Was Rauchentwöhnung für viele so schwierig macht, ist Nikotin. "70 Prozent der Raucher sind nikotinabhängig", sagt Sozialmediziner Rudolf Schoberberger. Der Rest raucht wegen psychosozialer oder krankhafter Zwänge. Nikotin wirkt wie Drogen. Es dockt im Belohnungszentrum des Gehirns an einem Rezeptor an, der gar nicht für Nikotin vorgesehen ist, sondern für den Botenstoff Acetylcholin. Er ist für die Ausschüttung von Dopamin zuständig und löst Entspannungs- und Glücksgefühle aus. Allerdings baut sich Nikotin viel langsamer ab als Acetylcholin, die Wirkung ist entsprechend stärker. Der Körper gewöhnt sich schließlich an die hohe Dopamin-Konzentration.
Sinkt der Nikotinspiegel, ist der Griff zur Zigarette vorprogrammiert. Nikotinersatzpräparate sollen den Heißhunger auf Nikotin stoppen. Das verschreibungspflichtige Medikament Champix von Pfizer funktioniert anders.
Täuschungsmanöver
Es setzt sich auf die vom Nikotin bevorzugten Rezeptoren und täuscht dem Gehirn abgeschwächt die Wirkung vor. Gleichzeitig blockiert es auch die Rezeptoren. Beim Rauchen bleibt der als angenehm empfundene Zigaretteneffekt aus. In klinischen Studien lag die Quote der Teilnehmer, die Champix über mehrere Wochen genommen hatten und auch nach einem Jahr noch abstinent waren, bei 22 Prozent - also etwas besser als Nikotinersatzpräparate. Eine Nebenwirkung war manchmal Übelkeit. Wie leicht oder schwer es fällt, nicht mehr zu rauchen, hängt jedenfalls vom Abhängigkeitsgrad und der Motivation ab. Leichte Raucher haben gute Aussichten. Größere Probleme haben Raucher, die unter einer Krankheit oder Depressionen leiden. Sie sind für Ratschläge nicht empfänglich. Unterm Strich schafft es von 100 Rauchern ein Drittel spontan, ein weiteres Drittel mit Entwöhnungsmethoden, und ein Drittel schafft es gar nicht, aufzuhören. (Andreas Grote, DER STANDARD Printausgabe, 29.3.2010)
Buchtipps:
Busson/Davani: Entschieden Nichtraucher. Humboldt 2010; U. Grohs: Nebenwirkung rauchfrei. Ecowin 2010; R. Schoberberger: Rauchstopp ohne Kiloflop. Kneipp Verlag 2008.
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Nikotin wirkt nicht wie eine Droge - es ist eine Droge!!! Und spielt in der Raucherentwöhnung noch dazu eine absolut untergeordnete Rolle. Das Nikotin hat den Körper nach etwa 2-3 Tagen Nichtrauchen schon wieder fast vollständig verlassen, das eigentliche Problem ist die psychische Abhängigkeit: all die Situationen im Leben die der Raucher eng mit Zigaretten verbindet und sich ohne nicht mehr vorstellen kann. Erst wenn einem bewusst wird, wie sinnlos die Raucherei ist und wie wenig einem eine Zigarette bietet - und um wie viel besser die selben Situationen ohne Zigarette sein können, erst dann kann man wirklich Nichtraucher werden. Da können sie noch so viele Präperate nehmen, sich 100x hypnotisieren oder lasern lassen - alles zwecklos!
Warum wird eigentlich nie die Geldmache der Tabakindustrie kritisiert, aber stets die Geldmache der Pharmafirmen? Ich persönlich halte es für deutlich ethischer mit der Raucherentwöhnung Geld zu machen (was nachgewiesenermaßen wirkt, siehe klinische Studien) als mit der Lungenkrebserzeugung.
in dem Fall ist Werbung durchaus angebracht - sofern es auch nur einer schafft dauerhaft aufzuhören, weil er über diesen Artikel von diesem Präparat erfahren hat...
mir hat es mein Arzt empfohlen - der empfiehlt es allerdings nur ausgewählten Patienten - er hat damit (lt. eigener Aussage) durch die Vorselektion auf erfolgversprechende Propanden eine Erfolgsquote von über 80%...
...mein Bruder hat mit Nikorette & Co aufgehört, mein Vater per Cold Turkey... es gibt also auch genug Alternativen...
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