Männergesundheit

Wenn Männer sich krank hungern

Regina Philipp, 31. März 2010, 16:49
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    foto: bernhard wappis

    Bernhard Wappis (34) ist systemischer Coach und ausgebildeter Klinischer- und Gesundheitspsychologe.  Er ist Gründungsmitglied des Vereins "Mann-Sein" - Verein zur Förderung von Männergesundheitsprojekten und Leiter der Selbsthilfegruppe für Männer mit Essstörungen "sowhat". 2005 hat Wappis den autobiographischenErfahrungsbericht und Ratgeber: "Darüber spricht man(n) nicht! Magersucht und Bulimie bei Männern" veröffentlicht.

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    foto: apa/barbara gindl

    Der Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard outete sich 2007 in seiner Autobiografie "It is what it is" als Bulimie-Betroffener.

Längst keine Ausnahme­erscheinung mehr: Der mager­süchtige Mann - Gesundheits­psychologe Bernhard Wappis über die männlichen Beweggründe einer Essstörung

derStandard.at: Sind Essstörungen typische Frauenkrankheiten?

Wappis: Das würde ich nicht sagen. Schätzungen zufolge gibt es in Österreich 200.000 Menschen, die unter Anorexie oder Bulimie leiden. 20.000 davon sind Männer. Für Mann ist es natürlich schwierig, dass diese Krankheit ausschließlich in die Frauenecke positioniert wird, denn Männer gehen generell nicht gerne zum Arzt und unter dieser Vorraussetzung natürlich noch weniger.

derStandard.at: Das Phänomen männliche Essstörung wurde Ende der 90-er Jahre bei Skispringern erstmalig bekannt. Sind eher sportliche Männer davon betroffen?

Wappis: Sportler sind definitiv eher betroffen, vor allem in Leistungssportarten, wo Gewichtsklassen vorherrschen. Skispringen ist ein gutes Beispiel, denn natürlich springt es sich weiter, wenn man leichter ist. 2004 hat der Internationale Skiverband (FIS) deshalb einen BMI von 18,5 zum verbindlichen Richtwert für Skispringer gemacht. Bei anderen Sportarten erhöht ein niedriges Gewicht aber ebenfalls die Leistungsfähigkeit. Das betrifft unter anderem Triathleten, Radfahrer oder Kletterer.

derStandard.at: Das heißt der Leistungssportler ist per se gefährdet eine Essstörung zu entwickeln?

Wappis: Nein. Voraussetzung ist immer eine gewisse Grundpersönlichkeit. Es ist unwahrscheinlich, dass Menschen, die mit viel Anerkennung aufwachsen und aufgrund dessen ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl besitzen, eine Essstörung entwickeln. Mit einer perfektionistischen zwanghaften Persönlichkeit ist man viel eher gefährdet. Entscheidend ist aber, dass der Einstieg in die Erkrankung häufig über exzessive Bewegung erfolgt und Männer mit Anorexie oder Bulimie ihr Gewicht häufig versuchen mit Sport zu kontrollieren. Das primäre Ziel ist dabei immer ein durchtrainierter Körper und ein geringer Anteil von Körperfett. Stimmt die Persönlichkeitsstruktur, dann erkennt der Triathlet irgendwann, dass er mit ein paar Kilo weniger ein paar Sekunden dazu gewinnt. Die Folge ist: Er beginnt seine Ernährung umzustellen und kippt so in die Essstörung hinein.

derStandard.at: Frauen mit Essstörungen sind weniger aktiv?

Wappis: Der Sport spielt bei essgestörten Frauen eine geringere Rolle. Frauen bringen Schönsein weniger mit gut definierten Muskeln, als mit Schlanksein in Verbindung. Sie eifern völlig unrealistischen Modeltypen nach und greifen um Gewicht zu verlieren auch wesentlich häufiger zu Abführmitteln als Männer.

derStandard.at: Aber eifern nicht auch Männer immer mehr Schönheitsidealen nach?

Wappis: Ja natürlich macht sich auch der Mann von heute wesentlich mehr Gedanken über seine Schönheit. Das ist auch der Grund, warum zunehmend mehr heterosexuelle Männer von Essstörungen betroffen sind. Vor einigen Jahren noch war das anders. Da war der Schönheitsdruck vor allem in der Homosexuellen-Community sehr verbreitet. Deshalb waren auch mehr homosexuelle Männer von dem Phänomen Anorexie und Bulimie betroffen, als heterosexuelle.

derStandard.at: Ein Diagnosekriterium für die weibliche Essstörung ist die ausbleibende Regelblutung? Gibt es ein Pendant dazu beim Mann?

