derStandard.at-Reportage

"Politik ist nicht mein Ding"

Teresa Eder, 25. März 2010 06:57
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    Foto: htlrennweg/lang/konecny

    Speed-Dating einmal anders. Politikerinnen und Politiker stellen sich den Fragen der Jungwähler.

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    Von Schüler für Schüler. Die professionelle Organisation der Veranstaltung kann sich sehen lassen.

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    Die Möglichkeit in Direkt-Kontakt mit Politiker zu treten war für die Schüler eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag.

Haben Jugendliche Politikfrust? Teilweise ja, aber nicht unbedingt aus Desinteresse, zeigt ein "Speed-Dating" mit Politikern

Vier Tische mit je zwei oder drei Sesseln und eine Liste voller Fragen. Mehr braucht es nicht zum Kennenlernen. Die Uhr läuft, nach zehn Minuten ist alles vorbei. "Es geht hier nicht darum, einen Partner zu finden", betont der Spielleiter noch einmal für alle Anwesenden, die noch nicht verstanden haben, warum sie heute hier sind. Speed-Dating mit Politikern aller Parteien - das soll Jungwählern ab 16 Jahren die Möglichkeit geben, ihre Fragen direkt zu stellen und das politische Interesse zu wecken.

Zwei Klassen der HTL Rennweg haben das Schul-Projekt "Jugend wählt" ganz alleine auf die Beine gestellt und Wiener Schulklassen zur Veranstaltung im Novomatic Forum eingeladen. Warum? Das zeigt unter anderem ein selbsterstellter Videoclip mit einer Straßenumfrage unter Jugendlichen: auf die Frage, wer der österreichische Bundespräsident ist, antwortet ein junger Mann nur: "Politik ist nicht mein Ding."

10 Minuten mit Wien-Politikern

Dass das Interesse doch da ist, wenn die Politik näher an die Alltagswelt heranrückt, stellen die Schüler beim Speed-Dating unter Beweis. Die Vertreterin der Sozialistischen Jugend muss einer Gruppe SchülerInnen erklären, warum sie gegen die FPÖ ist, der FPÖ Vertreter hingegen, ab wann Zuwanderer Deutsch lernen sollen, ein KPÖ-Mitglied spricht über die Schere zwischen Arm und Reich. Die Fragen der Jungwähler reichen von allgemeinen Dingen -  etwa welche politischen Ebenen es in Wien gibt - bis hin zu persönlichen Anliegen, die die eigene Schule betreffen.

"Es werden ja immer weniger Arbeitsplätze, wie soll dann für uns noch was übrig bleiben" - "Ich werde sicher nicht ins Ausland gehen, ich bleib in Wien", machen sich zwei Jugendliche Sorgen über ihre berufliche Zukunft. Die Themen "Arbeitsmarkt" und "Schule" brennen naturgemäß am meisten unter den Nägeln. Klaus Werner-Lobo, neuer Kandidat der Wiener Grünen, erklärt hingegen einer Gruppe Jugendlicher, wie Lobbies in der EU die Gesetzgebung mitbestimmen würden. "Ich spreche darüber, weil ich davon am meisten Ahnung habe", sagt Lobo und verweist auf sein Buch "Schwarzbuch Markenfirmen". Einer der anwesenden Schüler hat es gelesen. Ob es ihm gefallen habe, will Lobo wissen - Ja, geht so, sagt der Schüler.

Ausländer-Wahlkampf: "Mich ärgert das"

Während sich im Obergeschoss die junge Politiker-Garde den Fragen aussetzen muss, versuchen im Erdgeschoss die erprobten Wiener Parteimitglieder Christine Marek (ÖVP), Peko Baxant (SPÖ), Johann Gudenus (FPÖ), David Ellensohn (Grüne), Michael Tscharnutter (BZÖ), sich bei einer Podiumsdiskussion möglichst gut zu schlagen. Nach einer zahmen Vorstellungsrunde der Parteien geht es um Politische Bildung in der Schule und Integration.

"Warum ist Integration ein so großes Thema in den Wahlkämpfen? Mich ärgert das!", sagt ein junger Zuwanderer, mit dem Hinweis, dass er von manchen auch Tschusch genannt werde. Integration sei ein Prozess, geben ÖVP-, BZÖ-, SPÖ- und Grünen-Vertreter zu bedenken. "Sind Sie auch dieser Meinung, Herr Gudenus?", fragt der junge Mann nach. Die ORF-Affäre rund um Skinheads, die bei einer Wahlveranstaltung der FPÖ anwesend waren, spricht Gudenus noch einmal an und verspricht, dass die Staatsanwaltschaft dem nachgehen werde. Ein Schüler will den Ausführungen nicht ganz glauben schenken und fragt: "Braucht die FPÖ denn solche Statisten um sich ganz rechts behaupten zu können?"

