Im Zweifel für kritischen Journalismus

26. März 2010, 19:29

Es müssen alle Tendenzen beobachtet werden, kritischen Journalismus durch Polizei und Justiz abzuwürgen

In der Parlamentsdebatte am 25. 3. sagte H. C. Strache: "Dass man ein Bild baut, Personen aus der Neonazi-Szene anheuert, bezahlt, hinschickt zu einer Opposition, um ein falsches Bild zu bauen, weil man solche Personen nämlich dort bei unserer Veranstaltung nicht findet und nicht sieht."

Na gut. Am 13. 9. 2007 war Strache Star-Gast einer Demo gegen das Islamische Zentrum Brigittenau. Fotos zeigen mehrere Burschen, einer mit einem schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift "Sturmwehr" und einem gekreuzten Hammer und Dolch.

Im Mai 2009 fand in Graz eine FPÖ-Großveranstaltung statt, bei der Jugendliche den Hitlergruß zeigten. Die Staatsanwaltschaft stellte wegen "mangelndem Tatbestand" ein.

Bei der FPÖ-Abschlusskundgebung zur EU-Wahl im Juni 2009 auf dem Viktor-Adler-Markt mit Strache sind auf dem Blog "Politwatch" mehrere Skinheads mit dem Hitlergruß zu sehen.

Und: Von derselben Veranstaltung gibt es auf YouTube ein Video ("EU-Wahlkampffinale 2009 FPÖ am Viktor-Adler-Markt"), wo ein glatzköpfiger junger Mann zu sehen ist, der zu Straches Rede die geballte Faust in die Luft stößt und sich dann eine Zigarette in den Mund steckt.

Der Mann ist mit großer Sicherheit ident mit dem jungen Skinhead, der in der Donnerstag ausgestrahlten "Am Schauplatz"-Reportage des ORF zu sehen war. Ident also mit einem der beiden Skinheads, die angeblich vom ORF bezahlt und auf eine Strache-Veranstaltung in Wiener Neustadt geschickt wurden, um dort mit "Heil Hitler" oder "Sieg Heil" zu provozieren (Strache ist sich nicht sicher, was er genau gehört haben will).

Auf dem Band ist nichts zu hören. In Vernehmungen durch den Verfassungsschutz NÖ scheinen die Skinheads das aber zuzugeben (einer nahm es dann zurück). Selbst wenn man sich vergegenwärtigt, dass gegen diese jungen Leute als Beschuldigte wegen Wiederbetätigung ermittelt wird (mit hohen Strafen bedroht) und sie daher jeden Grund hätten, zu lügen und den ORF als Anstifter hinzustellen - bleibt immer noch die legitime Frage, die z. B. auch ÖVP-Klubobmann Karl-Heinz Kopf stellt, ob der ORF nicht zu weit gegangen ist, indem er die Skins zu Strache brachte. Aber wenn zumindest einer vorher freiwillig zu Strache ging, dann war es argumentierbar, das im Zuge einer (exzellenten) Reportage über rechte Kids zu wiederholen. Unter der Voraussetzung, dass sie nicht "bezahlt und instrumentalisiert" wurden, wie der ORF sagt.

Vorläufig heißt es aber: im Zweifel für kritischen Journalismus. Denn es gibt auch eine Dimension "Informationsfreiheit" in der Sache. Woher der Eifer der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt (das ist die, die einen "Mafia"-Prozess gegen Tierschützer inszeniert hat), gleich mit der Beschlagnahme-Keule gegen den ORF vorzugehen? Woher das schnelle Wissen der FPÖ über Amtsvorgänge in der Sache?

