Kolumne

Datenroaming: Eine fortdauernde Wucherei der Mobilfunkbetreiber

24. März 2010, 18:06
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    Surfen im Ausland kann enorme Kosten verursachen

500 Megabyte kosten in Österreich weniger als einen Euro - im Ausland 1300 Euro

Was neulich passierte: zweieinhalb Tage bei einer Konferenz in München, also 130 Kilometer von der längst verschwundenen österreichischen Grenze entfernt. Zweieinhalb Tage normale Arbeit mit dem Notebook, Mail, einige Fotos verschicken, Recherchen über Interviewpartner machen, den Stadtplan konsultieren, Redaktionssystem benutzen, Nachrichten lesen. Die Nachwirkungen? 1300 Euro Roaminggebühr für Daten. Bill Shock, wie dies Mobilfunker treffend getauft haben.

Müßig zu erwähnen, welcher Provider dies war, es halten alle die Hand wie Wegelagerer auf. Die einzige Ausnahme mit vernünftigem Verrechnungsmodell - Hutchison verrechnet in seinem eigenen Netz immer den "Heimtarif" - hätte in München nichts genützt: nicht am Markt.

Die fortdauernde Wucherei der Mobilfunkbetreiber

Jetzt etwas Mathematik, zum besseren Verständnis der fortdauernden Wucherei der Mobilfunkbetreiber. Das konsumierte Datenvolumen lag bei rund 500 Megabyte. Ich weiß, so viel sollte man im Ausland nicht verbrauchen. Aber Datenverbrauch ist, anders als Sprachtelefonie, für den Nutzer intransparent. Man kann zwar das Volumen mit spezieller Software mitverfolgen (tolle Idee, wenn man unter Deadline arbeitet). Aber anders als Zeit sind Daten nicht zu spüren. Ich weiß nur: kein Youtube, kein Skype, kein Video-Download oder ähnliches - dazu kommt man bei intensiver Arbeit gar nicht.

Diese 500 Megabyte werden von Mobilfunkern in Österreich um weniger als einen Euro verkauft (z. B. bei 15 Gigabyte um 20 Euro im Monat). Nimmt man die teuersten Angebote, Prepaid-Karten, ist ein halbes Gigabyte um zwei Euro zu haben. Das Ergebnis? Datenroaming kostet, je nach Vergleichsbasis, ein Vielhundert- oder gar Vieltausendfaches als das heimische Netz.

Aufwand

An der Stelle reden Mobilfunker erstens über ihren höheren Aufwand (Abrechnung zwischen den Betreibern, höhere Datenpreise fast überall in Europa). Aber wäre das nicht der Sinn grenzüberschreitender Telekom-Konzerne, dass dadurch Kostenstrukturen günstiger wären? Und zweitens wird uns dann, nicht ohne Wehleidigkeit, der arge Preiskampf vorgerechnet (von den Mobilfunkern angezettelt), dass in spätestens fünf Jahren der Aufwand den Ertrag übersteigt und man ja irgendwo noch verdienen muss. Aber da haben hochbezahlte Manager ihre Aufgaben nicht richtig gelöst, wenn ihr Ertrag von der Zufälligkeit des Bill Shock abhängt und nicht von ihrem soliden Basisgeschäft.

Keine Bewegung

Persönlich bleibt nur die Konsequenz, mobiles Arbeiten im Ausland drastisch einzuschränken, Wi-Fi-Hotspots zu verwenden, so vorhanden (auch relativ teuer, aber durchschaubar), oder Prepaid-Karten und entsperrte 3G-Modems zu kaufen. Strukturell braucht es eine andere Konsequenz, gegen die ich früher eingetreten bin: eine EU-weite Preisregulierung, die eine nachvollziehbare Relation zwischen Heim- und Roamingtarif herstellt - z. B. das Drei- bis Fünffache der Preise des jeweiligen Landes. Warum ich inzwischen dafür bin? Weil diese Kolumne seit Jahren ähnlich geschrieben wird, ohne dass sich die Betreiber substanziell bewegt hätten. (helmut.spudich@derStandard.at, Kolumne PERSONAL TOOLS, DER STANDARD Printausgabe 25. März 2010)

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RTR

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 209
1 2 3 4 5
00
28.3.2010, 00:24
Alternativen für DE

