"Mit welchen Personen gehe ich in die Zukunft?"

26. März 2010, 19:49
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Teams, die durch eineinhalb Jahre Krise und Sparen gegangen sind, können allein keine positiven Zukunftsszenarien entwickeln - Neue Impulse durch neue Leute

Frühlingsluft nimmt Martin Mayer, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Iventa, jetzt bei den Ausschreibungen von qualifizierten Spezialistenpositionen (IT-Betreuer, SAP-Manager, Bilanzbuchhalter) wahr. Es greife jetzt die Erkenntnis Raum, dass man Organisationen nicht bis "ins Letzte" ausdünnen könne, dass "ewig improvisieren" nicht funktioniere.

Aus vielen Gesprächen mit Unternehmenslenkern kann Mayer berichten, dass nun in einem etwas freundlicheren Marktumfeld Bewusstsein erwache, dass nach Monaten der Existenzkrise neue Impulse mit neuen Leuten gesetzt werden müssten.

Dabei gehe es um "unbelastete" Quereinsteiger, also Leute, die etwa verunsicherte, demotivierte Vertriebsteams mit neuem Schwung bereichern: "Impulsgeber für Teams in sehr belastetem Zustand", wie Mayer formuliert. Mit negativ festgefressener Routine in den geschrumpften Belegschaften seien neue Chancen jedenfalls kaum wahrzunehmen, sich herausbildende neue Spielregeln (vor allem im produzierenden Bereich) nicht optimal umzusetzen.

Kostenseitige Argumente

Dass Kostensparen bei vielen Unternehmen noch über allem stehe, bestreitet Mayer nicht. Personaldiskussionen würden derzeit auch noch weniger inhaltlich und mehr kostenseitig diskutiert. Das hemme noch die Investition für das Formen der Zukunft - bei den Multis, die Mayer in einigen Bereichen auf ein personelles Skelett geschrumpft sieht, wie auch im Mittelstand, den das Finanzierungsthema im Zuge der Bankenkrise schwer belaste.

"Das Personalthema wird dadurch einfach zu stark auf der Kostenseite gesehen", so Mayer. Dass die notwendige und adäquate Frage allerdings lauten müsse: "Mit welchen Leuten will ich in zwölf Monaten arbeiten? Wen will ich mir holen?" - das werde zwar in allen Gesprächen bestätigt, aber wenn, dann nur zögerlich im "Do it yourself"-Modus umgesetzt. Das verstärke auch "die extreme Demotivation in den mittleren Managementebenen". Negative Energien würden permanent verstärkt. Mayer: "Ein Team, das durch eineinhalb Jahre Krise und Sparen gegangen ist, kann alleine keine Zukunftsszenarien entwickeln."

Sein Appell: "Wir brauchen Ventile gegen innere Kündigung, wir brauchen durch neue Köpfe die Fähigkeit, positiv in die Zukunft zu gehen. Wenn wir das nicht drehen, dann können wir die Chancen auf den veränderten Märkten nicht nützen." (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.3.2010)

  • "Dringend gebraucht": Personelle Impulse für demotivierte, krisengebeutelte Teams: Iventa-Chef Martin Mayer.
    foto: standard/fischer

    "Dringend gebraucht": Personelle Impulse für demotivierte, krisengebeutelte Teams: Iventa-Chef Martin Mayer.

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