Referent der Dreikönigsaktion: Südphilippinen kurz vor Bürgerkrieg

11. April 2003, 17:32
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Die Situation im Süden der Philippinen esakliert - gehäufte Übergriffe und Vertreibungen

Wien - Bombenanschläge, Vertreibungen, Übergriffe und Militärwillkür - die Situation im Süden der Philippinen eskaliert. Das erklärte der belgische Philippinen-Referent der katholischen Dreikönigsaktion, Piet Rijks, am Freitag im Gespräch mit der APA. "Der Bürgerkrieg ist sehr nah", sagte Rijks, der diese Woche von einem dreiwöchigen Besuch im Süden der Philippinen zurückgekehrt war und die dortige Situation schilderte. Verstärkte Militärpräsenz und laufende Militärkontrollen seien Indizien dafür. Selbst in das Büro der katholischen Hilfsorganisation in der Stadt Davao wurde zwei Mal eingebrochen.

140.000 vertriebene Ureinwohner

Rijks fährt zwei Mal im Jahr auf die Philippinen, um die Projekte der Dreikönigsaktion zu besuchen. Diesmal sei die Situation so prekär gewesen, dass die Organisation 7.200 Euro als Soforthilfe zur Verfügung gestellt habe. Um das Geld seien Lebensmittel und Medikamente für Flüchtlinge gekauft worden. Allein auf der Insel Mindanao gebe es 140.000 intern Vertriebene, es seien ausschließlich Ureinwohner: islamische Moros und nicht-katholische Lumads, erklärt Rijks. Diese Menschen hätten keine Häuser mehr, weil sie entweder bombardiert oder angezündet wurden.

Vielfalt militanter radikaler Gruppen aktiv

Seit Jahrzehnten versuchen verschiedene Gruppen auf den Philippinen, ihre Ziele gewaltsam durchzusetzen, etwa die moslemische "Befreiungsfront der Moros" (MILF), die kommunistische Befreiungsbewegung (NPA) oder die radikal-islamische Abu Sayyaf, die auch Kontakt zum Terrornetzwerk Al Kaida haben soll. Rijks erzählte außerdem von der sogenannten "Pentagon-Gruppe", die von den USA gefördert werde und die hinter den Einbrüchen in das Büro der Organisation stehen soll.

Die Dreikönigsaktion unterhalte 150 Projekte auf Mindanao. Großteils handle es sich um Schulungen im Agrarbereich. Die Menschen würden lernen, Land ohne den Einsatz von Chemie und Dünger zu bewirtschaften. "Wir helfen ihnen damit, aus ihren Schulden zu kommen", sagt Rijks. Außerdem gebe es Rechtshilfeprogramme, in denen die Einwohner über ihre Rechte aufgeklärt würden. "Die Leute wehren sich dann, das haben die Großgrundbesitzer und Militärs nicht so gern."(APA)

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