Kraftwerke, Iran-Projekte

Andritz im Visier von NGOs

26. März 2010, 14:14
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    foto: greenpeace/teresa novotny

    In Gestalt von über drei Meter hohen Bäumen protestierten Greenpeace-Aktivisten am Freitag gegen die "Zerstörung der Urwälder durch die Andritz AG im Amazonas".

Greenpeace, Global 2000 und ECA Watch kritisieren Kraftwerks-Projekte, "Stop the bomb" greift Andritz wegen Iran-Connection an

Wien - Der Grazer Maschinenbauer Andritz sieht sich derzeit mit massiver Kritik seitens gleich mehrerer NGOs konfrontiert. Umweltorganisationen nutzten die am Freitag in Graz stattfindende Hauptversammlung des börsenotierten Unternehmens, um auf die "ökologischen Kosten" aufmerksam zu machen, die das Unternehmen "zur eigenen Gewinnmaximierung" verursache. "Während sich die Andritz AG in Österreich als Vorzeigefirma im Sinne der Nachhaltigkeit feiern lässt, steht der Name Andritz AG im Ausland für die Zerstörung der Umwelt und des menschlichen Lebensraums", heißt es in einer Aussendung von Greenpeace, GLOBAL 2000 und ECA Watch. "Denn um die Projekte des Unternehmens umzusetzen, müssten zehntausende Menschen umgesiedelt, Kulturdenkmäler zerstört und an die hundert einzigartige Tier- und Pflanzenarten ausgerottet werden."

Ilisu, Belo Monte

Konkret geht es etwa um den seit Jahren höchst umstrittenen Bau des Ilisu-Staudamms in der Türkei, um den Belo-Monte-Staudamm in Amazonien sowie eine Zellstofffabrik in Tasmanien, für die laut den NGOs 200.000 Hektar Wald gerodet werden sollen. "Die Andritz AG verhält sich skrupelloser als andere Firmen. Das hat sie schon beim Ilisu-Projekt in der Türkei unter Beweis gestellt", stellt ECA Watch-Sprecher Ulrich Eichelmann fest. "Während sich nach dem Ausstieg der europäischen Exportversicherungen Banken und andere Baufirmen zurückzogen, verkündete Vorstandschef Wolfgang Leitner stolz, dass die Andritz AG weiterhin im Rennen um den Auftrag bliebe, egal ob internationale Standards erfüllt würden oder nicht. Über 60.000 Vertriebene, 400 Kilometer zerstörte Flüsse und der Untergang von Hasankeyf spielen für die Andritz AG offenbar keine Rolle, Hauptsache der Profit stimmt", empört sich Eichelmann.

Auch am Xingu - einem Zufluss des Amazonas -, wo der drittgrößte Staudamm der Welt gebaut werden soll, "nimmt die Andritz AG für die Steigerung ihres Profits die Rodung des Urwaldes, die Umsiedlung und Enteignung von Menschen und die Ausrottung ganzer Tier- und Pflanzenarten in Kauf", so die Kritiker. "Sieht so der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt aus, für den sich der Vorstand der Andritz AG seit Jahren lobt?", fragt Greenpeace-Sprecher Niklas Schinerl. "Um diesen verantwortungsvollen Umgang unter Beweis zu stellen, reicht es nicht aus, den Jahresbericht auf Umweltpapier zu publizieren."

Rückzug und Fonds gefordert

Die Andritz AG sowie namentlich deren Vorstandschef Wolfgang Leitner werden aufgefordert, "sich sofort aus den umstrittenen Projekten zurückzuziehen". Überdies beantragten die Vertreter der Organisationen, die zum Teil selbst Aktionäre der Andritz AG sind, bei der Hauptversammlung, dass das Unternehmen einen Fonds für die Opfer ihrer umstrittenen Auslandsprojekte einrichtet.

Damit nicht genug, kündigte auch das Bündnis "Stop the bomb", das vor allem die Geschäfte von Andritz im Iran sehr kritisch sieht, Proteste im Rahmen der Andritz-Hauptversammlung an. In den vergangenen Jahren habe Andritz nämlich Generatoren für das Kharkeh-Projekt geliefert, das laut "Stop the bomb" maßgeblich vom Firmenkonsortium der Revolutionswächter Khatam al-Anbia betrieben wird. "Die Revolutionswächter sind die Elitetruppe des Regimes, die nicht nur das Raketen- und Nuklearprogramm kontrolliert, sondern auch maßgeblich an der Niederschlagung der Proteste in den letzten Monaten beteiligt war", erklärt "Stop the bomb"-Sprecherin Simone Dinah Hartmann. "Es stellt sich die Frage, wie Firmen überhaupt ausschließen wollen, mit Firmen der Revolutionsgarden Geschäfte zu machen, wenn diese mittlerweile die iranische Ökonomie dominieren und bis zu 80% des Außenhandels kontrollieren sollen."

