Netanjahu will und kann nicht

24. März 2010, 18:12

General Petraeus klagt, dass die israelische Politik die US-Interessen schädigt

Es geht weder vor noch zurück, der israelisch-amerikanische Karren steckt fest. "Meinungsverschiedenheiten" gab es schon verschiedentlich während der langen und im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer enger werdenden Freundschaft zwischen den beiden Ländern, aber selten eine Situation, in der beide so sehr am Limit dessen angekommen waren, was sie zu geben bereit waren.

Wobei man jedoch immer differenzieren sollte - nicht an "Israel" zerschellen Barack Obamas Nahostpläne, sondern an dieser ganz spezifischen israelischen Regierung. Die mag sich ebenso wünschen, dass im Weißen Haus ein anderer Präsident sitzen würde, aber sie weiß gleichzeitig, dass sie auch von keiner anderen US-Regierung einen völligen Siedlungsfreibrief und eine automatische Anerkennung der israelischen Souveränität über ganz Ostjerusalem erhalten würde.

Die Frage "‚Israel zuerst‘ oder ‚amerikanische Interessen zuerst‘?" zieht sich durch die ganze Geschichte des US-Engagements im Nahen Osten, und die US-Präsidenten haben sie - ohne die prinzipiellen Verpflichtungen gegenüber Israel infrage zu stellen - unterschiedlich beantwortet. Eine Neuigkeit ist jedoch, dass sich mit David Petraeus ein General zu Wort meldet und von der direkten Gefährdung der US-Truppen in der Region durch die israelische Politik - und die amerikanische Unfähigkeit, Israel zu beeinflussen - spricht. Auch wenn nun in Internetforen heftig diskutiert wird, was Petraeus wirklich gesagt und gemeint habe, unter dem Strich bleibt ein Vorwurf übrig, wie er noch nie auf dieser Ebene gegen eine israelische Regierung erhoben wurde.

Es heißt, Petraeus habe sogar - natürlich vergeblich - versucht, die Palästinensergebiete seinem Centcom-Kommando zugeschlagen zu bekommen (sie gehören wie Israel zu Eucom, dem European Command), um ihre Bedeutung im ganzen strategischen Kontext des US-Engagements in der Region zu betonen. Aber Petraeus' Sorge soll sehr wohl in die Institutionen eingesickert sein - und laut Yedioth Ahronot soll auch der wütende US-Vizepräsident Joe Biden nach dem Wohnbau-Eklat während seines Besuchs in Israel Premier Benjamin Netanjahu genau das sinngemäß gesagt haben: Ihr gefährdet unsere Sicherheit.

Wie verärgert auch politische Mainstream-Amerikaner sind, ist etwa an einem Kommentar von Thomas Friedman in der New York Times abzulesen, in dem er Biden dafür kritisierte, nicht gleich aus Israel abgereist zu sein und folgende Botschaft hinterlassen zu haben: "Botschaft aus Amerika an die israelische Regierung: Freunde lassen nicht zu, dass Freunde betrunken Auto fahren. Ihr fahrt gerade betrunken Auto ..."

Nicht dass die Regierung Netanjahu mit diesem Bild viel anfangen können wird. Unter "betrunken Auto fahren" wird sie höchstens den "Unfall" reihen, dass die Bauprojekte zur Unzeit bekanntgegeben wurden. Die Wohnbaupläne selbst sind eine ganz und gar nüchterne Sache.

Während im Westjordanland die Aufteilung auch schon für einen Netanjahu eine Verhandlungssache - wenn auch mit maximalistischen Vorstellungen - ist, geht es bei Jerusalem für die israelische Rechte ums Ganze, das heißt, um ganz Ostjerusalem und ein Stückchen darüber hinaus. Netanjahu will nicht, und er kann auch nicht einmal, zumindest nicht mit dieser Koalition. Ganz gleich, was Obama und Petraeus denken und sagen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 25.3.2010)

Kommentar posten
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01
30.3.2010, 14:25
Man hängt sich ...

... an der Siedlungspolitik auf wo doch die Geschichte bereits 2 x gezeigt hat, dass Israel Siedlungen fallen lässt, wenn sie sich davon Frieden versprechen. Im Falle Sinai hats geklappt, im Falle Gaza führte es zur Machtergreifung und einem schweren Krieg mit der Hamas.
Die Sicherheit der USA hängt nicht vom Wohlverhalten Israels ab. Die USA werden immer Feinde haben, so lange sie eine (für mch notwendige) Ordnungsmacht darstellen, da können sie Israel sogar am Altar opfern.
Interessant für mich ist, dass die Schuld nicht dort gesucht wird, wo sie seit 1900 ist: an der Ablehnung eines jüdischen Staates durch die Araber! Glaubt denn irgend wer, dass die Araber einen jüdischen Staat im Dar el Islam dulden werden?