Es ist schon gut, dass über journalistische Methoden diskutiert wird. Aber genauso müssen alle Tendenzen beobachtet werden, kritischen Journalismus durch Polizei und Justiz abzuwürgen. (Hans Rauscher/DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.3.2010)

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Posting 1 bis 25 von 119
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Löschkandidat
32
28.3.2010, 15:13
Kritischer Journalismus zuerst Journalismus, dann kritisch

Journalismus: APA Meldung Cut&Paste dann wird's kritisch:
Den Beaujolais oder doch einen Burgunder....

sljudanka
34
28.3.2010, 14:49
Journalisten und Juristen waren schon IMMER die ersten die ihrre Seele an die Mächtigen verkauften

das galt für alle Systeme, vom Kommunismus über Faschismus bis zum Absolutismus!!

von daher sollte man sehr kritisch sein, was selbstgerechte Schreiber bringen....

die Abhängigkeit von der Macht (egal welche gerade) ist zu gross

t-bonesteak
21
29.3.2010, 11:06
so, so...

journalisten, die ihren beruf ernst nehmen, zählen sehr oft zu den ersten die ins gras beißen - sei es durch "harmlose" sanktionen wie ein quasi-berufsverbot über willkürliche inhaftierung oder durch körperliche gewalt bis hin zu mord (siehe dazu einfach mal die jahresberichte von reporter ohne grenzen der vergangenen 10 jahre)

schmeiser
20
28.3.2010, 16:47

was für ein durchblick. alle achtung.

her wig
11
28.3.2010, 13:40

Der kritische Journalist ist einer der nicht alles unhinterfragt glaubt was ihm geboten wird, oder? Oder ist es einer der alles anzweifelt was nicht seiner Meinung entspricht??

snufkin
03
28.3.2010, 10:57
off topic

kann der standard bitte diesen blöden ostereier-sound der telekom-werbung abdrehen. das nervt gewaltig, wenn man den ton nicht ausschalten will, weil man z.b. neben dem lesen musik hören will. danke!

zlgrppnprtzpnt
 
01
28.3.2010, 15:47
Mika Eskimo
 
14
28.3.2010, 10:13
Wahnsinn

Wenn ein Assinger für eine mäßige Show, ein kleines Vermögen bezahlt bekommt, eh wurscht. Aber wehe, wehe wenn ein in Armut lebender, verwahrloster Jugendlicher, pro Drehtag einen Hunderter bekommt, dann ist der Skandal perfekt.Wo käme man denn da hin ? Do könnt ja ein jeder kommen.

Der Pekines vom Moreshit
00
Sie haben nichts

verstanden!

Gerhard Bichler1
35
28.3.2010, 09:56
Zwischen kritischem Journalismus.,.

und inszenierten Provokationen kann ein unbedarfter Zuseher kaum unterscheiden.

In Deutschland wollten sie die NDP verbieten, weil bei ihren Veranstaltungen von einigen Teilnehmern immer wieder gegen das Wiederbetätigungsgesetz verstoßen wurde. Das entsprechende Gerichtsverfahren brach jämmerlich zusammen weil sich herausstellte, dass die Provokatuere alle Agenten der Staatssicherheit waren und man eher diese hätte verbieten müssen.

t-bonesteak
11
29.3.2010, 11:08
eine etwas verdrehte sichtweise

und v.a. nicht ganz den tatsachen entsprechend. aber mcht ja nichts, wenn es darum geht die nazis reinzuwaschen, gell.

G e o r g
11
28.3.2010, 16:23

Deine Darstellung des NPD-Verbotsverfahrens ist falsch. Die Partei ist klar neonazistisch, die hat nicht erst der Verfassungsschutz dazu gemacht.

natoll
23
28.3.2010, 13:50

wer den schmarrn jetzt noch immer verteidigt (ala typen wie dir) muss selbst bis zum hals drin stecken. es glaubt euch ohnehin niemand mehr.

Gerhard Bichler1
23
28.3.2010, 09:46
Beschuldigte dürfen lügen.,.

und das haben sie alle auch getan.

Philipp hat an
"Vier, fünf, vielleicht auch sechs"
Drehtagen
"Ja. Immer am Ende des Tages"
"Einen Hunderter, immer."
"Ich habe einfach immer einen Hunderter bekommen."
ABER:
"Wie viel haben Sie insgesamt gekriegt?"
"Drei, vier hundert."

Der Fischer sagte in der TV-Diskussion auch wider besseres Wissen nicht die Wahrheit. Er behauptete, dass der Moischitz die Darsteller nur privat beschenkt habe und nicht der ORF:

Philipp: "Immer wenn ich ein Geld bekommen hab, habe ich einen Zettel gekriegt, da muss ich meine Wohnadresse raufschreiben, mein Geburtsdatum und unterschreiben."