Andritz weist Kritik zurück

Die Kritik der Umweltorganisationen wird von Andritz zurückgewiesen und widerspricht insbesondere dem Vorwurf der Beteiligung an angeblich umweltzerstörerischen Aktionen. "Alle von Andritz gelieferten Anlagen entsprechen weltweit dem modernsten Stand der Technik und erfüllen die jeweiligen Umweltauflagen voll und ganz. Alle Projekte, bei denen Andritz vom Projektbetreiber als einer der Lieferanten ausgewählt wird, verfügen nach bestem Wissen von Andritz über alle erforderlichen Genehmigungen", stellt Konzernsprecher Michael Buchbauer fest. Andritz fungiere "weder als Investor, noch ist Andritz in die Genehmigungsverfahren involviert". Bei einigen von den NGOs kritisierten Projekten sei Andritz zudem nicht einmal Lieferant. (red)

Kommentar posten
21 Postings
Sir Bené Myles
00
28.3.2010, 19:02
Franz Reisl
00
28.3.2010, 17:54
Im Sinne der Gerechtigkeit.,.

fordern die arbeitslosen Demonstranten, dass auch Andritz seine Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schicken soll.

chem
00
28.3.2010, 14:50
Na - ob das Geld in die Kassen des Spenden-Multis Greenpeace spült ??

Johann Hunger1
45
27.3.2010, 16:40
NGOs ABSCHAFFEN!

Warum: Sie sind nicht gegen die usa und deren Kriege! Weiters nicht für die Auslieferung von Kriegsverbrechern aus den Ländern ISRAEL und usa! Aber gegen Andritz, die Wasserkraftwerke in der ganzen Welt auf den neuesten Stand bringen, und das für die Umwelt gut ist. Nur gegen die Atomkraftwerke (Österreich hat keines) die in der usa und in Israel stehen, haben die NGOs nichts,oder? Wer steckt hinter den NGOs? Wer will die guten Firmen kaufen? Wie bei der Voest: Immer schlecht geredet, und kaum an der Börse, waren die Aktien weg, wie warme Semmeln! Glauben die wircklich, wir sind alle blöd?

aners
00
27.3.2010, 15:24
da werden

die türschützer bald gesellschaft bekommen,
neue mafia-vereinigung,
kann doch nicht sein dass "unsere" firmen sich so einer demokratischen unart aussetzen müssen ;)

Nikolaus von Jancso
 
01
27.3.2010, 15:21
Andritz und Umwelt

XINGU :Was hat den Andritz mit der lokalen Gesetzgebung für den Schutz de Umwelt zu tun ? Es ist Sache des Bauträgers und nicht des Lieferanten. Aus recht genauer Kenntnis der lokalen Verhältnisse und besonders was dieses Projekt betrifft kann man objektiv feststellen, dass die Freigabe nach zwanzig Jahren erfolgte. In diesem Zeitraum wurden unzählige Untersuchungen durchgeführt und das Projekt wurde laufend den Umweltanforderungen angepasst. Die brasilianische Öffentlichkeit weis drüber genauestens bescheid, das Thema wurde in den letzten Jahren öffentlich diskutiert und in der Presse ausführliche behandelt.
Den Lieferanten trifft kein Vorwurf.

fischer heimo
24
27.3.2010, 12:01
Erst wenn der letzte Oesterreichische Arbeitsplatz vernichtet ist ...

... dann leben wire hier umweltgerecht!!!

Nachdem die industrie groesstenteils bereits aus dem 'alten' Europa vertrieben ist, mussten die Menschen mit Finanzprodukten (Extrembeispiel UK) ihr Geld verdienen. Die Auswirkungen kennen wir ...

vorsicht reizend..
00
20.5.2010, 10:14
da kann man nur den Kopf schütteln...

Als ob nachhaltige und umweltgerechte Lösungen keine Arbeitsplätze abwerfen würden... und ich glaube nicht, dass solche Lösungen immer mehr Kosten als andere.. das Drama ist dieses dass Konzerne keine Forschungsgelder kriegen wenns z.B. um Projekte geht die den Ausstieg aus der Ölindustrie bedeuten würden und so verhält sichs auch mit vielen Anderen.. man hält die Innovationen und die Entwickluing derer nieder.. und erhält die Abhängigkeiten - denn Abhängigkeit bedeutet Macht und vor den Mächtigen da fürchten sich leider zuviele.

Johann Hunger1
03
27.3.2010, 16:51
Wie recht Sie haben!

Man müsste den Herrn Ulrich Eichelmann fragen, was ist wenn den Auftrag die usa Firma General Electric bekommt? Oder bekommt er von dort Provision, wenn die Firma Andritz den Auftrag nicht bekommt? Es gibt noch Menschen, die 1+ 1 zusammenzählen können, Herr Eichelmann!

Herzerzog Johann
12
27.3.2010, 09:07
Andritz ...

