Füllhorn der Talente

26. März 2010, 17:18
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Knef selbst hat Auszüge des Buches 1999 aufgenommen, doch die von Makatsch diszipliniert berlinerisch vorgetragene Version hat ebenfalls ihren Reiz

Über die Qualitäten der cineastischen Biografie der Hildegard Knef, die im Vorjahr mit Titel Hilde in den Kinos lief, mag man geteilter Meinung sein. Heike Makatsch war in die großen Schuhe der 2002 verstorbenen Kollegin geschlüpft, jedoch von Regie und Drehbuch alleingelassen worden. Im Rummel der Kritiken und Knef-Reminiszenzen ging unter, dass Makatsch die literarische Vorlage zum Film als Hörbuch eingelesen hatte: Hildegard Knefs 1970 erschienene Autobiografie Der geschenkte Gaul. Knef selbst hat Auszüge des Buches 1999 aufgenommen, doch die von Makatsch diszipliniert berlinerisch vorgetragene Version hat ebenfalls ihren Reiz. Sie ist frisch und kräftig und hält ihre Zuhörerschaft problemlos über vier CDs hinweg in streckenweise atemloser Spannung - denn das Beste an Hilde, dem Hörbuch, wie Hilde, dem Film, ist selbstredend Hildegard Knef hochselbst. Über dieser Frau muss den höheren Mächten das Füllhorn der Talente ausgekommen sein. Die konnte nicht nur schauspielern und singen, sondern auch erzählen. Ihre dichten, kraftvollen Schilderungen aus dem Deutschland der 30er- bis 50er-Jahre und aus dem eigenen Leben führten 1970 nicht zu Unrecht alle Bestsellerlisten an. Der geschenkte Gaul ist ein äußerst reflektiertes Buch. Ein kluges Buch. Eines, das man auch heute lesen - oder sich vorlesen lassen kann. (Ute Woltron, DER STANDARD/Printausgabe 27.3./28.3.2010)

  • Hildegard Knef, "Der geschenkte Gaul". Gelesen von Heike Makatsch. 4 
CDs, EUR 19,95. Edel Edition, Hamburg, 2009
    foto: edel edition

    Hildegard Knef, "Der geschenkte Gaul". Gelesen von Heike Makatsch. 4 CDs, EUR 19,95. Edel Edition, Hamburg, 2009

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