Krach ums Belassen bäuerlicher Einheitswerte

Johanna Ruzicka, 25. März 2010, 17:32
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    foto: apa

    Die Einheitswerte, etwa für Ackerland, müssten eigentlich alle neun Jahre angehoben werden. Ein Gesetzesentwurf sieht überhaupt eine Aus-setzung dieser Neubewertung vor.

Klassenkampf in Krisenzeiten: Die Festschreibung landwirtschaft­licher Steuervorteile via alte Einheitswerte verärgert die SPÖ

Wien - Ein vom Finanzministerium zur Begutachtung ausgeschickter Gesetzesentwurf hat das Potenzial für einen hand-festen Krach in der Koalition. "Diese Gesetzesnovelle ist nicht mit der SPÖ abgestimmt" , heißt es aus dem Bundeskanzleramt zu der "Bewertungsgesetz-Novelle 2010" .

Hinter dem wenig aussagekräftigen Gesetzestitel verbirgt sich die Bewertung von land- und forstwirtschaftlichem Grund und Boden, den sogenannten Einheitswerten. Diese wurden zuletzt im Jahr 1988 festgelegt, nie an die Inflation angepasst und sind dementsprechend veraltet. Bei den aktuellen Diskussionen um Steuerreformen war davon ausgegangen worden, dass es auch zu einer Modernisierung - also Anhebung - dieser Werte kommen muss.

Kein politischer Wille

Dem ist jedoch nicht so. Eine Neubewertung bedeute einen hohen Verwaltungsaufwand, heißt es im VP-geführten Finanzministerium, weshalb im Gesetzesentwurf davon Abstand genommen wurde. Der Pressesprecher von Finanzminister Josef Pröll, Harald Waiglein, sagte zur APA, es fehle der politische Wille; mitten in der Krise wolle man nicht eine Grundsteueranhebung durchführen.

Für den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp), Wolfgang Katzian, ist die abgesagte Neubewertung in Zeiten dringend notwendiger Budgetsanierung "eine völlig inakzeptable Vorgangsweise" . Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm ärgert, dass im Gesetzesentwurf die Verpflichtung zu einer Einheitswert-Feststellung einfach nicht vorkommt und die 1988-Daten damit einzementiert werden. Wenn die Werte schon nicht angepasst werden, sollten die Bauern zumindest auf Einnahmen/Ausgabenrechnung umstellen müssen und damit nach dem Betriebsergebnis besteuert werden, fordert Muhm.

200 Millionen

Da die Einheitswerte für land- und forstwirtschaftliches Vermögen Basis für die Einkommensbesteuerung (in der Regel über Pauschalierung) sind und die Einheitswerte außerdem Grundlage für die Festsetzung der Sozialversicherungsbeiträge sind, entgehen dem Staat laut Muhm geschätzte 200 Millionen Euro. Über eine höhere Grundsteuer, die sich an den Einheitswerten bemisst, entgehen wiederum den sowieso finanzmaroden Gemeinden Einnahmen.

Laut Berechnungen der Gewerkschaft verfügen die Landwirte über ein Einkommen von drei Milliarden Euro, zahlen aber nur rund 35 Millionen Euro Einkommenssteuer. Dies bedeute eine Steuerleistung von lediglich einem Prozent. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 124
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motte771
10
28.3.2010, 18:45

Die roten sind wohl komplett Wahnsinnig geworden! Die Bauern, die hart schuften und die Preise für die Produkte immer geringer werden, zu bestrafen? Was ist bloß mit den roten Politikern los. So arg in Panik um die Stimmen die sie verlieren. Überhaupt nicht auf die Läute schauen. Die Bauern pflegen unsere Natur und Landschaft. Gerade in Österreich wo es zum Großteil nur Bauern in Bergregionen gibt und kaum Großverdiener. Die roten braucht keine Mensch!

Repariertwaseuchkaputtmacht.
00

Ist es Asicht, dass das Bild eine nicht so unbekannte anarchistische Flagge nachstellt - mit den Farben um der Bildaufteilung?

http://meta.anarchopedia.org/images/5/... rhizam.png

Fleisch
00

Träumer.

Elisabeth Jarok
01
29.3.2010, 02:17
jeder arbeitnehmer zahlt steuern

und das länge mal breite. sogar die wirtschaftsforscher (ihs, wifo) plädieren regelmäßig für eine senkung der steuerlast auf unselbständige arbeit.
und die bauern sollen praktisch keine steuern zahlen?
ich als arbeitnehmerin würde auch gerne meine steuern auf basis eines gehalts 1988 zahlen - das wär nämich ein bruchteil dessen was ich monatlich berappe.
vielleicht gehen die bauernkinder ja an schulen und unis, wo die lehrenden die gehälter des jahres 1988 bekommen? oder doch nicht?
die differenz zahlen wir alle anderen.

motte771
10
29.3.2010, 08:32

Ich zahle diese Differenz gerne. Aber in unserer Neidgesellschaft darf ja keiner einen cent weniger Steuerzahlen oder mehr Vorteile haben. Und wehe es verdient jemand viel, auch wenn er aus eigenem Handeln geschafft hat.

