Fast alle Bagdader Kliniken geschlossen

14. April 2003, 16:46
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Erste Hilfslieferungen erreichen den Irak - UNICEF befürchtet wegen verseuchtem Trinkwasser rapide Zunahme von Durchfallerkrankungen

Genf/Bagdad - Kein Wasser, keine Medikamente und nichts zu essen: Ärzte und Helfer stehen der Not vieler Menschen im Irak noch immer weitgehend hilflos gegenüber. Nach Plünderungen seien weiter fast alle Kliniken in Bagdad außer Betrieb, berichtete das Rote Kreuz. Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF befürchtet wegen verseuchten Wassers eine rapide Zunahme der gefährlichen Durchfallerkrankungen. Erste Lebensmittel- und Arzneilieferungen haben inzwischen den Irak erreicht. Die Hilfsorganisationen appellierten eindringlich an die amerikanischen und britischen Truppen, für einen sicheren Zugang der Helfer zu sorgen und gegen Plünderungen einzuschreiten.

Mangelnde Versorgung

Nur einige wenige der mehr als 30 Hospitäler in Bagdad könnten Kranke versorgen, sagte die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Nada Doumani, am Sonntag in Genf. Größtes Problem neben den Diebstählen teils bewaffneter Banden seien die mangelnde Versorgung mit Wasser, Strom und Lebensmitteln sowie der fehlende Schutz für Infrastruktureinrichtungen.

In ersten Gesprächen mit den US-Truppen und den Verantwortlichen des Bagdader Wasserwerks sei jedoch vereinbart worden, ungeachtet gestohlener Ersatzteile mit der Reparatur der Kriegsschäden an den Leitungen zu beginnen und die Einrichtungen von US-Soldaten bewachen zu lassen. Wachposten seien etwa vor dem großen Krankenhaus-Komplex "Medical City" mit seinen insgesamt 1400 Betten aufgezogen. Das IKRK unterstütze dort die Aufrechterhaltung eines Notbetrieb.

Ärzte und Pfleger hätten weiterhin Angst, wegen des allgemeinen Chaos und der Schießereien auf den Straßen zum Dienst zu kommen. Auch der Transport von Patienten sei nicht mehr möglich, da Krankenwagen gestohlen worden seien, hieß es beim IKRK ferner. Ebenso seien alle Wasser-Tankwagen, mit denen das IKRK einige Stadtbezirke Bagdads mit Trinkwasser versorgt hatte, Plünderern in die Hände gefallen.

Die massiven Plünderungen und Verwüstungen in den Hospitälern, die bis dahin noch täglich Hunderte von Kriegsopfern versorgen konnten, hätten am vergangenen Freitag eingesetzt. Arzneimittel seien ebenso weggeschleppt worden wie wertvolles medizinisches Gerät. Darüber hinaus leide die Bevölkerung der irakischen Hauptstadt weiter unter den ständigen Stromausfällen. Seit gut einer Woche gibt es nach IKRK-Informationen keine geregelte Stromversorgung mehr. Der Trinkwasserbedarf werde jedoch dank des Einsatzes von Generatoren zu etwa der Hälfte gedeckt.

Dagegen hat sich die Sicherheits- und Versorgungslage in der südirakischen Stadt Basra nach IKRK-Informationen leicht gebessert. Das Hauptwasserwerk und das wichtigste Elektrizitätswerk seien nach Reparaturen wieder in Betrieb.

UNICEF berichtete, in der südirakischen Hafenstadt Umm Kasr habe sich die Rate der an Durchfall erkrankten Kinder in den vergangenen Tagen verzehnfacht. Ursache sei verseuchtes Trinkwasser. Mediziner befürchten, dass die zunehmenden Durchfallerkrankungen zu einem dramatischen Anstieg der Zahl mangelernährter Kinder führen wird. Rund 90 Tankwagen hätten bereits etwa 30 Millionen Liter Trinkwasser in den Südirak gebracht.

Im Nordirak werden die rund 200 irakischen UNICEF-Helfer nach Angaben der Organisation voraussichtlich an diesem Montag wieder Unterstützung durch internationale Helfer bekommen, die ins Land zurückkehren würden. Fünf Lastwagen mit mehr als 31 Tonnen medizinischem Material hätten jetzt die nordirakische Stadt Dohuk erreicht. Weitere Lastwagen mit Wasserreinigungstabletten und Material für sanitäre Anlagen seien unterwegs. (APA/dpa)

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    Wegen der mangelnden Versorgung mit Strom, sauberem Wasser und Medikamenten musste bereits der Großteil der Krankenhäuser schließen.

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