Wer öfter in DE Internet braucht und schon einen Datenstick hat (zB. Yesss Huawei), kann diesen ev. auch in DE verwenden.
Z.B. bei Aldi normale "Talk" SIM Karte um 12,99 kaufen. Registrieren auf deutsche Anschrift erforderlich (via Internet oder auch Fax). In der Software (bei mir heisst sie 'Mobile Partner') neues Profil anlegen mit Optionen: "APN" (statisch) = "tagesflat.eplus.de" und Zugangsnummer "*99#". Schon surft man für 1,99 Euro genau 24 Stunden ohne Limit. Allerdings ist das Netz nicht das schnellste.
Die EU wird es hoffentlich doch noch irgendwann schaffen, den gesamten Raum zum "Telefon- und Internet - INLAND" zu erklären.
Demnächst möchte ich nämlich auch in Spanien im Urlaub Internet... (hat da wer einen Tip?)

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
27.3.2010, 00:36
kann es sein,

dass dieser online-zeitungs-server seit ca. 10 tagen auffallend langsam ist u. dass die downloadgrösse zb. hier im forum pro 1x weiterblättern ungewöhnlich gross ist: ca. 300 KB???
Macht das lesen billiger.

Der, der es besser weiß
00
26.3.2010, 16:33
Zahlt die Rechnung Helmut Spudich, derStandard.at oder wird gestritten?

Dr. Schaloo
00
26.3.2010, 10:58
EU Obergrenze

Die, in diesen Fällen ausnahmsweise beliebte EU soll "handeln".

Ich vermute wenn eine 2€/GB Roaminggrenze gibt werden die Unternehmen das Roaming einfach abschaffen.

Super-Zyniker
00
26.3.2010, 22:06

@Dr. Schaloo

> Ich vermute wenn eine 2€/GB Roaminggrenze gibt
> werden die Unternehmen das Roaming einfach
> abschaffen.

Das ist aber äußerst unrealistisch, denn dann wäre Daten-Roaming billiger als sämtliche derzeitigen Inlandsangebote, wo zumeist 1 GB Prepaid € 20,-- bzw. beim bob.breitband € 4,-- kostet.

geschädigter
00
26.3.2010, 10:46
warnung auch im eigenen netz

nachdem ich vor kurzem bei 'drei' auch das pech hatte,meine 3gb nach neuaufsetzen (windows update!) des rechners zu überschreiten (einmalig,langjähriger stammkunde),war die rechnung plötzlich 260€ statt 9€. kulanz war nicht möglich. habe nun gekündigt. es sollte eine eu-regelung geben,die jeden netzbetreiber dazu zwingt,kurz vor erreichen des datenlimits zu warnen. eben auch im eigenen netz. das wäre fair.

Super-Zyniker
00
26.3.2010, 22:22

@geschädigter

> warnung auch im eigenen netz
> 3gb nach neuaufsetzen (windows update!)

Da du dich freiwillig für einen limitierten Tarif entschieden hast, mußt du in deinem eigenen Interesse dein Datenvolumen entsprechend überwachen.
Dafür gibt es (auch kostenlose) Programme, aber es geht sogar mit Windows-Bordmitteln:
Über die Statusabfrage der Netzwerkverbindung kannst du einfach den aktuellen Traffic (in Up- & Download aufgeschlüsselt) sehen und z.B. in einer primitiven Textdatei aufsummieren.
Wer das nicht will oder weiß, daß er öfters mit dem Volumen nicht auskommen wird, kann und muß sich halt ein Flatratemodell (wo über dem Limit nur die Geschwindigkeit gedrosselt wird) oder einen Tarif, wo Überschreitungen leistbar sind, nehmen.

Taran Seven
01
25.3.2010, 21:10
Prepaidkarten ist gut... gibts nur in österreich...

in Deutschland muss man sich mit deutschem Wohnsitz ausweisen oder zumindest einen angeben... wobei es laut Heise.de egal ist ob der irgend ein Eintrag aus dem Telefonbuch ist...

Super-Zyniker
00
26.3.2010, 22:13

@Taran Seven

> Prepaidkarten ist gut... gibts nur in österreich...
> in Deutschland muss man sich mit deutschem
> Wohnsitz ausweisen

Das ist so leider falsch.
Richtig ist, daß in Deutschland prinzipiell eine Registrierungspflicht besteht, die aber - besonders im Filialverkauf von Discounter-SIMs - nicht immer entsprechend vom Verkaufspersonal beachtet wird.