Kulkulcán
00
Völlig falsche Begründung

Es geht nicht um einen cent weniger/mehr, sondern schlicht und einfach darum, dass eine Bevölkerungsgruppe MASSIV begünstigt ist.
Auch geht es nicht um irgendeinen Neid auf hohe Einkommen, sondern um ein MINDESTMAß an Steuergerechtigkeit.

Chocoholic
01
27.3.2010, 17:49
Ja richtig! Der Boden ist ja soooo viel wert, wer sich die Steuern

darauf nicht leisten kann, soll gefaelligst an den Minister, seinen Pressesprecher oder an einen seiner Habschis verkaufen. Nicht wahr?

das ist fix
21
27.3.2010, 11:35


Buchführungspflicht für Landwirte!

Förderungen abschafffen!

amber103
11
27.3.2010, 21:38
Die Wunderkinder

Da die Sozialversicherung der Bauern die Hebesätze sehr wohl regelmäßig nach oben anpasst, die Preise für landwirtschaftliche Produkte aber nicht steigen, und auch die Subventionen seit 1994 nicht mehr wesentlich gestiegen sind, sinken die Abgaben der Bauern an den Staat in aller Regel signifikant, sobald sie mit der Buchführung beginnen.
Buchführung bedeutet für die meisten Bauern aber einen erhebliche Verlust an Freiheit, und die ist den Bauern sehr viel wert. (Außerdem würden die niedrigen SV Beiträge später auch eine katastrophal niedrige Pension bedeuten)

Nur wenige Wunderkinder aus der Stadt glauben, dass man für 0,10€ für ein Kilo Getreide oder 0,25€ für einen Liter Milch noch hohe Gewinne machen kann.

jeffk
10
27.3.2010, 16:50

gerne, wenn ich im gegenzug dafür mit meinen grund und boden machen kann was ich will
a) eine crossstrecke durch meinen wald, den ich natürlich
b) mit einer 5m hohen mauer umgebe
c) einen privaten schwimmteich auf einen feld, mit natürlich b) drumherum
d) abholzen des schutzwaldes (der sich auf privaten gelände befindet) zum zwecke meiner hobbylawinen / murenforschung der natürlich dann auch als
e) downhillstrecke verwendet werden darf
usw. glaube sie mir, ich wäre da recht kreativ;-)

Miklaus Röchlinger
00
27.3.2010, 19:38

es ist ja nun nicht wirklich so, dass nicht-landwirtschaftliche Grundbesitzer mit ihrem Grund und Boden machen dürfen, was sie wollen. Sitchwort: Flächenwidmung. Warum sollten Landwirte denn schon wieder privilegiert werden?

jeffk
00
28.3.2010, 10:57

weil es mich aufregt dass ich auf MEINEN grund nicht machen darf was ich will
und nein, ich bin kein landwirt, nur grundbesitzer

A Voice
00
27.3.2010, 17:09
Wenn Sie glauben, dass

sich das entiert /inkl. Schadenersatz) dann nur zu.

saatre ghvasb b
00
27.3.2010, 11:20
Das Bauernsterben scheint am Artikelschreiber spurlos vorübergegangen zu sein, oder doch nicht?

Ich glaube, er freut sich sogar ungemein darüber. denn er argumentiert ja ganz auf der Höhe der sozialistischen Zeit, die dem historischen Materialismus gemäß erst die kapitalistische Produktionsweise auf die höchstmögliche Konzentrationsebe bringen muß. Erst dann kann der Übergang der monopolisierten Agrarindustrie in das gesellschaftliche Eigentum siegreich abgeschlossen werden zum Segen aller Lohnsklaven, die sich dann ungeschmälert a la DDR am volkseigenen Vermögen gütlich tun können, ganz und gar jeder nach seinen Bedürfnissen. Dieses Ziel ist doch allemal ein Bauernsterben wert.

Der, der es besser weiß
22
27.3.2010, 03:25
Wieder ein Anschlag auf unsere Ernährer!

Eine gesunde, mittelständische Landwirtschaft ist Fundament für jede unabhängige Gesellschaft. Es ist bedenklich und mühsam, wenn wieder einmal ein paar Wiener Fuzzies, die wahrscheinlich glauben, dass die Milch in einer Maschine angerührt wird, hier irgendwelche Gesetze beschließen und den wenigen verbliebenen Landwirten noch den Rest geben wollen.

