"Schauplatz" Skins/Strache

Polizeieinsatz im ORF-Zentrum

25. März 2010, 13:35

Magazinchef Fischer verweigerte Beamten Zugriff auf das übrige Rohmaterial für die Doku: "Wenn wir das Redaktionsgeheimnis und den Informantenschutz aufweichen, hört sich der Journalismus auf" - Exekutive kündigt "Beugemaßnahmen" an

Nach Informationen des STANDARD aus mehreren Quellen führte die Polizei am Donnerstag um die Mittagszeit eine Hausdurchsuchung im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg durch. Die Staatsanwaltschaft Neustadt bestätigt den Einsatz. Thema: Die "Schauplatz"-Doku über Skinheads und ihren Auftritt bei einer Wahlveranstaltung von Heinz-Christian Strache in Wiener Neustadt.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft berichtete auf STANDARD-Anfrage von einer "Anordnung zur Sicherstellung von Beweismaterial". Ermittelt werde gegen drei Personen, sowie gegen eine vierte unbekannte Person. Das untersuchte Delikt sei Paragraf 3 g des Verbotsgesetzes, also Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinn.  Die STANDARD-Info, wonach ein weiteres Band zu dem Vorfall entdeckt wurde, der ORF aber die Herausgabe verweigere, bestätigte der Sprecher nicht: Er könne "keine Details" zu dem Einsatz nennen. Auf den Küniglberg schickte die Staatsanwaltschaft Beamte des Amts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung - immerhin geht es in der Anzeige der FPÖ um den Verdacht auf Wiederbetätigung beziehungsweise Anstiftung dazu. Der Sprecher erklärte, die Sicherstellung betreffe nach Ansicht der Staatsanwaltschaft "keine Informationen, die dem Redaktionsgeheimnis unterliegen". Der ORF sieht das offenbar anders.

"Neue StPO für uns tödlich"

Magazinchef Johannes Fischer verweigerte den Beamten den geforderten Zugriff auf das gesamte Original-Rohmaterial zu der "Schauplatz"-Folge. Aus prinzipiellen Überlegungen, erklärte Fischer dem STANDARD: "Wenn wir das Redaktionsgeheimnis und den Informantenschutz aufweichen, hört sich der Journalismus auf." Das betreffe nicht nur den ORF, sondern "alle Journalisten im Land".

Nach einer Novelle zur Strafprozessordnung gilt das Redaktionsgeheimnis für Beschuldigte im Strafprozess nicht mehr. "Die neue STPO ist für uns tödlich", sagt Fischer, selbst in dem Verfahren nicht beschuldigt: "Unsere journalistische Freiheit wird durch die StPO verengt". Fischer verfügt über das Rohmaterial, "ich gebe es nicht heraus". Die Beamten kündigten "Beugemaßnahmen" an, berichtet Fischer.

Strobl warnt vor "Aufweichung des Redaktionsgeheimnisses"

Der ORF habe den Behörden vorgeschlagen, bis zur rechtlichen Klärung dieser Frage das Material versiegelt an einem gesicherten Ort im ORF aufzubewahren, so ORF-Kommunikationschef Pius Strobl. Eine Herausgabe vor rechtlicher Klärung könne es jedoch aus Sicht des ORF nicht geben. "In dem Moment, wo Rohmaterial, das zum Teil nie auf Sendung gehen würde, in breitem Umfang gesichtet wird, wird ins Redaktionsgeheimnis eingegriffen", sagte Strobl. Der ORF habe das Material jedenfalls fürs Erste hausintern gesichert. "Wir haben keinen Grund, Wiederbetätiger zu schützen, noch schützenswerter ist für uns aber das Redaktionsgeheimnis - das ist im Sinne aller Medien des Landes wichtig." Der ORF-Kommunikationschef warnte in dem Zusammenhang vor einer "Aufweichung des Redaktionsgeheimnisses".

Laut Strobl hat auch die ORF-Geschäftsführung keinen Zugriff auf das Material, da das Redaktionsgeheimnis die Redaktion auch in diese Richtung schützt. Fischer hab die Herausgabe des Materials gut begründet verweigert, "die Geschäftsführung respektiert und unterstützt diese Vorgangsweise, die nicht nur für die Journalisten des ORF von grundsätzlicher Bedeutung ist, sondern überhaupt für den Berufsstand der Journalisten. Es handelt sich um eine ganz grundsätzliche Frage weit über den Anlassfall hinaus", erklärte Strobl. Mit solchen und ähnlichen Begründungen könnten Ermittlungsbehörden künftig alles beschlagnahmen.

