"Uni-Budget ist eine Provokation"

24. März 2010, 20:08
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Ausstieg aus dem Hochschuldialog für Rektoren eine "Frage der Selbstachtung"

Wien - Die Rektoren sind nicht mehr allein. Zumindest was ihre selbstgewählte Zuschauerperspektive beim "Dialog Hochschulpartnerschaft" betrifft. Denn am Mittwoch folgte die FPÖ dem Vorbild der Uni-Chefs, die am Dienstag ihren Austritt aus dem Hochschulforum verkündet haben.

FPÖ hält Hochschuldialog für "verunglückt"

"Geistig sind ohnehin schon die meisten ausgestiegen", sagte FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf: "In Wahrheit ist das nicht mehr als eine Beschäftigungstherapie für die zweite und dritte Garnitur von Experten." Die Uni-Probleme gehörten "gelöst und nicht zerredet". Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) solle das von ihrem Vorgänger Johannes Hahn initiierte "verunglückte Projekt" stoppen und die Diskussion wieder in den Nationalrat bringen.

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) wiederum bedauerte den Auszug der Rektoren aus dem Hochschuldialog, hofft aber auf eine Rückkehr der Uni-Chefs. Gleichzeitig appellierte der Forschungsrat am Mittwoch dringend an die Regierung, sich an ihre Versprechen zu erinnern und diese auch zu halten. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise müsse es "politisches Programm sein, die Aufwendungen für Bildung und Forschung zu steigern und nicht zu reduzieren".

Das liegt voll auf der Linie der Rektoren, deren Unmut über den Hochschuldialog tiefer liegende Ursachen hat als diejenige, dass dort nur "über Gott und die Welt" geredet werde, anstatt die Probleme der Unis endlich zu lösen.

Rektoren geht es auch um "Selbstachtung"

Der Vizepräsident der Universitätenkonferenz (uniko) und Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast, hält im STANDARD-Gespräch mit dem Ärger der Rektoren nicht hinterm Berg - ungeachtet der Kritik an diesem Schritt und der Empörung von Ministerin Karl: "Das werden wir aushalten." Geht es für die Rektoren mittlerweile doch um eine "Frage der Selbstachtung".

Seit November habe man sich in den fünf Arbeitsgruppen "um die wirklichen Problemsituationen herumgedrückt", und dann seien noch "Effekte von außen gekommen", die für die Rektoren inakzeptabel seien. Bast: "Wenn die Regierung im Herbst feierlich verkündet, dass sie das Hochschulbudget bis 2020 auf zwei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt steigern will, uns dann aber einen Budgetpfad für 2011 bis 2014 vorlegt, der uns im kommenden Jahr minus 50 Millionen Euro und bis 2014 jährlich minus 100 Millionen zumutet, dann ist das in Wahrheit eine Provokation."

"Doppelstrategie" der Politik

Ihn und seine Kollegen empöre vor allem die "irreführende Doppelstrategie der Regierung", die mit einem vermeintlichen Dialogangebot locke, aber zugleich Budgetentscheidungen vorlege, die alles konterkarieren würden. Oder das "Bekenntnis zum freien Hochschulzugang, ihn dann aber nicht finanzieren, aber auch keine Alternativen dazu beschließen", listet Rektor Bast die Vorwürfe an die Regierung auf. Was er sich wünschen würde, wären "nicht nur Banken- und Autocluster-Gipfel, sondern auch mal einen Bildungs- und Innovationsgipfel." (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD-Printausgabe, 25.3.2010)

  • Genug geredet: Nach den Rektoren steigt auch die FPÖ aus.
    foto: heribert corn, der standard

    Genug geredet: Nach den Rektoren steigt auch die FPÖ aus.

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