"Fackeln sind Stärke und Hoffnung"

25. März 2010, 23:33
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Tausende demonstrierten beim "Lichtertanz gegen Rosenkranz" gegen die Kandidatur der FPÖ-Politikerin, gegen Fremdenhass und für Zivilcourage

"Wir sind hier, um mit Fackeln, das schräge Licht, das die Kandidatur von Barbara Rosenkranz auf Österreich wirft, zu Recht zu rücken", eröffnete der Moderator Dietmar Chmelar am Donnerstagabend den "Lichtertanz gegen Rosenkranz". Über 6.000 Menschen, so die Veranstalter, folgten der Aufforderung der überparteilichen Plattform "Lichtertanz" und demonstrierten am Wiener Ballhausplatz gegen die Präsidentschaftskandidatur der FPÖ-Politikerin. Die Polizei sprach von rund 3.000 Teilnehmern.

"Wir demonstrieren hier nicht nur gegen Barbara Rosenkranz, sondern gegen Rassismus, Faschismus und Fremdenhass und für Vielfalt, Solidarität und Zivilcourage", sagte Romy Grasgruber, Initiatorin der Lichterkette um das Parlament vom vergangenen Juni. "Fackeln sind Stärke und Hoffnung und Warnung gleichzeitig - und nicht nur Kerzerl", erklärt sie den Lichtertanz gegenüber derStandard.at.

Facebook-Initiative

Begonnen hat alles mit der Gruppe "Gegen Barbara Rosenkranz als Bundespräsidentin" auf der Internetplattform "Facebook". "Innerhalb kürzester Zeit hatte die Gruppe über 60.000 Mitglieder und dann hat sich die Idee entwickelt, den Protest auch auf die Straße zu tragen", sagt Robert Slovacek, der Gruppengründer, im Gespräch mit derStandard.at. Mit diesem Erfolg habe er aber nicht gerechnet.

Überwältigt ist auch Grasgruber: "Mehr kann man sich nicht wünschen! Ich freu mich über jeden Menschen, der friedlichen Widerstand gegen diese Ideologie leistet", sagt sie. Rosenkranz sei nur die Spitze des Eisberges, es gehe vielmehr um die rechtsextreme Ideologie hinter dieser Person.

"Generationenblock"

Richard Wadani, ein Zeitzeuge des NS-Regimes und Wehrmachtsdeserteur, forderte die Anwesenden auf, nicht aufzugeben. "Der Kampf muss weitergehen. Immer wieder, denn es muss eine einheitliche Front gegen Rassendenken und Fremdenhass geben", ruft er von der Bühne dem bunt gemischten Publikum zu.

Neben vielen jungen Menschen, die der Facebook-Einladung gefolgt waren, demonstrierte auch eine Monarchisten-Gruppe, auf deren Transparent "Kaisermelange statt Große Braune" zu lesen war und Pensionisten. "Das Internet macht das schon leichter. Ich hab's aber aus der Zeitung", sagt eine 58-jährige Pensionistin. "Aber schau'n Sie sich um, jeder Zehnte hier ist meine Generation. Ich habe nicht geglaubt, dass so etwas wie ein Lichtermeer in Österreich noch mal nötig sein wird. Das ist sehr traurig."

Überparteilich?

Eine Stunde vor Beginn des "Lichtertanzes" veranstaltete die Sozialistische Linkspartei (SLP) eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern vor dem Gebäude der Hauptuniversität. "Unsere Demonstration ist keine Gegenveranstaltung, aber es reicht nicht aus, nur Lichterl anzuzünden", so SLP-Bundessprecherin Sonja Grusch. Es müsse jedem klar sein, dass es sich beim "Lichtertanz" um eine SPÖ-Wahlveranstaltung für Heinz Fischer handle, so Grusch zu derStandard.at.

Wolfgang Moitzi, Bundesvorsitzender der Sozialistischen Jugend (SJ), wehrt sich gegen diesen Vorwurf: "Die SJ koordiniert die Veranstaltung, aber es gibt keine parteipolitische Sache. Das zeigen auch die vielen anderen Organisationen, die uns unterstützen."

Wahlempfehlung für Fischer

Trotzdem gab es gleich zu Beginn eine Wahlempfehlung für Heinz Fischer. "Jede weiße Stimme ist eine Stimme gegen die Demokratie", sagte Moderator Alfons Haider, der offiziell zu den Unterstützern des amtierenden Bundespräsidenten gehört. Jede Stimme für Heinz Fischer sei hingegen eine Ohrfeige gegen rechts.

Grasgruber ärgert diese parteipolitische Kleinlichkeit: "Es ist doch egal, wer die Organisatoren sind. Es geht darum, was dahinter steht und ich bin froh über diese große Verbindung, die hier entstanden ist".

Unterstützt wird "Lichtertanz gegen Rosenkranz" neben politischen Organisationen wie der SJ, den Wiener Grünen und der Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) auch von der Muslimischen Jugend Österreich und Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.

Um 21 Uhr wurden die 10.000 vorbereiteten Fackeln - begleitet von der Musik der Trommlergruppe "SambATTAC" - entzündet. "Das hat so richtiges Gänsehautfeeling", sagt eine Studentin.

Rosenkranz auf der Bühne

"Ich bitte Sie nun fair zu sein und möchte keine Buh-Rufe hören, denn es ist schon sehr mutig, dass sie heute hier ist", holt Chmelar gegen Ende der Veranstaltung die Person auf die Bühne, um die es sich dreht: "Barbara Rosenkranz" - ein Raunen geht durch die Menge. Die vermeintliche Rosenkranz stellte sich dann doch als Susanne Pöchhacker heraus, ihres Zeichens Schauspielerin und Kabarettistin. (Stephanie Mittendorfer, derStandard.at, 25.3.2010)

  • Über 6.000 Menschen demonstrierten am Donnerstagabend am Ballhausplatz für Zivilgesellschaft und gegen Fremdenhass.
    foto: christian stipkovits

    Über 6.000 Menschen demonstrierten am Donnerstagabend am Ballhausplatz für Zivilgesellschaft und gegen Fremdenhass.

  • "Barbara Rosenkranz ist eine Symbolfigur. Hier geht es vielmehr um die Ideologie, die dahinter steht", sagte eine der Veranstalterinnen.
    foto: christian stipkovits

    "Barbara Rosenkranz ist eine Symbolfigur. Hier geht es vielmehr um die Ideologie, die dahinter steht", sagte eine der Veranstalterinnen.

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    Unterstützt wurde die Veranstaltung sowohl von verschiedenen politischen Organisationen, aber auch von Personen wie Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde.

  • Begonnen hat alles mit einer Facebook-Initiative. Die Veranstalter waren positiv überrascht von der Unterstützung.
    foto: christian stipkovits

    Begonnen hat alles mit einer Facebook-Initiative. Die Veranstalter waren positiv überrascht von der Unterstützung.

  • Bunt gemischt war das Publikum...
    foto: stephanie mittendorfer

    Bunt gemischt war das Publikum...

  • ... neben vielen jungen Menschen, demonstrierten auch viele Pensionisten gegen die Kandidatur der FPÖ-Politikern.
    foto: christian stipkovits

    ... neben vielen jungen Menschen, demonstrierten auch viele Pensionisten gegen die Kandidatur der FPÖ-Politikern.

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    "Jede Stimme für Barbara Rosenkranz ist eine Schande für Österreich", sagte der Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani.

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