Per Internet Jugendliche vom rechten Weg abbringen

11. April 2003, 18:54
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Vorarlberg ist Zentrum der Rechtsextremen im Bodenseeraum - Treffen werden als private Partys oder Konzerte getarnt

Hohenems - Vorarlberg ist Aufmarschgebiet der rechtsextreme Szene aus der Bodenseeregion. Die Treffen werden als private Partys oder Konzerte getarnt. "Wo sind die Grenzen?", fragte sich am Donnerstagabend eine Diskussionsrunde im Jüdischen Museum Hohenems. Vorarlberg sei zum "Ausweichort" geworden, weil in Süddeutschland "der polizeiliche Druck zu groß wurde", analysierte Sicherheitsdirektor Elmar Marent die Lage.

100 bis 120 Personen sind bei der Exekutive als Rechtsextreme registriert. Die laden sich manchmal Gäste ein, 1000 waren es im Vorjahr bei einem Privatkonzert in Hohenems. Bei Privatveranstaltungen könne die Behörde nicht eingreifen, begründete Marent die Duldsamkeit der Exekutive. Mit dem Verbot einer rechten Demonstration habe man aber im Vorjahr "ein Zeichen gesetzt". Die Veranstalter klagten gegen das Verbot, das Verfahren läuft.

Bodensee-Netzwerk "In Hohenems wurde der Friedensnobelpreis für Adolf Hitler gefordert", zeigte Historiker Franz Valandro die Dimensionen des Privaten auf. Die Szene strukturiere sich. Valandro: "Es gibt ein Netzwerk über die gesamte Region." Dabei würden die neuen Medien - Internet und SMS - genutzt.

Der jugendliche Rechtsextremismus sei weniger ein politisches, denn ein "psychosoziales Problem", meinte der Basler Samuel Althof. Mit seiner "Aktion Kinder des Holocaust" spürt Althof rechte Websites auf und bringt Betreiber und Provider "wenn es sein muss" vor den Kadi.

Lieber ist dem früheren Psychiatriepfleger aber die verdeckte Fahndung nach seelischen Defekten. Er versucht die Kids als Undercover-Streetworker vom rechten Weg abzubringen. Althof schlüpft dazu in andere Identitäten, berät und therapiert ungefragt und unerkannt über E-Mail. Althof:"Das sind eben die Methoden des Internet." Die Zahl der solcherart Geläuterten nannte Althof nicht. Althofs Ziel: "Die Jugendlichen sollen von sich aus eine Beratungsstelle aufsuchen". Sicherheitsdirektor Marent zeigte sich von der Methode begeistert. (jub, DER STANDARD Printausgabe 12/13.4.2003)

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