Plädoyer für subjektive Maßlosigkeit

26. März 2010, 17:15
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"Viel Genuss für wenig Geld" ist weder ein Ratgeber zum Glück noch Anleitung zum Unglücklichsein, sondern eine intellektuelle Auseinandersetzung mit unserem Dasein

Beginnend mit seiner kindlichen Erfahrung, dass Sparen Betrug sei, da er bei der Bank seines Vertrauens deponierte, mühsam gesammelte 10-Groschen-Münzen mit der Prägung seines Geburtsjahres 1968 nicht in der gleichen Form zurückerstattet bekam, versucht Martin Amanshauser sein erkenntnisreiches Weltbild zu vermitteln: Viel Genuss für wenig Geld ist aber weder ein Ratgeber zum Glück noch Anleitung zum Unglücklichsein, sondern vielmehr eine intellektuelle Auseinandersetzung mit unserem Dasein. Amanshauser behandelt alle Aspekte menschlicher Existenz, versucht Irrtümer aufzuklären. Stets pointiert und eloquent, mit feiner Ironie und leisem Sarkasmus beschreibt der Kosmopolit Vorzüge und Nachteile unserer Konsumgesellschaft im Gegensatz zu Sozialisationen, die keinerlei Ahnung haben, was Kapitalismus ist, geschweige denn von welchen Luxusproblemen wir geprägt sind. Der als Reiseautor für Presse und Süddeutsche Zeitung tätige Journalist plädiert trotz Kenntnis armer Regionen für ausgiebigen Genuss und verhöhnt Misanthropen, die in ihrem Verzicht zu grotesken Exzentrikern mutieren. Wesentlich ist aber die Conclusio, dass Genuss individuell empfunden werden kann. Homo ludens versus Homo oeconomicus.Und bei aller Virtualität der modernen Welt: Das wertvollste Gut des Genusses wird an Bedeutung gewinnen: die Zeit. (Gregor Auenhammer, DER STANDARD/Printausgabe 27.3./28.3.2010)

 

  • Martin Amanshauser, "Viel Genuss für wenig Geld" . € 14,90 / 192 Seiten.
 Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010
    foto: christian brandstätter verlag

    Martin Amanshauser, "Viel Genuss für wenig Geld" . € 14,90 / 192 Seiten. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2010

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