Prinzipiell kannst du auch SIM-Karten als Österreicher mit nicht-deutschem Wohnsitz registrieren.
Allerdings gibt es auch Anbieter, die ihr Angebot explizit nur für den deutschen Markt anbieten und ausdrücklich nicht ins Ausland liefern. (z.B. die meisten virtuellen Anbieter im E-Plus Netz)
Direkt bei den 4 Netzbetreibern ist eine Registrierung auf eine österr. Adresse kein Problem.

Super-Zyniker
12
25.3.2010, 17:08

Der Artikel von Helmut Spudich ist zwar in der Sache richtig, doch spricht es eben gerade NICHT für seine journalistische Kompetenz, wenn er die doch(!) möglichen Alternativen weder sieht, geschweige denn erwähnt.
Auf seinen konkreten Arbeitsbesuch in München bezogen:
Wie wäre es gewesen, wenn er sich vorher über mobile Internetangebote in Deutschland informiert hätte?
Dann hätte er bemerkt, daß man sogar mit einem normalen dt. Sprachtarif problemlos auch z.B. um € 0,24 / MB surfen kann.
Wer mehr Volumen braucht, kann sich eine (auch international verwendbare) Datenkarte nehmen, wo 1 GB, das für 7 Tage gilt, € 9,95 kostet.
International sind 50 MB Sessions in 24 Stunden ab € 14,95 verfügbar.
Zwar kein Schnäppchen, aber notfalls leistbar.

Dr.in Luitpold Bäringer
02
26.3.2010, 11:38
Das ist keine Alternative

Der Frage die es zu beantworten gilt, ist die: Will ich einen gemeinsamen EU-Wirtschaftsmarkt mit einfach zu handhabender, grenzüberschreitender Datenkommunikation oder nicht? Im 21. Jhdt?

Dazu zählt nicht, dass ich Tarifexperte bei litauischen, ungarischen, portugiesischen oder polnischen Netzanbietern sein muss um mich nicht blöd zu blechen im Datenroamingfalle, sondern dass ich mit meinem Netzanbieter innerhalb der EU zu vernünftigen Preisen kommunizieren kann.

Jeder verstehts, dass es im Roaming-Falle nicht so günstig wie im Heimatnetz sein kann, aber die ruinösen Wucherpreise sind durch nichts, aber auch gar nichts rechtzufertigen.

Superschlau
00
25.3.2010, 14:20
Kein Datenroaming verwenden

wenn diese Wucherdienste ganz bewusst verweigert werden, wirds günstiger. Denn besser niedrige Preise, als gar keine Umsätze...

Ich habe auf all meinen Geräten Roaming deaktiviert. Fällt mir nicht immer leicht, auf iPhone und Laptop zu verzichten, aber bei 1,20 pro 100kB muss ich es bis zur Ankunft am Flughafen Wien durchhalten.

derunbestechliche
00
25.3.2010, 14:06
Ich hatte vor ca. 2-3 Jahren das gleiche Problem mit T-Mobile.

Ich hatte die Kosten total unterschätzt. Ein paar Mal einloggen wird wohl nicht so schlimm sein, dachte ich. Falsch gedacht. Es war eine Horror-Rechnung. Es gab keinen Vergleich, kein Entgegenkommen. Nichts. Es wurde eine Ratenzahlung vereinbart und vor der ersten Rate kam ein Schreiben eines Rechtsanwalts, der die ganze Summe einforderte - sofort (ansonsten würde es zu Gericht gehen). Das war übel, denn es war eine Ratenzahlung vereinbart. Ich kündigte, eigentlich aufgrund dieser gebrochenen Vereinbarung, neben dieser Datenkarte noch 2 zusätzliche Verträge (die von meinem Handy und von meiner früheren Freundin, der ich dankbar war). Natürlich "sofort".

Super-Zyniker
41
25.3.2010, 17:15

@derunbestechliche

> Ich hatte die Kosten total unterschätzt. Ein paar
> Mal einloggen wird wohl nicht so schlimm sein,
> dachte ich. Falsch gedacht. Es war eine Horror-
> Rechnung.

Du hast dabei alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann.
Zuerst wäre es angeraten gewesen, sich zu erkundigen, was 1 MB Traffic im Roaming kosten.
Dann wäre abzuwägen gewesen, ob und wieviel Traffic leistbar ist und allfällige Nutzung zu minimieren und genau zu verfolgen.

Das neuerdings zeitgemäße Motto:
"Es wird schon nicht so schlimm sein. Notfalls machen wir halt einen Rechnungseinspruch, gehen zum Konsumentenschutz/AK und in die Medien" ist leider fatal.
Kulanz gibt es kaum, da die Kosten bekannt und jahrelang in den Medien berichtet wurden.

