Telefonieren mit Sonnenenergie

24. März 2010, 17:36
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Die ASFINAG setzt mobile Notrufsäulen ein, die ihren Strom aus der Sonne gewinnen -und Lärmschutzwände können auch mehr als nur für Stille sorgen

Die Kombination aus Solarzellen und Straßenverkehr muss nicht unweigerlich in einem Solarmobil oder gar einem Taschenrechner am Armaturenbrett gipfeln. Viel häufiger sehen wir Solarpanele auf Autobahnen, wie ASFINAG-Sprecher Volker Höferl bestätigt: "Derzeit sind rund 100 Notrufsäulen in Betrieb, die ihre Energie aus Solarzellen gewinnen."
Am oberen Ende dieser Notrufsäulen befindet sich ein Photovoltaik-Panel, das Strom erzeugt, der dann in einem Akku gespeichert wird und bei einem Notruf die Säule mit Energie versorgt. Die Notruf-Säulen sind über die GSM-Mobilfunktechnik an das Telefonnetz gebunden und somit überall dort einsetzbar, wo sie schnell, aber nicht dauerhaft aufgestellt werden müssen.

Normalerweise sind die Notrufsäulen an Trassen aus Glasfaserkabel angebunden: "Säulen mit fixer Anbindung haben gegenüber mobilen Säulen eine höhere Zuverlässigkeit. Weil die GSM-Technologie wegfällt, ist die Sprachqualität besser und Ausfälle sind seltener." Trotzdem wird es auch weiterhin mobile und mit Sonnenenergie betriebene Notruf-Säulen geben: "Bei Baustellen, an denen eine Anbindung an die Lichtwellenleiter-Trasse nicht möglich ist, werden wir die mobilen Notruf-Säulen auch weiterhin einsetzen."

Kraftwerk Lärmschutzwand
Bei Gleisdorf betreibt die ASFINAG eine weitere Photovoltaik-Anlage. "Im Zuge der Landesausstellung "Energie" wurde 2001 in Gleisdorf eine Lärmschutzwand mit einer Photovoltaik-Anlage gebaut." Die Mehrkosten für die Solar-Technik lagen damals bei rund 790.000 Euro. Dafür erzeugt das Panel permanent Strom, der ins öffentliche Netz geliefert wird. 2009 waren das fast 50.000 Kilowattstunden, wofür die ASFINAG mehr als 21.000 Euro bekam. Läuft die Anlage weiter so gut, hat sie sich in 37 Jahren amortisiert.

Bis heute war das Autobahn-Solarkraftwerk aber das einzige, das die ASFINAG gebaut hat. "Die ASFINAG versteht sich als Autobahnbetreiber und hat im Bereich Energiegewinnung keine ausreichende Erfahrung. Die Aufrüstung von bestehenden Lärmschutzwänden ist extrem aufwändig und teuer. Nicht überall ist es statisch möglich, Lärmschutzwände aufzurüsten - die Anlagen haben ein höheres Gewicht, dazu kommen die Windlastfälle durch den zusätzlichen Aufbau. Im Winter fallen zudem vermehrt Kosten etwa für die Schneeräumung der Photovoltaik-Panele an. Prinzipiell ist die ASFINAG aber gesprächsbereit, wenn seitens eines Energieversorgungsunternehmens der Wunsch geäußert wird, ein Projekt umzusetzen", verspricht Volker Höferl.

Solarwand in Wien
Eine Lärmschutzwand mit Stromerzeugung ist auch in Wien im Einsatz. Der Theodor-Körner-Hof am Margaretengürtel hat eine solche Glaswand, die primär Lärm abhält und Licht durchlässt, dann aber auch im oberen Teil Strom über eine Photovoltaik-Anlage erzeugt und diesen ins Netz speist - ähnlich wie bei der Lärmschutzwand auf der Autobahn. "Die Lärmschutzwand beim Theodor-Körner-Hof ist in vielfacher Weise ein Pilotprojekt. Im Sommer 1999 wurde von der MA 22 - Umweltschutz der Stadt Wien - das Projekt SYLVIE -‘Systematische Lärmsanierung von innerstädtischen Lärmvierteln‘ gestartet. Dieses Projekt wurde im LIFE-Umwelt-Programm der EU gefördert", erklärt Kurt Wurscher von der Magistratsabteilung 29 für Brückenbau und Grundbau. Ursprünglich wollte man das Projekt gemeinsam mit der Privatwirtschaft umsetzen, fand aber keinen Investor und errichtete die 150 Meter lange und 18 Meter hohe Wand aus Glas und Photovoltaik-Elementen der Wien Energie gemeinsam mit der MA 19. Weitere ähnliche Lärmschutzwände plant die MA 29 derzeit nicht, aber, sagt Kurt Wurscher: "Bei der derzeitigen Instandsetzung der Friedensbrücke kommt es zur Erneuerung der Geländer: Ersatz der bestehenden Geländer durch eine Stahl-Glas-Konstruktion als Windschutz und Photovoltaik-Anlage, die aber in deutlich geringerem Umfang konzipiert ist." Zudem werden in Wien einige Parkschein-Automaten mit Solarpanelen betrieben. (Guido Gluschitsch; derStandard.at, 24.03.2010)

 

  • Die Lärmschutzwand beim Theodor-Körner-Hof erzeugt mittels Photovoltaik-Anlage Strom.
    foto: wien.gv.at

    Die Lärmschutzwand beim Theodor-Körner-Hof erzeugt mittels Photovoltaik-Anlage Strom.

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