Der "Tunnelblick" im Schloss Schönbrunn

24. März 2010, 22:31
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In der Großen Galerie startet das größte Sanierungsprojekt seit 130 Jahren

Wien - Seit den letzten Ausbesserungsarbeiten vor knapp 50 Jahren sind geschätzte 40 Millionen Besucher durch den prunkvollen Saal marschiert. "Dafür schaut's ja noch recht gut aus - ein Beweis, dass unsere Besucher keine Vandalen sind, sondern eh relativ nett" , lächelt Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker.

Doch jetzt ist es höchst an der Zeit, dass der Festsaal, die "Große Galerie" im Schloss Schönbrunn einer Generalsanierung unterzogen wird - es ist das größte Restaurierungsprojekt im Schloss seit 130 Jahren.

Der Aufwand ist enorm, nicht nur was die Investitionssumme von geschätzten 2,6 Millionen Euro betrifft. Gilt es doch, an den Wänden die historische "Polierweißfassung" wiederherzustellen, die nach ihrer Vollendung wie weißer Marmor glänzen soll. "Das war damals der billigste Ersatz für den seltenen und teuren Carrara-Marmor, der kaum über die Alpen transportiert werden konnte" , erläutert Co-Geschäftsführer Wolfgang Kippes.

Während nun oben an denWänden 15 Restauratoren die mehrfachen Schichten der Polierweißfassung erneuern und polieren - werden darunter die Besucherströme staubdicht abgeschirmt durch einen "Tunnel" geführt. Schon bald sollen sie durch Sichtfenster dabei auch den Fortgang der Arbeiten beobachten können, kündigt Kippes an.

Bei der Sanierung, die den Zustand von 1762 wiederherstellen soll, können allerdings nicht alle historischen Details berücksichtigt werden. Der damalige Farbaufbau hatte etwa einen sehr hohen, gesundheitsschädlichen Bleianteil - jetzt kommt stattdessen Zinkoxid zum Einsatz.

Kopfzerbrechen bereiten noch immer die Luster - wegen des Glühbirnenverbots der EU. Die Glühkerzen sollen jedenfalls nicht durch Sparlampen, sondern durch LED-Leuchtmittel ersetzt werden. "Wir diskutieren derzeit aber noch, mit welcher Lichtqualität wir da hineingehen sollen" , berichtet Kippes.(Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 25.3.2010)

  • 15 Restauratoren werden in den nächsten drei Jahren die Wände im 420 m² großen Rokokofestsaal auf Marmor-Niveau polieren
    foto: standard/corn

    15 Restauratoren werden in den nächsten drei Jahren die Wände im 420 m² großen Rokokofestsaal auf Marmor-Niveau polieren

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