MiNeum71
 
01
25.3.2010, 18:49


Jetzt schreibt "derunbestechliche" ja schon selbst, daß er einen großen fehler begangen hat: Was bewegt Sie dazu, da auch noch darauf herumreiten, um hier den Brechreiz-Oberg'scheiten 'rauszuhängen?

derunbestechliche
00
27.3.2010, 17:11

Danke, MiNeum71!

Strc prst skrz krk
00
25.3.2010, 14:06

zb oft in Indien
zuvor - astronomische roaming- und telefon gebuehren
jetzt - daten: tata indikom mobile internet prepaid
€ 11/monat unlimited
telefon: airtel prepaid (fuer 1 EUR 10 min
telefonieren mit Europa)

Andreas Schmidt
00
25.3.2010, 13:50
Der Wappler liebt T-Mobile und Bob!

Es paßt! Denn das ist eine wunderbare Anti-Werbung für 3! Hoffentlich lassen sich da viele Neokunden davon abschrecken zu 3 zu kommen und lieber zu T-Mobile zu gehen. Denn da gibt es das nicht, denn die lieben die Kunden!

Scrutinizor
01
25.3.2010, 13:47
Wucher-Paragraph BGBl. Nr. 271/1949

Sie haben vollkommen Recht. Und mit der Veröffentlichung dieses Artikels haben Sie hoffentlich einen Teil der Kosten wieder kompensiert.
Aber warum schreiben Sie das hier, schreiben Sie lieber einem ambitionierten Verbraucheranwalt. In fast jedem Land der Erde ist Preiswucher verboten. http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente... _271_0.pdf

Super-Zyniker
10
25.3.2010, 17:21

@Scrutinizor

Den Wucher mußt du aber juristisch beweisen und das wird wohl etwas schwer sein.
Weit einfacher finde ich folgendes:
Sich vorher über die Kosten und die Alternativen zu informieren.
Roaming ist und bleibt nun mal die bequemste, aber teuerste Art, mobil zu telefonieren bzw. zu surfen.

Außerdem:
Der Mensch hat auch früher ohne Mobilfunk im Ausland überlebt und telefonieren bzw. - vor Einführung der Datendienste im Mobilfunk - surfen können.
Nur heute muß man ja unbedingt um (diesmal auch im wörtlichen Sinne) jeden Preis vom Malle-Strand der Tante Mitzi daheim jeden Furz brühwarm erzählen und seine Mails & Facebook-Profile bearbeiten.

luanme
00
25.3.2010, 19:28
... jetzt aber bloß kein

"Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegt ...." Die Welt hat sich eben geändert. Wir sind teil eines europäischen Staatengebildes und heutzutage ist es eben öfter notwendig, ins europäische Ausland zu fahren wenn man Geschäfte machen will.
Die öst. Mobilfunker haben sich - ausnahmslos - vor Jahren schon int. Konzernen angeschlossen und dort kostet roaming eben .... erraten ... gar nichts in den Gestehungskosten - das ist ja eben der Witz.
Diesen Vorteil so überhaupt nicht an die Kunden weiterzugeben sondern Geschäftsreisende in einer Zwangslage abzuzocken - das ist eben NICHT IN ORDNUNG!!!!

Super-Zyniker
00
26.3.2010, 22:33

@luanme

> "Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegt
> ...." Die Welt hat sich eben geändert.
> ... Geschäftsreisende in einer Zwangslage ...

Wieso Zwangslage?
Wer zwingt dich, Roaming zu nutzen?
Geschäftsleute haben einerseits auch vor dem Mobilfunkzeitalter ihr Geschäft betreiben können und andererseits sind diese wohl weniger stark von den Roamingkosten betroffen, weil sie eben - wie auch in ihrem jeweiligen Geschäftsbereich - bewußt günstigere Alternativen suchen und nutzen und andererseits die Kosten Betriebsaufwand und somit steuerlich absetzbar sind.

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
00
25.3.2010, 14:32

danke für den link

peace & love
50
25.3.2010, 13:16
das wär ja ein job für die eu.


aber die herrschaften beschäftigen sich lieber mit gurkenkrümmungen. nicht einmal einen währungsunionsvertrag können diese usurpatoren professionell entwickeln ... mein respekt für diesen verein stirbt schön langsam.

Markus Sagmeister
00
25.3.2010, 14:18
Die

Gurkenkrümmung ist schon lange abgeschafft.
Insofern ist ihr "EU" Bashingbeispiel hinfällig.

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