne jeglichen Kontakt zueinander, selbstverantwortlich verwendet! Niemals ist das, selbst bei heftigster Rechtsbeugung, eine Mafia (Vereinigung)!

Abgesehen davon daß die 13 nichts mit ALF-Aktionen zu tun haben, wäre es Genauso sinnvoll ein paar Debian-, einige Suse- ein paar gpg- und noch einen Open Office-Entwickler vors Gericht zu zerren, weil sie als Kriminelle Organisation namens Linux, "erheblichen Einflus" auf Microsoft ausüben wollen.

Menschenrechte in Ö? Bitte für was?
27.03.2010 23:42
Balluch Martin, hat meines wissens

ein Buch namens "Widerstand in der Demokratie" geschrieben.

naja, ich habs auch gelesen und muss sagen dass es seine 10€ wirklich wert ist.
seine einstellung hat überhaupt NICHTS mit militantem zutun.

Doe_John
 
27.03.2010 20:38
...der Prozess ist einfach Steuergeldverschwendung!

Wenn man bedenkt was den Leuten bisher (und das war ja bereits fast die ganze Einvernahme, ca 1/2 Tag fehlt noch) vorgeworfen wurde und zwar großteils nur Emails oder sogar Witze, welche teils sehr kreativ interpretiert oder gedeutet wurden um die kriminellen Intentionen der Beschuldigten zu zeigen!

Wage ich zu behaupten unser Justiz bzw. Exekutive hätte die 5 Mio Euro Kostenaufwand (laut Fernsehbericht) auch besser nützen können!

Abseits davon DANKE an die Standard-Redaktion für die vielen ausführlichen Berichte!

Antirep 2008
27.03.2010 16:27
www.antirep2008.tk

Alternative Prozessberichte, die Prozesserklärungen von fünf Beschuldigten, Hintergrundberichte und Infos über Soli-Aktivitäten gibt's weiterhin auf www.antirep2008.tk

Menschenrechte in Ö? Bitte für was?
28.03.2010 01:49

diese berichte sind viel detailreicher.
nix für ungut grüne ;)

Menschenrechte in Ö? Bitte für was?
27.03.2010 23:38

hier sind genauere berichte!
nix für ungut grüne ;)

ps.: an richterin: keine ahnung wer "smash §278a" ist, aber glauben Sie, dass nur diese person gegen dieses mehr als nur fragwürdiges gesetz im internet stimmung macht?

Albert Steinhauser
27.03.2010 09:47

Die Grünen haben einen Prozessbeobachter zum Tierschützer-Strafverfahren geschickt. Hier der Link für Interessierte zu meinen laufenden Berichten vom Prozessgeschehen:
http://albertsteinhauser.at/2010/03/0... ginn_278a/

zhang sanfeng
01.04.2010 10:52

danke!

Arbeiter von Wien
28.03.2010 07:48
Ich finds ja gut, daß Du berichtest,

aber manche Sachen sind schon grenzwertig. Der "Bericht" zum 24. März beispielsweise. Warum sollen "Politische Haltungen das eine sein", zumal bei dieser Farce? Die Aussageverweigerung abseits von den Erklärungen der 5 Beschuldigten sind die einzige richtige Antwort, auf dieses Affentheater mit den Mails, Bekanntschaften und Gesinnungen!

Selbst wenn man dem bürgerlichen Rechtsstaat weiterhin die Stange halten wollte; Indem Du unterstellst daß "die dünnen Vorhalte der Staatsanwaltschaft zu widerlegen" seien, unterminierst Du auch die bürgerliche "Unschuldsvermutung"! Soll doch der Staatsanwalt endlich beweisen daß die 13 eine Mafia sind, und nicht die 13 diese absurden Anschuldigungen dauernd wiederlegen müßen – so wie´s gesetzlich wäre.

Albert Steinhauser
28.03.2010 14:14

Jede/r Beschuldigte soll seine Prozessstrategie selbst entscheiden - schreibe ich auch. Es ist aber eben eine Prozessstrategie, sprich mit welcher Strategie komme ich im Prozess zum erwünschten Ziel, einen Freispruch zu erreichen. Da kann das Widerlegen von dünnen Vorhalten schon hilfreich sein. Übrigens Prozessrechte (wie Vorhalte zu widerlegen) hat man nicht deshalb erkämpft, um die Unschuldsvermutung zu Ungunsten der Beschuldigten umzukehren. Das ist schlicht eine falsche Interpretation. Sonst stimm ich dir zu: die Staatsanwaltschaft soll endlich Beweise vorlegen.

Arbeiter von Wien
28.03.2010 18:18
Naja,

es stimmt schon daß Du die Auswahl der Prozesssttratgie freigestellt hast. Dennoch war da eine Wertung dabei. Ich finde es zwar generell ok zu werten, nur das Ergebnis halt falsch ;)

Arleth ist derart tendenziös, und fragte bisher fast ausschließlich nach Gesinnungen und Meinungen. Handfestes scheint es nicht zu geben. Meiner Meinung nach wird da nur Stimmung gemacht, da es keine Straftaten gibt.

Mir kommt das ganz oft so vor wie "Sie sind eine Hexe". Und da finde ich es durchaus eine gute Strategie nicht zu erwiedern "Nein sehen sie ich kann keine Hexe sein weil, ..."

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