FPÖ-Aussendung kurz nachdem Ermittler ORF-Zentrum verlassen hatten

Den Ermittlern gehe es inzwischen offenbar auch nicht mehr um den Auftritt des "Schauplatz"-Teams und der Skinheads bei einer FPÖ-Veranstaltung mit Parteichef Heinz-Christian Strache in Wiener Neustadt, sondern um ganz andere Drehtage. Strobl vermutet, dass die Auswertung der Wiener Neustädter Aufnahmen offenbar nichts ergeben habe. Als "bemerkenswert" bezeichnete der ORF-Kommunikationschef den Umstand, dass nur kurz nachdem die Ermittlungsbeamten das ORF-Zentrum am Küniglberg verlassen hatten, eine FPÖ-Aussendung erschien, in der bereits darüber informiert wurde, dass der ORF die Herausgabe der von den Ermittlern gewünschten Drehaufnahmen verweigere.  (fid/APA)

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Nemi
21
26.3.2010, 08:57
"Wir haben keinen Grund, Wiederbetätiger zu schützen, noch schützenswerter ist für uns aber das Redaktionsgeheimnis"

Also Wiederbetätigung ist böse, aber Aufklärung verlangen ist NOCH böser???

Bin absolut für freien Journalismus, aber diese Aussage find ich schon etwas dreist! Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass für tolle Quoten schon mal einer sagt "Sag einfach mal das und das in die Kamera...".

Das "Real-TV" alles andere als Real ist weiß man ja spätestens seit Big Brother und ähnlichen Formaten (jaja, ich weiß, der ORF macht Qualität und würde sich auf so ein Niveau nicht herab begeben...).

ranagn
14
26.3.2010, 07:36
wie...

kann sich die fpö eigentlich die ganzen postings hier leisten??? man brauch doch nur 1+1 zusammenzählen um zu wissen dass an der ganzen sache nix dran ist. Und der ORF hat absolut recht, wenn er das material nicht herausgibt.

1 Wolfgang 1
12
26.3.2010, 09:44

Sie machen sich's auch einfach. Ich bin absolut kein FPÖler, aber so oft ich 1+1 zusammen zähle, ich komm nicht unbedingt drauf, dass zweifelsfrei an der Sache nix dran ist.

Wie im Artikel erwähnt, geht es mittlerweile nicht mehr "nur" um den ORF sondern um alle Medien. So wichtig Medienfreiheit ist, es kann andererseits doch nicht sein, dass Medien (und es gibt ja nicht nur seriöse) Anschuldigungen erheben und auf die Frage nach Beweisen sich auf das Redaktionsgeheimnis berufen. Angepatzt ist schnell jemand, den Ruf wieder herzustellen dauert viel länger und bekanntlich bleibt immer etwas hängen.

ranagn
01
26.3.2010, 10:04

wir reden hier von seriösen qualitativ hochwertigen medien... und nicht von der "krone".

Bez. Redaktionsgeheimnis: Die Polizei hört ja auch keine Telefone ab um Verwaltungsdelikte zu ahnden.
zumindest noch nicht.

lightyear
13
26.3.2010, 02:54

*) "ich hab nur 3 bier bestellt"
*) "ich war ein dummer bub und hab nur paintball gespielt"
*) " der orf verwendet nazi-statisten gegen mich, um mich schlecht zu machen."

strache stellt sich mit seinen lü gen immer als opfer dar, das erschütternde ist, dass diese person überhaupt noch ernst genommen wird.

strache widerspricht sich, aber das "volk" vertraut ihm.
es geht wieder ganz nach rechts...

Lingala
01
26.3.2010, 10:34

@lightyear:

vollkommen richtig analysiert...

Johannes St.
 
15
25.3.2010, 21:14
ich bin kein Sympathisant vom Strache

aber wenn die Geschichte vom ORF inszeniert war, sollten diese Typen aus dem Staatsfunk entfernt werden

heiko_s
44
25.3.2010, 20:40
Johannes Fischer (ORF) betreibt Widerstand gegen die Staatsgewalt

Der ORF sieht sich ähnlich "heilig" fern von jedem Rechtsstaat, wie die Kirche.

peletiah
11
26.3.2010, 01:37

Artikel ueberhaupt gelesen?

aners
74
25.3.2010, 20:29
Österreich 2012

Die Polizei putschte in Wien die Regierung aus dem Parlament. Beamte des Büros für Denk-Verbrechen stürmten das Wiener Parlament
.....
Alleinregierender Kanzler nach dieser Aktion, Polizeioberinspektor STRACHE.

polsport
13
25.3.2010, 21:31
immer sachlich bleiben..

sie schueren soeben Angst und betreibern Aufhetzung der Bevoelkerungsgruppen untereinander.