Wappis: Das ist genau das Problem, warum klinische Diagnostiker die männliche Essstörung häufig noch immer nicht erkennen. Andere Kriterien für Essstörungen, wie niedriges Körpergewicht, ausgeprägte Gewichtsphobie und Körperschemastörungen sind zwar bekannt, beim Mann sind Ärzte darauf aber noch zu wenig sensiblisiert. Es braucht da prominente Beispiele, um genauer hinzuschauen. Das mediale Interesse an der Bulimie des Exrennfahrers David Coulthard war beispielsweise sehr groß und hat natürlich auch in der Bevölkerung die Sinne für männliche Essstörungen geschärft.

derStandard.at: Das heißt die Symptome und körperlichen Konsequenzen einer Essstörung sind bei Mann und Frau im Wesentlichen gleich?

Wappis: Bei Männern lässt das sexuelle Interesse stärker nach und der soziale Rückzug ist besonders ausgeprägt. Interessant ist auch, dass Männer vor der Entwicklung einer Essstörung häufig übergewichtig bis adipös waren. Bei Frauen ist das seltener der Fall.

derStandard.at: Warum ist die Mortalitätsrate unter männlichen Essgestörten höher?

Wappis: Weil das Rollenbild des Mannes den Gang zum Arzt erschwert. Ein Indianer kennt ja bekanntlich keinen Schmerz und Mann lässt sich generell nicht gerne helfen. Viele männliche Essgestörte suchen deshalb erst mit schwersten Anorexien nach einer langen Erkrankungskarriere Beratungsstellen beziehungsweise Krankenhäuser auf. Man kennt das auch von anderen Krankheiten: Je länger der Verlauf, desto schwieriger ist die Heilungsrate. Die Magersucht wird auch als Suizid auf Raten bezeichnet und das betrifft natürlich nicht nur die Männer. Diese psychiatrische Erkrankung besitzt die größte Mortalitätsrate.

derStandard.at: Wie wird dem anorektischen Mann geholfen?

Wappis: Im Wesentlichen unterscheiden sich die Therapiekonzepte für Männer und Frauen nicht. Es wäre jedoch dringend an der Zeit homogene Männergruppen zu schaffen. Im Moment ist es so, dass 9 von 10 Betroffenen in einer Behandlungsgruppe Frauen sind. Männer fühlen sich hier mit ihren eigenen Themen natürlich alleine. Ich habe vor drei Jahren eine Selbsthilfegruppe für Männer mit Essstörungen gegründet. Andere spezifische Männerangebote, wie eigene Wohngemeinschaften, wären aber wünschenswert. Und vor allem muss Mann erkennen, dass es keine Schwäche ist sich Hilfe zu organisieren, sondern ein erster und wichtiger Schritt um Probleme zu lösen. (derStandard.at, 31.03.2010)

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Posting 1 bis 25 von 36
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eleon
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lieber adidas als adipös!

Just N. Opinion
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weil so viel von essstoerungen die rede ist:

die haeufigste essstoerung in oesterreich ist das zuviel, nicht das zuwenig. und das zuviel auch noch vom falschen.
das schnitzel, das bier und die mehlspeis sind die haeufigsten ernaehrungsprobleme der durchschnittsoesterreicher, nicht anorexie und bulimie.

flary
22

sie haben offenbar keinen magersuchtsfall in ihrer näheren umgebung?

Chocoholic
00
12.2.2011, 11:08
Er glaubt, Kotzen nach dem Essen gehört einfach dazu....

Just N. Opinion
05
nein. aber ich sehe taeglich dutzende fettleibige.

ich sag ja nicht, dass anorexie und bulimie keine ernstzunehmenden erkrankungen sind. natuerlich sind sie das.
mir faellt nur auf, dass in zahllosen artikeln ueber magersucht geschrieben und geklagt wird, es aber keiner zeile wert zu sein scheint, dass sich ein grosser teil der bevoelkerung langsam, aber sicher zu tode frisst und saeuft.

Chocoholic
10
12.2.2011, 11:08
Und woran erkennen Sie eine Bulimie Erkrankte auf der Strasse?

sind Sie Hellseher?

krawuzi-kapuzi
00

Worüber wird wohl mehr geschrieben, über Magersucht oder Übergewicht bzw. "falsche Ernährung" im Sinne von zu viel Fett, Süßes usw?!

metall81
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Muss man das...

...leicht, wenn man gesamtgesellschaftliche Themen spricht?

flary
00
anorexie ist zwar weniger häufig als fettsucht,

aber dennoch beachtlich im steigen. das thema kann man nicht unter den tisch kehren, es ist auch im gesamtgesellschaftlichen kontext ein sehr wichtiges thema geworden.

wenn man hautnah eine magersüchtige person erlebt hat, denkt man vielleicht ein bissl so wie ich ...