Übrigens sollte man die Bezeichnung für den Beruf, Landwirt, bevorzugen. Denn "Bauer" steht für eine Bevölkerungsschicht, die eher unseren migrationshintergründigen, südländischen Kulturbereicherern entspricht. Der heutige Landwirt ist eher Angehöriger einer sozialen Elite, auch wenn das die pfeiferauchenden, weltfremden Bobos leugnen.

Wasmichstört
01
26.3.2010, 12:40
Wo ist da die von der VP immer geforderte Transparenz?

Von den Einheitswerten hängen eine Menge Transfersummen ab - kann mir schon vorstellen, dass man da interessiert ist, die möglichst niedrig zu halten, damit die Geldquellen nicht versiegen... - Ich würd mir somit eine Einheitswert-Datenbank wünschen! Hoppauf VP!

gratis trinken
00
26.3.2010, 15:32

gibts eh schon

der lobbyist
01
26.3.2010, 12:14
was erwartet wann von einem finanzminister, der im bauernbund politisch beheimatet ist?

das wär mal ein thema - längst fällig:

gerechte besteuerung von bauern!

wird aber wohl nicht geschehen, dann dann müsste der HBK einmal auf konfrontation gehen - und wie wir ja wissen: "genug gestritten"........

didi111
14
26.3.2010, 11:15
WO ist das Problem?


Das EINFACHSTE wäre, die Werte von 1988 herzunehmen, und sie zu indexieren.

Die in der Vergangenheit durch die Nichtindexierung entstanden Steuermindereinnahmen kann man ja mit toleranten Zahlungszielen vorschreiben (Stundung in begründeten Fällen möglich).

HINKÜNFTIG könnte ja verfügt werden, daß sich bei Änderung des Status Quos (Änderung der Grundgrenzen, Vererbung, Umwidmung) die Sache nach neuzeitlichen Bewertungsmethoden berechnet wird (Ziel: Weg vom Einheitswert, hin zum Verkehrswert).

Und DRITTENS könnte ja die SPÖ dieser Konsenslösung für das ÖVP-Klientel nur dann zustimmen, wenn es auch ihre Vorstellungen daran junktimieren könnte (Vermögenszuwachssteuer, Erb-und Schenkungssteuer,..)

e p4
02
26.3.2010, 12:11
lächerlicher verweis auf den aufwand

der herr FM WEISS aufgrund seiner ausbildung wer die erhebung des einheitswertes macht - der grundeigentümer ! er erklärt nämlich durch ausfüllen des erfassungsformulares den ertragswert (dafür steht das wort einheitswert nämlich) seiner grundstücke. verwaltungsaufwand entsteht also bestenfalls durch die kontrolle der abgegebenen erklärungen - für mich einen selbstverständliche aufgabe der finanzämter im interesse aller steuerzahler.

Functio Laesa
20
26.3.2010, 11:43
Was ist schon so ein Acker wert

der hat nur ein bisserl Wert für einen anderen Bauern oder wenn er zu Baugrund umgewidment wird. Einheitswert Erhöhungen treffen natürlich die paar Bauern und selbstverständlich jeden Hauselbauer ebenfalls. Die gehören aber nicht zum Klientel der SPÖ. Aber irgendwie muß deren Geldverteilerei ja finanziert werden.

Wieviel ist das in Schilling?
03
26.3.2010, 11:39

mit der indexanpassung gebe ich ihnen vollkommen recht.

das vorgeschobene argument mit dem verw. aufw. ist lächerlich. (=C2*1,38 ins excel einzugeben und die formel runterzuziehen sollte machbar sein, das schafft sogar der superpraktikant an einem nachmittag. und die ausstellung von bescheiden ist sicher auch nicht herausragend aufwendig)

dass man in der vergangenheit durch nicht indizierung verlorenes geld holen kann glaube ich nicht, das dürfte dem grundsatz der rechtssicherheit widersprechen.

Pogled
00
26.3.2010, 13:42

Eine lineare Anpassung auf der Basis 1988 würde wahrscheinlich am Verfassungsgerichtshof scheitern.
Es gibt Gegenden, in denen die Grundstückspreise seit 1988 auf ein vielfaches gestiegen und Gegenden in denen die Grundstückspreise gesunken sind.

Wieviel ist das in Schilling?
00
26.3.2010, 14:03

gilt das auch für landwirtschaftlich genutzte flächen?

Pogled
00
26.3.2010, 15:09

Ja, vor allem nach unten.

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