Voest und Magna in der Gerüchteküche

11. April 2003, 18:10
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Heiße Zukunft für den Linzer Stahlkocher: Frank Stronach soll Interesse am ÖIAG-Juwel haben

Wien - Seit die Regierung ihren Privatisierungsplan für die Staatsholding ÖIAG präsentiert hat, kocht die Gerüchteküche, was Verkaufspläne und Kaufinteressenten für Voest- alpine, Böhler-Uddeholm & Post betrifft, über. Besonders gespannt sind die Drahtseile bei der Voest, steht diese doch im anlaufenden oberösterreichischen Landtagswahlkampf im Zentrum politischer Begehrlichkeiten. Wie Öl ins Feuer der Linzer Hochöfen wirkte freilich die Aussage der ÖIAG-Vorstände Peter Michaelis und Rainer Wieltsch in der Vorwoche, wonach man sich für die 34,7-prozentige Voest-Beteiligung neben Finanzinvestoren und Kapitalmarkt theoretisch auch einen strategischen Partner vorstellen könnte.

Scharfes Gewürz

Seither wirkt der Magna-Konzern des Austro-Kanadiers Frank Stronach, Großinvestor in steirischem Automobilcluster, Wiener Fußball und niederösterreichischer Pferderennbahn, wie ein scharfes Gewürz in der Gerüchteküche. Der Autozulieferer, pikanterweise Voest-Kunde und Konkurrent, habe bei der ÖIAG sein Interesse an den Linzer Stahlkochern deponiert, heißt es in ÖIAG-Kreisen.

"Wir hören davon zum ersten Mal", lässt Magna-Sprecher Andreas Rudas prompt ausrichten. Daher könne man dazu auch nicht Stellung nehmen. "Es gibt, wie man hört Interessenten", sagt hingegen ein Voest-Insider. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass Magna einen Hochofen oder Eisenbahnsysteme kaufe. Das Interesse dürfte sich eher auf den Bereich Motion, also die auf Expansionskurs befindliche Automobilsparte (Bleche, Zuschnitte, Platinen, Anm. d. Red.) beziehen. "Wenn die ÖIAG einer Filetierung zustimmt, dann ist die Voest hin", warnt der Voest-Intimkenner.

Billiger Einkauf

Glaubt man den ÖIAG-Chefs, dann ist dies tatsächlich nicht geplant - aber auch nichts ausgeschlossen. Denn noch vor einer Woche war ein Rückzug über einen strategischen Investor "denkbar". Da die Abhängigkeit vom kapital- und energieintensiven Stahlsektor mittels Milliardeninvestitionen hin zu Motion reduziert werden soll, habe "alles, was auf eine Verkleinerung der Voest hinauslaufen würde, keine Priorität", versicherte Michaelis. Demnach dürften Stahl, Bahnsysteme, Profilform und Motion also nicht getrennt werden. Zudem hatten Magna und Voest mit der gemeinsamen Firma Auteca in den neunziger Jahren bereits eine wenig fruchtbare und mittlerweile beendete Gemeinschaft.

Allerdings: Mit einer Marktkapitalisierung von 909 Mio. Euro (bei einem Umsatz von 4,2 Mrd. Euro) ist die Voestalpine derzeit billig. Nach einem Übernahmeangebot an alle Aktionäre stünde einer Filetierung, mit der quasi in einem Aufwaschen die Zerschlagung der mächtigen Voest-Gewerkschaft einherginge, nichts mehr im Wege. Und die Restl'n wären für die Konkurrenz allemal interessant. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.4.2003)

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