... haben Störaktionen jeglicher Art nie auch nur irgendwie beeindruckt. Drum stehen sie auch so gut da ...

let's make money
04
26.3.2010, 21:30
haha

"Alle von Andritz gelieferten Anlagen entsprechen weltweit dem modernsten Stand der Technik..."

habe als leiharbeiter auch für die andritz hydro in der endmontage gearbeitet und die vorarbeiter bemängelten vor allem den "modernsten technischen stand" und auch die schlampige ausführung der teile.

egal was mir in den letzten 2 jahren (und egal für welche firma) in den bereichen stahl-, maschinen- und anlagenbau durch die hände ging, wir (allein ist oft schwierig montieren...) waren ca. doppelt so lange mit nacharbeiten als wie mit der montage beschäftigt. die qualität ist im sinkflug..

was man mit wasserkraft eigentlich bewirken könnte, kann man am beispiel norwegen sehen. das potetial wäre glaub ich auch in österreich vorhanden.

Carlito336
211
26.3.2010, 19:08
NGO?


Die Motive der Umweltorganisationen sind mir nachvollziehbar und zu unterstützen.

Aber im gleichen Artikel die Anliegen von "stop the bomb" abzuhandeln, ist für die obigen Anliegen wohl beleidigend.
Diese Sekte will Bomben - auf den Iran abgeworfen sehen.
Das sind üble rechte Kriegshetzer, die sich selbst an die Linke anzubiedern versuchen, also keine Scham kennen.

d_parker
00
28.3.2010, 12:24
Funktionaler Analphabetismus ist behandelbar... Wenn es nicht dafür reicht, dass Sie sich selber kundig machen, lassen Sie sich's doch von anderen erklären: http://at.stopthebomb.net/petition/... =de#signup

"Deshalb fordern wir – insbesondere von der österreichischen Regierung –, den "kritischen Dialog" mit den Mullahs einzustellen und stattdessen folgende Maßnahmen zu ergreifen:

* Sofortiger Abbruch der Verhandlungen zwischen der OMV und den iranischen Mullahs auf Basis unilateraler Sanktionen
* Einstellung der Kreditstützung durch die österreichische Kontrollbank für Geschäfte mit dem Iran
* Verhängung von wirksamen und umfassenden UNO- und EU-Sanktionen mit dem Ziel das iranische Regime politisch und ökonomisch zu isolieren
* Unterstützung jener iranischen Opposition, die eine wirkliche Alternative zum gegenwärtigen Regime darstellt und für einen säkularen und demokratischen Iran kämpft"

sixela
12
27.3.2010, 09:34

Sie haben da was missverstanden. Stop the Bomb will verhindern, dass dem Iran die Möglichkeit gegeben wird, (Atom-)Bomben auf andere zu schmeißen.

In Österreich, wo Geschäfte immer schon wichtiger war als Kritik an menschenverachtenden Regimen (Österreich war sowohl in der DDR als auch im Khomeini-Iran unter den ersten, die sofort die Beziehungen normalisiert haben), ist deren Arbeit sehr wichtig.

der Rabe
28
26.3.2010, 20:24

Im ganzen politischen Spektrum wird diese Narrentruppe höchstens belächelt.
Warum findet sie im Standard immer wieder Gehör?

Franz Reisl
00
28.3.2010, 17:56
Warum findet sie im Standard immer wieder Gehör?.,.

Der Standard ist auch so etwas wie eine narrische NGO.

Johann Hunger1
10
27.3.2010, 16:57
Sie müssen nur schauen, wer dehnen Geld gibt, und Sie wissen es dann!

Wirtschaftsminister
00
26.3.2010, 18:44
Kurzfristig - Langfristig

Da zeigt sich halt der Konflikt zwischen kurzfristigem Gewinnstreben und langfristigen Werten. Um über positive Quartalsberichte den Unternehmenswert zu steigern, sind solche Projekte durchaus geeignet, allerdings werden langfristige Werte unwiederbringlich zerstört. Ein Systemfehler und vielleicht auch Fehler der Firmenphilosophie, die es nicht schafft langfristige Werte mit kurzfristigen Zielen zu vereinbaren.

strange day
24
26.3.2010, 19:27
was für ein Systemfehler?

dies läßt sich auf die alte Frage reduzieren, ob derjenige, der ein Messer produziert, für einen Missbrauch dessen verantwortlich ist. Die kritisierten Projekte werden ja nicht von Andritz "erfunden" oder entwickelt, sondern finden sowieso statt. Ob im Kraftwerk österreichische Turbinen laufen oder chinesische, ist der Natur wohl ziemlich egal; dem Arbeiter in Graz aber eher nicht....

rks
 
11
27.3.2010, 08:27

Der Vergleich mit dem Messer hinkt. Er wäre nur passend, wenn der Hersteller des Messers genau informiert ist, was der Käufer damit machen wird, und es trotzdem verkauft.

Die andere Hälfte des Arguments ist "wenn Andritz das Geschäft nicht macht, tut es halt ein anderer." Damit kann man natürlich alles rechtfertigen, inclusive Kinderprostitution und Drogenhandel.

t-bonesteak
25
26.3.2010, 15:20
"stop the bomb"

als ngo zu bezeichnen ist lieb...

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