"Keine Revolution" im Konzerthaus

11. April 2003, 15:28
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Aboprogramm 2003/04 vorgestellt

Wien - Christoph Lieben-Seutter, Generalsekretär des Wiener Konzerthauses, fand bei der Vorstellung der Abonnements für die kommende Saison offene Wort: "Es ist mehr eine Evolution, keine Revolution." Die 280 angekündigten Konzerte in 38 Zyklen umfassen verschiedenste musikalische Stile, präsentieren viele junge Künstler und haben eine gut verankerte Neue Musik-Schiene. Trotzdem: "Es könnte ausgefallener sein, aber die Luft ist knapp. Wir müssen uns nach der Decke strecken."

Obwohl das Konzerthaus auf einen Eigenwirtschaftlichkeitsfaktor von über 85 Prozent verweisen kann, ist laut Lieben-Seutter jede neue Saison ein Gang auf dünnem Eis. Mit den seit 1997 eingefrorenen Förderungen der öffentlichen Hand könne das Haus Einbrüche der Auslastungszahlen nicht verkraften. Deshalb habe man einzelne Zyklen "konservativer" programmiert als noch im Vorjahr. Beieindruckt ist Lieben-Seutter dagegen vom Zyklus des Klangforum Wien, der mit 500 Stammabonnenten ausverkauft sei. Nicht gespart wird aber an der Qualität der Künstler. Prominente Größen stehen im Programm neben vielversprechenden Nachwuchskünstlern.

Im Einzelnen

Zwei neue Zyklen präsentieren den Pianisten Leif Ove Andsnes und den Tenor Ian Bostridge, bei Artist in Residence des Konzerthauses. Im Zyklus "Nouvelles Aventures" wird u.a. Friedrich Cerhas Requiem mit dem Radio Symphonieorchster Wien (RSO) unter Bertrand de Billy zur Uraufführung kommen (27. 2. 04). Auch György Ligetis Requiem spielt das RSO mit dem Arnold Schoenberg Chor (31. 10.). Der Zyklus, mit dem Lieben-Seutter bisher "an die Grenzen des Machbaren" gehen wollte, bringe diesmal Bewährtes wie Werke von Luciano Berio, Karlheinz Stockhausen und György Kurtag. Dessen Fragmente für Violine spielt die junge Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die laut Lieben-Seutter am Beginn einer Weltkarriere stehe.

Hochklassig programmiert sind die fünf Kammermusik-Zyklen. Auch hier versucht man, neben erfolgreichen Ensembles wie dem Alban Berg Quartett, neue Namen aufzubauen: "Wo sind die nächsten Alban Bergs?" fragt Lieben-Seutter. Eine seiner Antworten ist das Artemis Quartett, im Konzerthaus zu hören am 13. Mai 2004. Talentierte junge Solisten aus Europa werden in dem Austauschprogramm "Rising Stars" präsentiert, die österreichische Nominierung ging an die Pianistin Anika Vavic, zu hören am 10. 12. Christian Thielemann dirigiert am 19. Oktober, genau 90 Jahre nach der Eröffnung des Konzerthauses im Jahr 1913, das originale Eröffnungsprogramm. Es spielen die Wiener Philharmoniker.

Leichte Preiserhöhung

Bewährte Zyklen wie Originalklang, Wiener Symphoniker, Pianisten, Jazz, Volksmusik, Liederabende, Orgel-, Literatur- und Mittagkonzerte werden fortgesetzt. Die Preise der Abonnements werden um 2 bis 3 Prozent erhöht. Lieben-Seutter dankte seinem Jahressponsor Kapsch für die Zusammenarbeit seit 1995 und der Stadt Wien für die problemlose Abwicklung der Förderung. Allein mit dem Bund gäbe es Probleme, schließlich habe man noch immer keine feste Zusagen für die Förderungen des laufenden Jahres. (APA)

Katalog und Karten im Wiener Konzerthaus, Lothringerstraße 20, 1037 Wien. Information unter 01 / 242 002
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