Also gibt es offenbar ein Spesenkonto des ORF und die Darsteller wurden eben nicht privat beschenkt sondern vom ORF bezahlt.

- rau -
11
28.3.2010, 17:38
Schon mal dran gedacht, dass sich der

Redakteur einen Beleg geben lässt, um es von der Steuer abzusetzen, wenn er schon Teile privat bezahlt (was er übrigen leugnet) ?

Der Pekines vom Moreshit
00
warum macht er das

nur, warum nicht über den orf ..... :))

bad user
10
28.3.2010, 17:38
Die Bestätigung der Geldübergabe

kann sowohl für ORF-Zwecke, als auch für die Buchhaltung eines Freiberuflers bestimmt sein.

Da Sie vermutlich nicht mal wissen, welche Vertragsform Ed Moschitz und der ORF eingegangen sind (Angestellter, Auftragnehmer des ORF oder eine Mischform daraus), würde ich mit SEHR WEIT hergeholten Behauptungen ein wenig vorsichtiger sein ...

Pauli Feuerstein
64
28.3.2010, 00:00
Die rot eingefärbte Bagage im 13. Hieb

hat mit kritischem Journalismus relativ wenig am Hut! Dementsprechend wäre ich mit ihrer Aussage vorsichtig!

Isogseich Eini
30
28.3.2010, 12:54

Wow! Treffsicher wie eine Atombombe, Ihr Beitrag.

derhundvonsinope
23
27.3.2010, 23:19
kritischer bar-aufs-handerl-journalismus ? 2

Dort haben die beiden mit dem Geld des ORF/meinem Geld (auch das ist noch strittig) eingekauft. Zu der Veranstaltung der FPÖ wurden die beiden Jugendlichen mit unserem ORF-Bus gebracht."
Wie hätten Sie nach einem solchen Statement, das nur die bereits erwiesene Vorgangsweise zum Inhalt hat, die Sendung "Am Schauplatz" wahrgenommen ? Hier von kritischem Journalismus zu sprechen, ist mir schlicht nicht nachvollziehbar.


- rau -
11
28.3.2010, 17:40
wie hätten sie die beiden sonst hinbringen

sollen ? Auto haben die keines, geld auch nicht, verlässlich (bei terminen) sind sie auch nicht.
Leute, das fuktioniert so bei solchen Reportagen.

derhundvonsinope
11
28.3.2010, 18:22

das mag schon sein, dass diese art von journalismus so funktioniert, nur sollte man es seinen seherInnen fairer weise sagen. und vor allem: was ist daran dann noch kritisch ?

es sei bemerkt
11
28.3.2010, 23:31

ich geh mal davon aus, dass es in der reportage nicht geheißen hätte: "wir treffen sie zufällig in wiener neustadt" - nur konnte den sehern nichts gesagt werden ehe die sendung fertig war. leuchtet ein, oder?
und warum sollte das dann nicht mehr kritisch sein? kritische auseinandersetzung mit einem thema oder milieu gebricht nicht an einer gemeinsamen autofahrt

derhundvonsinope
43
27.3.2010, 23:09
kritischer bar aufs handerl - journalismus ? 1

Lassen wir einmal die Fragen, ob da auch die fpö angepatzt werden sollte oder Anstiftung zur Wiederbetätigung vorliegt, beiseite. Stellen wir uns bloß vor Herr Mag.Moschitz (der Mann ist absolvierter Kommunikationswissenschafter) hätte in einem einleitenden Statement zur Sendung etwa folgende Worte von sich gegeben: "Dies hier sind Phillipp und Kevin, zwei arbeitslose jugendliche Skinheads mit deutlicher Nähe zu dümmlichen Neonazi-Sprüchen, die ich gerade auf ein Mittagessen und ein Bier eingeladen habe. Darüber hinaus bekommen die beiden von mir 100 Euro pro Drehtag (die 80 Euro für den SH-Sager lasse ich an dieser Stelle, weil noch strittig, weg). Wir waren auch schon in einem Laden mit einschlägigen Devotionalien.

Nick Not
04
28.3.2010, 01:04

sie lassen etwas weg, indem sie es nennen, sehr merkwürdige vorgehensweise. erinnert an den Spruch man darf ja heute nicht mal mehr sagen "ausländer raus"...

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