Jahrzehntelanger Streit zwischen Indien und Bangladesch - Ozeanograph: "Von der globalen Erwärmung gelöst"
Neu-Delhi - Fans des britischen Star-Autors Terry Pratchett werden sich unwillkürlich an seinen Scheibenweltroman "Jingo" ("Fliegende Fetzen") erinnert fühlen, denn die Szenarien ähneln einander verblüffend: 1970 tauchte in der Bucht von Bengalen nach einem Zyklon eine kleine Felseninsel auf, die anschließend zum politischen Zankapfel wurde. Inzwischen hat die Natur den Konflikt auf ihre Weise gelöst: Die Insel ist wieder in den Fluten versunken.
Nicht einmal auf den Namen des zunächst New Moore Island benannten Inselchens konnten sich die Streitparteien einigen: South Talpatti Island wurde es in Bangladesch genannt, Purbasha in Indien. Diese beiden Staaten lagen jahrzehntelang im Streit um das eher symbolisch bedeutende Fleckchen Land, das im Schnitt etwa 3 mal 3,5 Kilometer groß war. Die Fläche änderte sich mit dem Meeresspiegel allerdings immer wieder - schwankte zwischen 7 und 14 Quadratkilometern, wobei die umgebenden Flachwasserzonen Anlass zu Hoffnungen gab, die Fläche könnte noch auf ein Mehrfaches anwachsen. Besiedelung war wegen der Instabilität der Insel keine möglich, statt dessen breiteten sich auf ihr Mangrovenwälder aus.
Steigender Meeresspiegel
Und nun ist der Streitfall ohnehin zur allgemeinen Unzufriedenheit gelöst: Der steigende Wasserspiegel habe die Insel komplett untergehen lassen,
sagte der Ozeanograph Sugata Hazra, Professor an der
Jadavpur-Universität in Kalkutta, am Mittwoch. Das Verschwinden der
Insel sei durch Satellitenbilder und Seepatrouillen bestätigt worden. "Was diese beiden Länder in jahrelangen Gesprächen nicht erreicht haben, wurde von der globalen Erwärmung gelöst", sagte Hazra.
Was in diesem Fall eine humorige Note hat, ist im allgemeinen jedoch gar nicht komisch: Studien zufolge sei der Meeresspiegel in der Bucht von Bengalen bis 2000 um jährlich etwa drei Millimeter gestiegen, berichtet Hazra - im vergangenen Jahrzehnt aber um jährlich fünf Millimeter. Eine weitere Insel in der Region, Lohachara, ging 1996 unter, und die war bewohnt: Die Menschen mussten damals aufs Festland umsiedeln. Und mindestens zehn weitere Inseln gelten als bedroht. (red/APA)