"Blaufränkisch halte ich übrigens für großartig"

26. März 2010, 09:57
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Gary Vaynerchuk, Betreiber des erfolgreichen Weinvideoblogs "Winelibrary TV", im Interview mit Luzia Schrampf

DER STANDARD: Sie hatten auch schon österreichische Weine in Ihrer Sendung, selbst Rotweine. Nach welchen Kriterien suchen Sie  eigentlich aus?

Vaynerchuck: Nach dem Zufallsprinzip. Mir fällt etwas auf, dann nehme ich drei Grüne Veltliner und spreche darüber. Aber natürlich gibt es auch Dinge wie: Kurz vor Weihnachten und Jahreswechsel trinken die Leute gerne Sprudel.... Blaufränkisch halte ich übrigens für großartig.

DER STANDARD: Sie wiederholen in Ihrer Winelibrary TV gebetsmühlenartig, dass die Leute Neues ausprobieren und sich auf ihren Geschmack verlassen sollen. Was haben Sie davon?

Vaynerchuck: Für mich und meine Marke gibt’s da tatsächlich wenig zu gewinnen, weil ich ihnen damit sage, dass sie mir eigentlich nicht zuhören sollen. Und das ist irgendwie großartig. Aber offensichtlich unterstütze ich die richtige Sache. Und wenn man für die richtige Sache ist, hat man eine Menge zu gewinnen.

DER STANDARD: In einem ihrer Videos sagen Sie, dass Sie sich aus Facebook, Twitter usw. eigentlich nicht viel machen, obwohl Sie all diese Dinge nutzen. Wozu sind die dann gut?

Vaynerchuck: Ich sehe sie ausschließlich als Werkzeuge. Und zwar als hervorragende und äußerst nützliche. Ich habe eine Menge Respekt vor den Leuten, die sie mir in die Hand gegeben haben. Aber trotzdem sind es nur Werkzeuge. Das alles ist viel größer als die reine Kommunikation über Facebook und Twitter. Es ist wie mit dem Auto: eine großartige Erfindung, aber viel interessanter ist, was sich daraus ergeben hat, wo die Leute auf einmal hinfahren konnten und was sie daraus gemacht haben. Es ist ein bisschen wie Schach: Nicht der erste Zug ist interessant, sondern erst der dritte.

DER STANDARD: Hat der traditionelle Weinjournalismus ausgedient? Verlieren die Weinschreiber den Kontakt zu den Leuten, für die sie schreiben sollen?

Vaynerchuck: Ich glaube nicht, dass sie den Kontakt verloren haben zu dem, was der Konsument möchte. Ich glaube auch nicht, dass ich mehr Verständnis für den Konsumenten habe als ein Journalist, nur weil ich vorher Wein verkauft habe. Ich habe nur das Gefühl, dass sich die Weinschreiber von den neuen Technologien abgekoppelt haben. Sie machen einen guten Job für die Konsumenten, aber sie verstehen nicht, wie man Twitter, Facebook und Co als Instrument einsetzt, um die Konsumenten besser zu erreichen: nämlich in jenen Medien, die Konsumenten immer mehr nutzen wie eben Internet, Weinblogs, Weinforen, Twitter und Facebook. Man erschließt sich neue Schichten und erreicht ein jüngeres Publikum. Und das ist für jedes Business wichtig....

DER STANDARD: Ist das word of mouth  wichtiger als ein professioneller Bericht über eine Sache?

Vaynerchuck: Ich glaube, das ist absolut gleichwertig.

DER STANDARD: Über Winelibrary TV verbreiten Sie Ihre Weintipps. Sehr häufig sind Sie auch Gast in Talkshows, bei Konferenzen und das nicht nur, um über Wein zu sprechen, sondern  als Role Model, das sich einen neuen Geschäftszweig erschlossen hat,  oder als Business Coach, der die Leute motiviert, ihre eigenen Geschäftsideen zu verwirklichen. Darüber haben Sie auch ein Buch geschrieben. Wer sind Sie wirklich?

Vaynerchuck: Ich mag Business als Business an sich. Und mir fallen diese Motivations-Geschichten leicht. Das ist einfach in meiner DNA: Ich bin von Grund auf optimistisch. Tatsächlich bin ich alles: ein großer Weinliebhaber mit viel Leidenschaft für das Thema. Deshalb mache ich Wein-Content im Internet. Ich habe ein Buch geschrieben, weil Bücher immer noch gelesen werden. Aber genauso leidenschaftlich interessiere ich mich für die Veränderungen in der Medienwelt und wie sich dadurch das Leben und die Welt verändert und wie die Welt jetzt verbunden ist. Die Welt wurde viel kleiner.

Aber darin finden sich unendlich viele Geschäftsideen. Aber während viele Angst haben und sich darauf konzentrieren, Veränderungen abzublocken, möchte ich herausfinden, wie ich sie nutzen kann. Weil es eine Möglichkeit ist. Ich habe wirklich große Freude daran, mir die Entwicklung einer Geschäftsidee auszumalen....

DER STANDARD: Was ist die große Freude daran?

Vaynerchuck: Ich glaube, es ist auch das Spielen mit der eigenen Reputation. Wenn man falsch liegt, wird einem keiner mehr zuhören. Ich weiß auch nicht warum, aber ich hatte immer ein gutes Gespür dafür, wie sich ein Geschäft entwickeln würde, egal ob es meine Baseballkarten waren, als ich klein war, oder das Weingeschäft oder irgendetwas anderes. Und weil ich die Fähigkeit habe, konnte ich eine Menge rausholen. Wenn man versteht, was da abläuft, gibt es eine Menge Mehrwert darin. Und das reizt mich. (Luzia Schrampf)

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