Bertelsmann verhandelt noch mit drei Bietern über Fachverlag

11. April 2003, 19:04
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Medienkonzern hofft auf bis zu einer Milliarde Euro Verkaufserlös - Verkauf bis zur Jahresmitte

Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann will mit drei Interessenten für seine zum Verkauf stehende Fachverlagssparte BertelsmannSpringer Vertragsverhandlungen aufnehmen. "Wir haben sieben Briefe erhalten und werden mit drei Bietern finale Verhandlungen führen", sagte ein Bertelsmann-Sprecher am Freitag. Der weltweit fünftgrößte Medienkonzerns rechnet mit einem Abschluss des Verkaufs im ersten Halbjahr 2003.

Für die Fachverlagssparte haben vor allem Finanzinvestoren Interesse signalisiert. Bertelsmann erhofft sich von dem Verkauf einen Erlös von bis zu einer Milliarde Euro. Mit dem Verkauf der Fachverlagssparte BertelsmannSpringer soll der Schuldenstand auf unter zwei Mrd. Euro sinken.

Ursprünglich 14 Kaufofferte

Branchenkreisen zufolge hatten ursprünglich 14 Kaufofferte mit Geboten zwischen 800 Mio. und 1,2 Mrd. Euro vorgelegen. Zu den letzten acht von Bertelsmann favorisierten Übernahmekandidaten gehörten den Angaben zufolge die britischen Beteiligungsgesellschaften Cinven und Candover sowie die gemeinsam bietenden CVC Capital Partners und Blackstone Group. Auch Apax Partners und der britische Wissenschaftsverlag Taylor & Francis würden gemeinsam bieten. Zur nächsten Runde eingeladen wurden zudem Soros Private Equity, BC Partners, EQT Partners und Permira.

BertelsmannSpringer ist die größte deutsche Fachverlagsgruppe mit 700 Fachmagazine. Außerdem erscheinen dort jährlich rund 4.000 neue Bücher. Auf der Autorenliste des Wissenschaftsverlages stehen 126 Nobelpreisträger.

Handlungsfähigkeit eingeschränkt

Der traditionsreiche Bertelsmann-Konzern sieht durch seine Verschuldung in Höhe von zuletzt 2,7 Mrd. Euro die eigenen Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Vorstandschef Gunter Thielen hatte zuletzt auf der Bilanzpressekonferenz Ende März erläutert, Bertelsmann tätige keine Akquisitionen, bevor BertelsmannSpringer verkauft sei. Der Firmenchef hatte damals erstmals ein Interesse an der zum Verkauf stehenden Buchverlagssparte des US-Medienriesen AOL Time Warner geäußert. In der Branche wird dafür ein Kaufpreis von bis zu 400 Mio. Dollar erwartet.

Für 2003 rechnet Bertelsmann wegen der andauernden Flaute der Medienmärkte mit einem stagnierenden Umsatz, will jedoch das im Jahr 2002 auf 936 Mio. Euro gestiegene operative Ergebnis erneut verbessern. Der Umsatz von Bertelsmann sank 2002 vor allem wegen der Dollar-Schwäche um 3,5 Prozent auf 18,3 Mrd. Euro. Der Verkauf von Anteilen an AOL Europe hatte 2,9 Mrd. Euro eingebracht. Dem standen Abschreibungen auf Firmenwerte vor allem in der Musiksparte in Höhe von 2,5 Mrd. Euro gegenüber. (APA/Reuters)

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