"Unzufriedenstellender" Kommunikationsstil

Der aktuelle Präsidentschaftswahlkampf findet am Ende auch Einzug in die Diskussion. "Warum sollte ich Frau Rosenkranz wählen, wenn sie Wiederbetätigung befürwortet, dann im nächsten Moment ihre Meinung in der Öffentlichkeit ändert?", will ein junger Mann aus dem Publikum wissen. Wer am Podium zu lange spricht, wird nachdrücklich darauf hingewiesen "endlich zum Punkt" zu kommen. Die Schüler haben kein Erbarmen. Davor gab es einen Hinweis der jungen Moderatoren: "Bitte immer so sprechen, dass wir Sie auch verstehen."

Bernhard Brenner, Gesamtkoordinator des Projektes "Jugend Wählt", ist nach der Diskussion enttäuscht über den Kommunikationsstil der Politiker: "Das war sicherlich unzufriedenstellend." Dennoch, die Möglichkeit Politiker hautnah, während der Schulunterrichtszeit, zu erleben, stößt beim Publikum auf große Begeisterung. "Es war absolut nicht langweilig", sagt Claudia aus der Modeschule Hetzendorf. BZÖ-Obmann Tscharnutter hat sie und ihre Freundinnen am wenigsten überzeugt: "Bei dem war es am anstrengendsten zuzuhören", pflichtet Alexandra bei. Linda und Hawnaz aus dem Gymnasium Hegelgasse sehen politischen Handlungsbedarf vor allem an den Schulen: Viele Lehrer würden gebürtige Österreicher im Unterricht bevorzugen würden, meinen sie.

Novomatic verdient mit Jugendlichen

Die freundliche Zusammenkunft der Jungwähler und Politiker lässt den Eindruck entstehen, dass es dann doch nicht so schlimm ist mit der Politikverdrossenheit. Die Kritikfähigkeit der Jugendlichen sollte jedenfalls nicht pauschal unterschätzt werden. Einem Schüler etwa stößt der Ort der Veranstaltung sauer auf: "Novomatic verdient einen Haufen Geld mit Spielsüchtigen. Um sich dann wieder ins rechte Licht zu rücken, gibt es dann solche Verantstaltungen im Novomatic Forum. Wir - aus den Gymnasien - haben das Privileg, hier sein zu können. Aber zeitgleich sitzt gerade ein 16-Jähriger am Automaten und verspielt seine ganze Zukunft." (Teresa Eder/derStandard.at, 24.03.2010)

Kommentar posten
25 Postings
Flowchi
31.03.2010 08:46
das hätte ich mir nicht gedacht...

...der Standard schreibt ja noch manipulativer seine Texte als die Krone!

unglaublich,...nix Neues...nur Quatsch der Dir den Kopf zumüllt:

Ein Schüler will den Ausführungen nicht ganz glauben schenken und fragt: "Braucht die FPÖ denn solche Statisten um sich ganz rechts behaupten zu können?"

....hahhahahhah*, ein Schüler fragt das? Muhahhahahhah* ja klar,.....was denn sonst!

Sorry, aber lasst Uns ein bischen über das phaenomen der Verschränkung plaudern...

...tz*

Nope
01.04.2010 09:20

der hat das tatsächlich gefragt... den Live-Stream zum Nachschauen gibts hier: www.jugendwaehlt.at

Flowchi
31.03.2010 08:42
die Jugend...

...schaut Dich an, bewertet ob Du für Sie wichtig bist und ist dann nach der Relevanzerhebung eben ehrlich oder nicht zu einem.

Die Jugend ist nicht politikverdrossen, die Politik ist Realitätsverdrossen...

Ihr Politiker wollt teilnehmen an militärischen Aktionen weltweit?

Die Jugend will Euch stürzen...so sieht das aus...niemand will für Euch arbeiten geschweigedenn seine Stimme einem von Euch armen Irren geben! Die Jugend braucht eine Perspektive und keine armen, fehlgeleiteten Trauerfiguren die nur reden damit Sie nicht still sind!

Ihr wisst warum die Jugend so ist wie Sie ist,...denn Ihr habt Sie so gemacht...die interessieren sich nicht die Bohne für den ganzen Mummpits hier!

greets

Uo. Steinschleifer
13.04.2010 18:49

Sie sind eine fehlgeleitete trauerfigur die pseudo intelligent philosophiert...

wwelv folig
30.03.2010 21:30
tja,

die jungen wissen das sich eh nichts ändert, egal welchen schlachter man wählt, geschlachtet wird man schlussendlich sowieso...

pawel lewap
29.03.2010 14:37
ich wuerde...

unsere parteifuehrer (jeglicher coleur) allesamt zu einer alle drei monate stattfindenen publikumsrunde im staatl. fernsehen, zwingend einladen, sich den unbequemen fragen der waehler (= die gagenzahler unserer politiker) zu stellen und diese auch verstaendlich zu beantworten. sollten sie das dann entweder nicht verstaendlich vermitteln, oder unzureichende faehigkeiten des jeweiligen politikers werden festgestellt - SOFORT ab zum arbeitsamt mit ihnen!! das koennte wieder so manches interesse an politik ausloesen ;)

mightyjust
28.03.2010 11:19
Novomatic Forum..