Wurzelloser Kosmopolit
04

Ich kenne einen Mann, der ist schlichtweg zu faul, um einkaufen zu gehen und deswegen untergewichtig.

Etwas, das ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
Selbst habe ich zwar keine Probleme mit meinem Gewicht, aber in jungen Jahren versuchte ich öfters vergeblich mit dem Rauchen anzufangen.
Was aber letztendlich daran gescheitert ist, dass ich mich nicht jedesmal aufraffen konnte, ein neues Packerl zu holen.

leo lander
01
vollkommen richtig, ging mir über 10 Jahre so

seitdem ich mit Frau und Kindern und vollem Kühlschrank zusammenlebe nehme ich jährlich um eine Kleidergröße zu. Vorher war mein Kühlschrank nichtmal angesteckt, war eh nix drinnen und kam eh nix rein. Der einzige Grund warum ich nicht verhungert bin, waren Freunde, die grad immer kochten wenn ich zufällig vorbeischaute und das zahl 1 iß 2 im Sparrestaurant Landstrasse/Wien-Mitte. Hoch soll es leben.

The Stig
00

Aprilscherz?

hack in den sack
 
00

Sie sprechen wirr...

Naschgul
00

Und das hat jetzt genau was mit Essstörungen zu tun?

Wurzelloser Kosmopolit
12

Im Artikel werden die Gründe für Bulimie genannt.
Und ich führe einen weiteren an, nämlich dass es Menschen, wohl nur Männer, gibt, die zwar arbeiten, ausgehen, Sport treiben, aber einfach nicht gern einkaufen.
Die bekommen zwar auch irgendwann mal Hunger, aber weil gerade nichts verfügbares da ist, essen sie eben nichts und vergessens dann wieder. Ich gehe davon aus, dass die betroffenen mit Sicherheit auch nichts zu Hause im Kühlschrank haben werden.
Es ist nicht die Ursache dieser Krankheit, aber ein Teil der Spirale.
Betrifft natürlich vorwiegend Singles.

Naschgul
00
15.4.2010, 11:45

Jemand, der an Bulimie leidet, hat in der Regel auch genug zu essen daheim, nur dass das halt sofort nach dem Essen wieder ausgekotzt wird. Aufs Essen zu vergessen hat mit einer Essstörung nicht wirklich was zu tun, und nicht gerne einkaufen zu gehen ebenfalls nicht. Das ist schlicht Bequemlichkeit.

monoton
11

sie haben keinen blassen schimmer worum es hier eigentlich geht, gell?

styliann
00

Also so ganz falsch ist Ihre Aussage zwar nicht (bin selber ständig zu faul zum einkaufen) allerdings hat das mit Magersucht wenig zu tun. wenn am abend nix mehr im kühlschrank, na dann ist man halt mal nix ... spätestens am nächsten tag hat man dann eh mehr hunger und gleicht das wieder aus. und wenns mal drei abende nach einander nix zum mampfen gibt, dann bewegt selbst der faulste seinen arsch zum nächsten supermarkt.

Tethys
04

Sie wissen schon, was Bulimie ist?

metall81
01
Mit Verlaub,...

...ich halte Ihre Überlegungen für hahnebüchen.

KTHXBYE
01
22.4.2010, 23:36

Natürlich. Da Untergewicht ja primär von Frauen besetzt ist, darf es ja keine einfachen, pragmatischen und nachvollziehbaren Gründe haben, sondern muß irgendwas esoterisch-psychisches oder zumindest etwas durch ein vom Patriarchat induziertes Minderwertigkeitsgefühl ausgelöstes sein.

fuchstritt
00

vorraussetzung?pfui. bubi geh heim zur mama essen u lern was gscheites.

139
13
31.3.2010, 20:44

"(...)die mit viel Anerkennung aufwachsen und aufgrund dessen ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl besitzen, eine Essstörung entwickeln. Mit einer perfektionistischen zwanghaften Persönlichkeit ist man viel eher gefährdet(...)"

das ist in meinen augen nicht unbedingt ein gegensatz

und ad schönheits ideal.. bei frauen gilt es "schlank zu sein", männer sollten dem medienideal nach durchtrainiert und nicht bloß dünn sein oder hab ich den stimmungswandel von idiotisch zu völlig idiotisch verschlafen?

xEurocent
01

Man kann soviel trainieren wie man will, bei über 10% Körperfett kann man sich das Sixpack höchstens aufmalen.

Chocoholic
00
12.2.2011, 11:10
Gibts eh schon als Implant....

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