Fünf Jahre Privatradio: Ruf nach stärkerer Zielgruppen- spezialisierung

11. April 2003, 15:33
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Abkehr von Ö3-ähnlichen Formaten, um sich am Werbemarkt besser behaupten zu können - Kritik an Lizenzvergabe

Bei einer vom Forum Mediaplanung am Mittwochabend veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema "Fünf Jahre Privatradio" wurde von Seiten der Werbewirtschaft und der Radiomacher der Ruf nach einer stärkeren Spezialisierung auf einzelne Zielgruppen laut. So erhoffen sich die Privaten eine stärkere Positionierung auf dem Werbemarkt. Kritik wurde an der Politik und den Regulierungsbehörden geübt, die zu wenig nach den Bedürfnissen der Privatradios agieren würden.

Abkehr von Ö3-ähnlichen Formaten

Sowohl Vertreter der Radiostationen als auch der Werbekunden zeigten sich bei der Diskussionsrunde weitgehend darüber einig, dass die Privaten sich stärker abseits vom Ö3-Markt spezialisieren sollten. Als Werbebucher erwarte man sich von privaten Sendern "die größte Auswahl zum kleinsten Preis", sagte Manfred Gansterer von der Media Markt/Saturn-Gruppe. Als "Kundenwunsch" platzierte er die Schaffung von "abgestimmten Zielgruppenkombis", die mehrere Sender mit klarer Ausrichtung umfasse.

"Friendly Competition"

Alfred Grinschgl von der Rundfunk- und Telekomregulierungs GmbH (RTR) riet den Privatradios zu mehr "friendly competition". Es sei nötig, "dass Marktteilnehmer sich zuerst die Hand reichen, und erst dann wenn sie sehen, dass es nicht geht, sich die Schädel eindreschen".

Krone Hitradio-Geschäftsführer Martin Zimper monierte, dass es in Österreich "viel zu viel kleinräumige Lizenzen" gebe. Er kritisierte die Grundlagen zur Lizenzverteilung: "Privatradio wird nicht als Markt, sondern als Hobby gesehen." So habe kürzlich im zweitgrößten Ballungsraum des Landes, in Graz, "ein 65-jähriger Pensionist, der Schellacks auflegen wird", gegen kommerzielle Mitbewerber durchgesetzt. Das Krone Hitradio werde sich jedenfalls neu, abseits vom Ö3-Markt positionieren, so Zimper. Ab 14. April werde der Senderverbund nur mehr "Krone Hit" heißen: "Das Hitradio ist Ö3."

Der Geschäftsführer vom Radio Marketing Service (RMS), Michael Graf, sah den Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit vor allem in der Reichweite der Sender. Zielgruppen seien an sich wichtig, allerdings: "Wenn ich in der Früh meine Hörer namentlich begrüßen kann, hört sich die Wirtschaftlichkeit auf."

"Den echten dualen Rundfunk gibt es noch nicht"

Kritik an der heimischen Medienpolitik kam vom Vorsitzenden des Verbandes der österreichischen Privatsender (VÖP), Oliver Pokorny: "Es gibt den echten dualen Rundfunk in Österreich noch nicht." Sollte der Gesetzgeber die nötigen gesetzlichen Grundlagen schaffen, prognostizierte er einen Aufschluss der Privaten an die ORF-Radios in den nächsten fünf Jahren.

Wolfgang Zinggl von der ORF-Enterprise räumte ebenfalls ein, dass es medienpolitische Versäumnisse gegeben habe. Allerdings: "Man kann die Zahnpasta nicht in die Tube zurückdrücken." Von der Öffnung für die Privaten habe jedenfalls der gesamte Markt profitiert: "Wir haben auf der ORF-Seite seit der Einführung der Privatradios eine höhere Reichweite als vor der Einführung." (APA)

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