Der Kardinal, seine Firma und der gefallene Engel

25. März 2010, 17:27
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Über Gott und den Teufel wollten Klaus Maria Brandauer und Christoph Schönborn diskutieren - Ganz ohne die Welt ging es dann aber doch nicht

Wien - Sie sollten über Gott und den Teufel reden und kamen doch schnell zur Welt und zu den Menschen: Schauspieler Klaus Maria Brandauer und Kardinal Christoph Schönborn diskutierten Mittwochabend in der Nationalbibliothek auf Einladung der "Akademie für Evangelisation" (getragen von der "Gemeinschaft Emmanuel" , einer "internationalen Vereinigung von Gläubigen päpstlichen Rechts" ) vor viel jungem Publikum die Frage: "Gott und der Teufel - nur ein Schauspiel?"

Wenn, dann eines, das sich auf der Welt abspielt und von den Menschen selbst gespielt wird, meinte der in Altaussee katholisch gewordene Schauspieler. Der Mephisto-erprobte Brandauer weiß natürlich, dass der Teufel für jeden Schauspieler eine klasse Rolle ist, "weil das Böse irrsinnig gut ankommt" . An dem Abend aber wollte er ihn dann doch "gern weglassen, um sofort zu uns Menschen zu kommen" , denn: "Der Teufel sind wir, natürlich. Da ist einer aus dem Nest gefallen, aber er ist noch unter uns."

Der Kardinal wollte "die Frage nach dem Teufel nicht so schnell beiseite schieben" , obwohl es "natürlich zuerst um uns geht" . Auch für Schönborn ist klar, "das Böse ist in uns" . Aber der Teufel sei auch "eine Entlastung für uns, dass diese ungeheure Belastung des Bösen in der Welt nicht allein uns aufgelastet wird" .

Einspruch des "einfachen Mitläufers in der katholischen Kirche" gegen das erzbischöfliche Entlastungsangebot in Form des Teufels als barmherziges Schlupfloch in letzter Minute für die ganz Bösen: "So lange es geht, möchte es doch ich gewesen sein - diese Eitelkeit habe ich" , sagte Brandauer: "Das macht mich zum mündigen Menschen, wir müssen uns in die Pflicht nehmen" , appellierte Brandauer an die "Verantwortlichkeit der Menschen" .

Dem wollte Schönborn auch gar nicht widersprechen, pochte aber doch darauf, dass die katholische Kirche "für jeden Menschen hoffen darf, wir sollen sogar hoffen" .

Hoffnung ist immer gut, findet auch Brandauer. Er mag seine vergebungsaffine Religion ja und sagte etwas verschmitzt: "Wir können machen, was wir wollen. Eigentlich ist das die tollste Religion. Mit dem Bereuen samma wieder da."

Da, wo die Gesellschaft jetzt ist, sei sie aber nicht gut verortet, meinte Brandauer und sprach damit Kirche und Politik an. "Wo geht die Reise hin? Das öffentliche Leben sieht so aus, als wären alle brav, aber es bewegt sich nichts. Ich erwarte mir da auch von ,der Firma‘ Antworten, sonst brauchen wir keine Firma sein."

"Die Firma" sagte in Person ihres Chefs Schönborn, dass auch sie "große Visionen" in der Politik vermisse: "Wo ist die starke Hoffnung?" Wann würde die Finanzkrise endlich "ehrlich ausgesprochen" - oder Zukunftsfragen wie der Erhalt des Sozialstaats oder eine "klare Immigrationspolitik" statt des "beschämenden Hickhacks in der Asylfrage" .

Spontan-Applaus vom Schauspieler gab es dann für Schönborn, als er über den "schmerzlichen, aber notwendigen Läuterungsprozess" der Kirche im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen sprach. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der Kirche: "Es ist gut, dass wir von der Haltung des Vertuschens und Unter-den-Teppich-Kehrens wegkommen."

Am Ende hatte eine junge Frau noch eine Frage. Im Standard habe sie im "Kopf des Tages" über den Chefexorzisten des Vatikan - Gabriele Amorth - gelesen, dass dieser täglich mit dem Teufel spreche. Sie dachte eigentlich, die Kirche wäre da schon weiter. Was er, Schönborn, denn davon halte?

Psychiater oder Exorzist

Die Antwort des Kardinals sorgte dann für ein paar gerunzelte Augenbrauen: Es gebe "Phänomene, die nach Besessenheit aussehen und psychotische Phänomene sind - die gehören zum Psychiater und nicht zum Exorzisten" . Aber, und das glaube er aus der Erfahrung, "es gibt Fälle, wo so etwas wie Exorzismus angebracht ist - nie ohne Arzt, und man soll das nicht an die große Glocke hängen" . Man dürfe diese "dunkle Macht" , die Realität sei, aber auch "nicht den Exorzisten überlassen" , forderte Schönborn.

Immerhin war er es, der kurz davor daran erinnert hatte, dass der Teufel zwar ein gefallener Engel sei, aber eben doch ein Engel. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD - Printausgabe, 26. März 2010)

  • Klaus Maria Brandauer (li.) und Christoph Schönborn redeten über "Gott und den Teufel".
    foto: standard/regine hendrich

    Klaus Maria Brandauer (li.) und Christoph Schönborn redeten über "Gott und den Teufel".

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