Hubert Ungeist
 
00
31.3.2010, 12:40
Das stimmt einfach nicht..

ostjerusalem will Israel nicht hergeben. Und seit SHaron liegt fest das man auch die großen Siedlungsblöcke im WJL nicht hergeben will. Und damit wäre auf dieser Basis ein P-Staat ein Fleckerlteppich

ich sag's grad raus
00
25.3.2010, 17:59
"Netanjahu will und kann nicht"

Alternde Männer und deren nachlassende Virilität haben schon viele Konflikte heraufbeschworen. Aber heutzutage gibt es ja V1AGR4.

Fritz Wunderlich
10
30.3.2010, 13:28

jetzt versteh ich moolahland

glenkill
15
25.3.2010, 16:44
Landnahme

Das gesamte Westjordanland gehört über kurz oer lang Israel. Die ehemaligen Einwohner können eventuell dazwischen leben bleiben. Sie werden sowieso vom Umfeld isoliert. Die vorgangsweise von Israel mit Verhandlungen und deren Abbruch und Wiederaufnahme ist reine Show, um ungehindert ans Ziel zu kommen. Wenn Iran fällt und damit auch Syrien geschwächt ist, geht es dann leichter mit der Übernahme des Libanon. Viel Spass im Orient ,

Fritz Wunderlich
00
25.3.2010, 12:01

in gewissen politisch-strategischen kreisen der usa werden verstärkt stimmen laut, bezüglich der politischen kosten israels für die usa, vor allem in the middle east, near and greater
nun ja, man muss sehen

NONE
11
25.3.2010, 14:30

Diskussionen hierüber verlaufen im Sande.

Mal wird das Klima etwas schlechter, mal etwas bessser, dann kehrt es wieder zu einem status quo zurück (und somit für keine de facto Veränderung)

Fritz Wunderlich
00
25.3.2010, 14:58

wer sich in der österreichsichen politik schon mal bewegt hat, weiß, wie rasch sich ein strategiewechsel abspielen kann, und wie zäh sich anderes wiederum hält, vor allem sogenannte verkrustete strukturen und freunderlwirtschaft
die zahl jener institutioen und personen, die es sich mit schwarzblau richteten, wuchs nach anfänglichen zögern, hervorgerufen durch die erst unerwartete stärke der proteste, vom frühsommer bis herbst 2000 stündlich
in dem maße verkam die publizistische berichterstattung und sympathie für die proteste

wenn sich in den usa neue wählerkoalitionen mit ertragreichen spenden ergeben, kann israel sehr schnell von der freundschaftsagenda abgesetzt werden

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
00
25.3.2010, 10:53
zumindest etwas spielraum ist obama hier in die hände gefallen

dass biden derart brüskiert wurde, wird natürlich politisch genutzt. biden ist auch als fast radikal pro-israelisch bekannt, das verschafft dem weißen haus zusätzlich dringend benötigte legitimität, wenn es sich gegen israelische auswüchse stemmt.

aber die radikale israel lobby in den USA ist immer noch gut organisiert, während gemäßigte israelische einwanderer tendentiell schlecht vertreten sind. der kongress hat schon angekündigt, zu buckeln. es wird also trotzdem wieder eine gratwanderung.

Peter Sichrovsky
137
24.3.2010, 20:00
Freundschaften

Die Europäer sind immer schon an der Interprätation der Freundschaft zwischen Israel und den USA gescheitert, weil sie sie nicht verstehen. Diese tief verwurzelte Verbindung hält so manchen Streit aus und ändert nichts an der unverrückbaren Garantie der Amerikaner für Israels Sicherheit. Wenn man allerdings den Anti-Amerikanismus der Europäer in den letzten Jahren beobachtet, so ist die Achse Europa-USA in der Tat beschädigt und nicht die zwischen Israel und den Amerikanern.

Michael Holzermayr2
00
25.3.2010, 16:33
Wundert Sie das?

Leute wie Bush und Netanyahu verstehen sich offenbar besser als halbwegs vernünftige Europäer (gemessen an Bush) diesen verstehen können.

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
01
25.3.2010, 14:15
tuns das nicht mystifizieren

was soll daran so schwer zu verstehen sein? der hauptfaktor sind, wie in der realpolitik so oft, lobbying-gruppen, die aber die tatsächlichen interessen israels nur in den augen einiger vertreten.
die USA werden israel nie vollkommen im regen stehen lassen, aber bei politischer rückendeckung, präventiver militärhilfe, ausrüstung, manövern etc. - bis hin zu angeblich notwendigen präventivschlägen - gibt es einen sehr großen spielraum, den die USA ausreizen können. wenn die innenpolitik es erlaubt.
anreiz gibt es genug, die israelische politik erzeugt ja jede menge zores für die USA.

Der Waehlerwille
 
10
25.3.2010, 15:57
erstaunlichwerweise shen sie das völlig anders als zb die iisraelis

die meisten israelis wissen sehr genau dass die usa der hauptprifiteur in der geschichte sind ..

israel ist für die usa ein art riesengrosser flugzeugträger.

und eine derart sichere basis gibt man nur ungern auf.