Ja super, und das nächste politische Treffen gibts dann auf der Marlboro Ranch? Eigentlich unglaublich...

gärtner
25.03.2010 15:55

das politikgeschäft hat sich noch nie geändert
und die jugend ist auch immer dieselbe.

für mich keine news

Derstandarddurchschnittsposter
25.03.2010 13:29

Die Kritik an Novomatik kann ich nur voll unterschreiben. Das war auch mein erster Gedanke als ich den Artikel angefangen hab zu lesen.

Laughing Magician
25.03.2010 12:34
was mich verdrossen macht...

... ist diese politik, die zum selbstzweck verkommen ist. von der grundidee, daß die politiker dem staat, und damit dem bürger dienen, ist kaum mehr was zu merken. stattdessen feinden sich die herren und frauen politiker wegen allem möglichen und unmöglichen an, verpulvern geld bei selbsbeweihräucherungen, etc. vom belügen des bürgers, und den kleineren und grösseren korruptionen will ich gar nicht reden.

nein, ich bin nicht an der politik des-interessiert - aber dieser sumpf ermüdet mich einfach...

Roter Baron
26.03.2010 09:15

kaum mehr ?
wohl eher gar nicht !

Johnny Brainstorm
 
25.03.2010 16:41

Das ist aber eine logische Folge davon, dass man eine parlamentarische Zentralregierung einführt - Menschen herrschen über Menschen - und Macht korrumpiert IMMER!

jenna jameson
25.03.2010 19:25

abuse of power comes as no surprise...

Johnny Brainstorm
 
27.03.2010 14:02

eben

madman
25.03.2010 13:05
korrekt

politik dient nur mehr der statuerhaltung für die politiker und ihrem verwaltungsapparat.
da wird rahm abgeschöpft, was geht.
und ich und viele andere sind leider die, die für den rahm sorgen müssen

madman
25.03.2010 07:54
man darf die jugend nicht unterschätzen

die sind noch nicht so abgestumpft und haben noch nicht resigniert.
und politik-verdrossenheit ist angesichts der umstände (lügende minister, vorbestrafte parlamentarier, glaubwürdigkeit per eidesstattlicher erklärung u.s.w.) ja eigentlich auch ned verwunderlich.
das schlägt sogar erwachsenen auf den magen.

Johnny Brainstorm
 
25.03.2010 09:24

Nennen wir's "Demokratieverdrossenheit"

Dormouse
25.03.2010 14:00

nennen wirs "demokratie"verdrossenheit ;)

madman
25.03.2010 11:57
das würd ich garnicht sagen

es ist eher so, dass es keinerlei moralische maßstäbe mehr gibt:
die politischen seilschaften, die schamlos steuergelder unter sich verteilen...
die für die judikative unberührbaren aktiven und ehemaligen politiker...
die offensichtliche inkompetenz politischer entscheidungen...
die verlogenheit der politiker...
die assozialität und antisozialität der politiker...
ich muß mich bremsen, die liste ließe sich beliebig mit negativen beispielen auffüllen.
das alles macht die verdrossenheit aus!!

Johnny Brainstorm
 
25.03.2010 12:28

Klar, nur sind das im Endeffekt alles einfach Teile einer demokratischen Regierung, die nun einmal machen kann, was sie will.

Diese Dinge werden sich nicht ändern, nur weil wir wen anderen wählen, die ändern sich nur, wenn wir die Demokratie abschaffen und durch ein herrschaftsfreies System ersetzen... Und DAS müssen die Leute aber erst Mal wollen, bzw. muss ihnen klar werden, DASS und WIE das funktioniert...

madman
25.03.2010 13:02
dein standpunkt ist sehr radikal

es würde schon reichen wenn "der richtige" kommt. den muß man dann wählen.
klingt nach frosch-küssen....
ob das, was nach der demokratie kommt, dann wirklich besser ist?

Siegl Christian
26.03.2010 10:24
klingt nach frosch-küssen...

in unserer Welt wird aus jetziger Erfahrung besstenfalls ein Stinktier draus.

Johnny Brainstorm
 
25.03.2010 13:12

Die radikalität streite ich auch garnicht ab (bitte aber, eine radikale Ideologie hier nicht mit destruktivem Extremismus zu verwechseln)

Das Problem ist, es gibt nicht "den Richtigen", wir müssen uns eben von der Vorstellung verabschieden, dass dass jemand, der durch Mehrheitsbeschlüsse legitimiert ist und dann 4 Jahre lang ohne äußeren Einfluß herrschen kann, wirklich das tut, das für alle am Besten ist - Das werden nur eben die, die Betroffen sind, jeweils selbst in die Hand nehmen können und am Besten lösen.

Wahlen ändern vielleicht was an den persönlichen Ansichten des Herrschenden selbst, aber niemal etwas am demokratischen System - Dieses ist als autoritäres System aber immer gewalttätig und unterdrückerisch...

madman
25.03.2010 13:29
eine demokratur sozusagen

Johnny Brainstorm
 
25.03.2010 16:36

Der Parlamentarismus ist eben das Problem daran, das hat mit "direkter Demokratie" eben ncihts mehr zu tun, weil nicht das Volk, sondern die Parteien, die per Mehrheitsentscheid gewählt werden, eben für die Amtsperiode kaum eingeschränkt regieren können...

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