Schon hört man von Gefahren des "Passivtrinkens" und von möglichen Verboten, zu fettes Essen zu servieren - Wo soll das enden? - Von Conrad Seidl
Ausgerechnet die Grünen! Die Partei, die jahrelang von einem Kettenraucher geführt wurde und deren Gesundheitssprecher sich kokett als einen schwererziehbaren Raucher bezeichnet, wollte ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie durchsetzen - was vor allem jene Beiseln beträfe, die quasi das natürliche Biotop für die grüne Bewegung, speziell im städtischen Raum waren. Sind die Grünen plötzlich genussfeindlich geworden?
Nein, versicherten sie in der Parlamentsdebatte über ihren radikalen Vorschlag. Nach ihrer Lesart sind sie nur konsequent, wenn sie gute Luft nicht nur in Regionen mit hoher Feinstaubbelastung fordern, sondern eben auch in geschlossenen Räumen, in denen Menschen arbeiten. An den meisten Arbeitsstätten ist entsprechender Nichtraucherschutz durchgesetzt. Nur die Gastronomie bildet eine Ausnahme; selbst schwangere Kellnerinnen können sich dem Rauch am Arbeitsplatz kaum entziehen.
Das Argument des Arbeitnehmerschutzes wiegt schwer. Aber es ist dagegen abzuwägen, dass Gastronomen das anbieten sollen, was ihre Gäste wünschen - und nicht das, was die Tugendwächter der Gesetzgebung gerade nicht verbieten. Schon hört man von Gefahren des "Passivtrinkens" (also einem schlechten Vorbild, das Kindern in der Gastronomie gegeben wird) und von möglichen Verboten, zu fettes Essen zu servieren. Wo soll das enden? Am besten hier: Danke, es ist schon genug geregelt! (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2010)