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
22
25.3.2010, 18:12

israel ist für die USA auch mit ein hauptgrund, warum sie überhaupt so viele flugzeugträger in der region brauchen. der von vielen seiten geschürte konflikt zwischen israel und den palästinensern ist jedenfalls ein großes problem für die USA. die einschätzung, dass der nutzen überwiegt, teilen wohl immer weniger amerikaner. erst wenn die spinnerten evangelisten wieder an der macht sind, die palästina für die wiederkehr christi bereit machen wollen, hat israel wieder einen bedingungslosen verbündeten.

Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG
10
26.3.2010, 09:57

da die antwort von fritz wunderlich zensuriert ist korrigier ich mich selber: israel ist nicht der grund für den bedarf an flugzeugträgern (und war es ursprünglich noch weniger, aber das hab ich auch nicht behautet)
israel macht den USA feinde im bereich von terrorismus und aufständen, nicht so sehr durch konventionelle armeen.

das gute gnu1
32
25.3.2010, 11:24
ich ...

... an ihrer stelle wäre nicht ganz so selbstsicher - ich glaub ja das das ende in riesenschritten naht, nu!

Fritz Wunderlich
00
25.3.2010, 14:05

deines? wen interessiert`s?

Bergsee
110
25.3.2010, 08:17
amerikas garantie ist auf ewig unverrückbar??

israel und die gesamte region brauchen frieden, bekommen ihn aber alleine der siedlungspolitik wegen schon nicht.

israel ist so groß wie nö + wien, 7 mio leute leben dort, 50% israelis, 50% palästinenser; 2/3 des landes gehört israel; arbeitslosigkeit in israel ist ca. 15%, in palästina 70 - 80%, über die einkommensverteilung wollen wir gar nicht reden. nur bei den geburten haben die p. die nase (weit) vorne. ein klassisches pulverfass.

das alles weiß israel. ebenso die usa. uns sie meinen, letztere werden auf ewig zusehen (können)??

schmeiser
30
25.3.2010, 07:46

schon recht. aber bitte: interpretation ohne ä und aber

René Herndl
214
25.3.2010, 07:43
Verständnis

Selbstverständlich ist diese Freundschaft zu verstehen. Es ist jene, die sich an politischer Arroganz orientiert und die auf ähnlichen Grundsätzen beruht, nämlich jenen der Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Interessen, gegenüber rechtlichen Normen und Gerechtigkeit, und nicht zuletzt auch auf dem Willen, die eigenen Ziele mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Auf eine solche Freundschaft kann man getrost verzichten.

Fritz Wunderlich
00
25.3.2010, 12:07

hehe, freundschaft

Ava Tar
313
24.3.2010, 23:05
Gegen Sicherheit ist nichts einzuwenden

wohl aber gegen Notwehrüberschreitung

Der Unterschied ist Ihnen bekannt ?

Peter Sichrovsky
204
24.3.2010, 23:52
Notwehr?

Israel hat immer nur in Notwehr reagiert, alle Kriege wurden von arabischen Staaten begonnen, alle Terroranschläge von ihnen geplant und in ihren Schulbüchern wird die Vernichtung Israels gepredigt, ich kenne auch keinen Israeli, der sich mit einem Sprengstoff-Gürtel in einem Kaffehaus im Gazza oder sonst wo in die Luft gejagt hat.

René Herndl
13
25.3.2010, 18:08
Eine sehr eigenwillige Darstellung, ...

.. die Sie hier abliefern. Tatsachen dagegen sind, dass Palästina gegen den Willen der Mehrheit einer arabischen Bevölkerung in den 20er und 30er jahren bis 1948 von meist europäischen Einwanderern überschwemmt wurde, die mit Hilfe der Mandatarsmacht England und durch Terror Araber vertrieb und deren Land nahm. Dass die Araber mit Widerstand reagierten, der wiederum unterrdrückt wurde und nach der widerrechtlichen und einseitigen Staatsgründung ebenfalls zur Gewalt griffen ist belegbar, aber auch, dass etwa der 67er Krieg von den Israelis 6 Jahre lang geplant war. Kurzum: Israel war immer der Aggressor, hat also auch nie in Notwehr gehandelt.

Michael Holzermayr2
11
25.3.2010, 16:44
Wenn Sie der sind, für den Sie sich ausgeben,

braucht man sich über derartige Statements nicht zu wundern.
Die Annexion Palästinas in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts war ebenso legitim wie der Staatsterrorismus des Mossad oder die Taktik 10 Palästinenser-Raketen gegen 1 Invasion.
Der große Unterschied, den Sie nicht begreifen, ist:
die Araber können, das was sie drohen, nicht umsetzen.
Die Israelis reden nicht, sondern machen. Und ALLES wird von den Amis gedeckt.

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