Wundert mich das der STANDARD sie da gar nicht zensiert, das macht er ja doch sonst so gern :-)

aners
02
25.3.2010, 23:09
..

man wird ja noch schlecht träumen dürfen ;)

Dr.mumunator
21
26.3.2010, 00:29
Die Wahnträume

der Linken jaja

aners
11
26.3.2010, 01:45
...

gutmensch habens vergessen.
ich lass mich ungern politischen richtungen zuordnen,
aber mit links hab ich kein problem ;)
vorallem nicht wenns vom braunen eck kommt,
da is sowieso jeder ein linker bolschewik der an(d)ers denkt.

Rhodan73
01
26.3.2010, 11:15

>>da is sowieso jeder ein linker
>>bolschewik der an(d)ers denkt.

Als ob's umgekehrt anders wäre ...

Franz Stefan
01
25.3.2010, 20:11
Danke ORF ...

zuletzt war von der Bande nicht viel in den Medien zu lesen/hören/sehen.
Jetzt sind die wieder da. Und gerade ist man dabei, aus HC einen Märtyrer zu machen.

Das bringt den F-en vermutlich 2-3 Prozentpunkte.

Ist der ORF von allen guten politischen Geistern verlassen? Oder auch schon unterwandert?

Bluestone
13
25.3.2010, 20:00

Egal, was man von Strache hält, aber der Eiertanz, den der ORF aufführt, ist schon ein Schuldeingeständnis-warum sonst führen die sich so auf?

Gerhard Müller
12
25.3.2010, 18:44
Ich traue Journalisten grundsätzlich nicht

und denen vom ORF erst recht nicht.

Ich schließe es nicht aus, dass die Story aufgepeppt hätte werden sollen. Und da passt ein Skin mit erhobener Hand bestens dazu.

Wäre nicht das erste Mal, in den 80ern haben sie die Contras in Nicaragua Leute angestiftet, vor der Kamera Sandinisten umzubringen, in Serbien ist ähnliches passiert, man erinnere sich nur an die berühmte KZ-Fotoserie, als man den Eindruck hatte, dass diese ausgemergelten Leute eingeschlossen waren, in Wirklichkeit hat sich aber dann herausgestellt, dass die Journalisten innerhalb des Zauns waren, und nach außen fotografiert haben.

Wir werden sehen, die Herausgabe kann erzwungen werden.

Vaclav Vlc
10
25.3.2010, 18:35
all diese aufregung!

warum gehts denn?

dass der "paint-ball-spieler"

h.c. nicht wirklich an österreich glaubt und an was
grösseres denkt,

das ist wohl klar.

damit müss ma leben.

abrüsten!

Humtata
12
25.3.2010, 18:34

Ich finde es äußerst bedenklich, wenn man das "Redaktionsgeheimnis" über das Verbots-Gesetz, das immerhin im Verfassungsrang steht, stellt.

Nazis und Straftaten, die gegen das Verbotsgesetz verstoßen, dürfen NIEMALS geschützt werden. Und wenn das Band zur Aufklärung einer so widerwärtigen Straftat wie dem Verstoß gegen das Verbotsgesetz dient, dann MUSS die Staatsanwaltschaft alle Mittel haben (dürfen), um das zu ahnden.

Rudi Lölein
12
25.3.2010, 18:33

interessant, dass man die zahlreichen postings aus der fpö-zentrale an den nicknames erkennen kann.

Rudi Lölein
106
25.3.2010, 18:29

die unterwanderung wesentlicher funktionssysteme unserer gesellschaft durch fpö/naci-sympatisanten scheint weiter fortgeschritten zu sein als ich dachte.

polsport
313
25.3.2010, 19:15

fragen sie lieber mal nach der unterwanderung saemtlicher institutionen durch rot - schwarz.

scala2
29
25.3.2010, 18:27
Die kritische unabhängige Berichterstattung muss geschützt werden

Das Problem ist: das hat der ORF seit seinem Bestehen noch nie getan.

Jeder höhere Regierungsfunktionär hat beim ORF Einblick in alle Aufzeichnungen - und mehr - wenn er es will.

Der ORF ist nicht mit der BBC, ARD oder ZDF vergleichbar - auch wenn es dem Volk immer vorgegaukelt wurde.

Ich bin unschuldig, aber nicht ganz.
75
25.3.2010, 18:22
KRUZIFIXXXXXX!!!!! DIE GANZE FPÖ IST ...

"beziehungsweise Anstiftung dazu"!!!!!!!!

Der Strache gehört in LACHhaft!

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