Teheran: Irakkrieg ist ein Angriff auf den Islam

11. April 2003, 17:13
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Bevölkerung begeistert über Saddams Sturz

Der rasche Fall Bagdads hat das staatliche iranische Fernsehen, das tagelang über den Widerstand der Iraker berichtete, so überrascht, dass es nur von einem Komplott spricht und behauptet, der Einmarsch der Amerikaner in Bagdad sei ein abgekartetes Spiel zwischen den USA und Saddam gewesen. Diese Auffassung wird auch von vielen konservativen Politikern geteilt und in offiziellen Reden wiedergegeben. Irans religiöser Führer Ayatollah Khamenei bezeichnete den amerikanisch-britisch geführten Krieg gegen den Irak beim Freitagsgebet in Teheran als einen "Angriff auf den Islam und die Muslime".

Bei der Bevölkerung löste der Fall von Bagdad hingegen unverhohlene Freude aus. Im Süden Teherans, wo viele Exiliraker leben, kam es zu Freudenausbrüchen. Rund 200 Iraker stürmten am Freitagmorgen die Botschaft ihres Landes und zerstörten die Einrichtung. In Sprechchören riefen sie "Nein zu Saddam!", aber auch "Nein zu einem amerikanischen Marionettenregime! Wir wollen Freiheit!" In Isfahan versuchten jugendliche Autofahrer ihre Freude durch Betätigen der Lichthupen zu zeigen.

Um die Begeisterung in Grenzen zu halten, patrouillieren bereits seit Mittwoch zivile Streifen im Norden Teherans und kontrollieren vor allem jüngere Autofahrer. Saddam war mit Abstand der meistgehasste Ausländer im Iran, wo mehr als 200.000 Exiliraker leben. "Wir werden so bald wie möglich unsere Koffer packen und die Heimreise antreten" meinte Fuad, ein 50-jähriger irakischer Kaufmann in Teheran, der am Mittwochabend vor seinem Haus Süßigkeiten an die Passanten verteilte.

Mohamed Bakir Hakim, Chef der oppositionellen irakischen Schiiten, der seit mehr als 20 Jahren im Iran lebt, meinte in einem Interview des iranischen Fernsehens, dass er so bald wie möglich, wenn die Situation es erlaubt, nach Irak zurückkehren will. (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.4.2003)

Von Amir Loghmany aus Teheran
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    Teheran: Die iranische Polizeit interveniert als eine Protestgruppe, die die irakischen shiitischen Moslems unterstützt, die irakische Botschaft stürmt. Die Demonstranten drangen in das Gebäude ein, zerstörte Einrichtungen und Bilder Saddam Husseins mit den Rufen: "No to Saddam, no to foreign domination."

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