Gefechte auf See

Wasser als Munition gegen Piraten

24. März 2010, 16:53
  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/ingo wagner

    Gefahr auf Hoher See: 406 Piratenangriffe wurden im Jahr 2009 gezählt. Reedereien haben mittlerweile Abwehrmaßnahmen wie Schallkanonen, Elektrozäune oder Wasserwerfer entwickelt.

  • Artikelbild
    foto: ingenieurbüro platter

    Wasserkanonen zur Abwehr von Piratenangriffen: Jede Kanone könne mit bis zu 5.000 Litern Wasser pro Minute auf die Piraten zielen, so die Hersteller. So könne man ein angreifendes Schiff innerhalb nur weniger Sekunden fluten.

  • Artikelbild
    foto: ingenieurbüro platter

    Der Sicherheitsbereich wird von Infrarotkameras auf Piratenangriffe überwacht, im Wirkungsbereich werden Angriffe durch Wasserkanonen abgewehrt.

  • Artikelbild
    foto: ingenieurbüro platter

    In Bremerhaven wurden bereits erste Tests in Zusammenarbeit mit einer Reederei durchgeführt.

  • Artikelbild
    foto: ingenieurbüro platter

    Bei 10 Bar Druck beträgt die Reichweite der Wasserstrahlen rund 90 Meter.

Reedereien setzen schon länger Wasserwerfer gegen Piratenangriffe ein - ein deutsches Ingenieurbüro hat jetzt ein neues, modifiziertes System entwickelt

Handelsschiffe werden immer häufiger Opfer von Piratenüberfällen: Allein im Jahr 2009 zählte die Internationale Seefahrtsbehörde (IMB) 406 Angriffe - der höchste Stand seit sechs Jahren. Seeräuber brachten weltweit 49 Schiffe und 1.052 Besatzungsmitglieder in ihre Gewalt, 120 Schiffe wurden beschossen. Die Anti-Piraten-Mission der EU und die Präsenz amerikanischer Kriegsschiffe vor der mitunter am meisten betroffenen Küste Somalias helfen, das Risiko zu verringern. Damit Reedereien ihre Besatzungen und Schiffsladungen aber selbst schützen können, gibt es mittlerweile direkt an den Schiffen angebrachte Abwehrsysteme wie Schallkanonen, Elektrozäune oder Wasserwerfer.

360-Grad-Infrarotkameras

Auch das deutsche Ingenieurbüro Platter will im Kampf gegen die Piraterie mitmischen: Das Unternehmen hat eine Wasserkanone mit dem bezeichnenden Namen "Automatic Pirate Defense System" entwickelt: Am Schiff werden schwenk- und neigbare Infrarotkameras montiert, die einen 360-Grad-Sicherheitsbereich im näheren Umkreis überwachen. Sobald Piraten in diese Zone eindringen, wird Alarm ausgelöst. Die zentrale Steuereinheit im Schiffsinneren bestimmt in Echtzeit die genaue Position der Angreifer und übermittelt diese an die Wasserkanonen.

Angreifende Boote fluten

Diese bestehen aus Edelstahl und sind an der Bordwand angebracht, jede Kanone kann mit bis zu 5.000 Litern Wasser pro Minute auf die Piraten zielen. So sei es möglich, ein angreifendes Schiff innerhalb nur weniger Sekunden zu fluten, heißt es beim Hersteller. Bei 10 Bar Druck beträgt die Reichweite der Wasserstrahlen rund 90 Meter. Das System wird explizit als "nicht tödliche" Abwehrmaßnahme bezeichnet. Was aber, wenn das Boot der Piraten erst einmal geflutet ist? Erstens werde bei einem Angriff ohnehin auch die Marine informiert, die sich in weiterer Folge der potenziellen Eindringlinge annehme. Zweitens bestünden Piratenboote meist aus Holz oder Glasfaserverstärktem Kunststoff, würden daher nicht untergehen und könnten als "Rettungsinsel" dienen.

Gefahr automatisch erkennen

Durch die automatische Detektion potenzieller Angreifer soll sich das System von der Konkurrenz abheben. "Mittels unserer Wärmebildkameras können Angreifer bei Tag, Nacht und sogar bei Nebel erkannt werden", erklärt Alexander Platter gegenüber derStandard.at. Andere, bereits bestehende Systeme würden dafür Wachposten benötigen. Allein die automatische Erkennung der Gefahr sei für die Besatzung von Vorteil. "Die Schiffe können als primäre Abwehrmaßnahme ihre Fahrt beschleunigen, um den Piraten das Entern erheblich zu erschweren."

Elektrisch verstellbare Wasserwerfer

Wenn die Piraten nicht lockerlassen, kommt der elektrisch verstellbare Wasserwerfer zum Einsatz. Auch hier will man der Konkurrenz voraus sein: "Bisher wurden bereits einige Entführungen mit einfachen Feuerwehrschläuchen vereitelt", sagt Platter, "durch unser System muss sich kein Besatzungsmitglied mehr als Zielscheibe an die Reling stellen." Eigentlich ist das Ingenieurbüro auf automatische Produktionsüberwachung und Systeme zur Brandbekämpfung spezialisiert. Als im April 2009 das deutsche Containerschiff "Hansa Stavanger" entführt wurde und damit für großes Aufsehen sorgte, machte man sich Gedanken über den Entwurf einer "simplen Möglichkeit, Piraten am Entern von Schiffen zu hindern". Letztendlich entwickelte man das bestehende Brandbekämpfungs-System so um, dass es nun nicht mehr gegen Brände, sondern gegen Piraten angeht.

Abschreckende Wirkung erhofft

Derzeit befindet sich das Abwehrsystem im Endstation der Entwicklung, in Zusammenarbeit mit einer Hamburger Reederei wurden in Bremerhaven erste Versuche durchgeführt. Nach abschließenden Tests im Mai werde man die Wasserkanonen an Reedereien auf der ganzen Welt ausliefern können - Interesse bestünde jedenfalls.

Experten beanstanden der Deutschen Schifffahrts-Zeitung "Schifffahrt International" zufolge, dass sich Piraten nur bedingt von solchen Systemen abhalten lassen oder sich gar provoziert fühlen und Abwehrsysteme angreifen könnten. Platter glaubt aber, dass sie vielmehr eine abschreckende Wirkung haben. Einen gezielten Abschuss durch Piraten kann er sich nicht vorstellen, da die Systeme ja erstens als solche erkannt werden müssten und es zweitens schwierig sei, von einem wackeligen Schiff aus bei großer Entfernung auf "relativ kleine Ziele" zu schießen. (mak, derStandard.at)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
1 2 3 4
Werner Lischka
00
12.10.2010, 22:06
handelsschiffe waren schon ...

... im 17. jhdt. bewaffnet - allerdings zogen es die meisten mannschaften von allein segelnden fahrzeugen vor, einen pro-forma-schuss abzugeben und danach die flagge zu streichen.
die piraten waren mehr am schiff/ladung interessiert und liesen die mannschaften meist ziehen (ausgenommen berber - die verschacherten die mannschaften als sklaven).
das gleiche problem hat die heutige handelsmarine - die seeleute sind keine marinesoldaten & haben nicht die nötige ausbildung.
abhilfe könnten lockvögel schaffen (wie im 1. & 2. wk gegen u-boote/hilfskreuzer). ausgerüstet mit getarnten waffen kann man die anzahl der piraten verringern (nix an bord nehmen - nur versenken).
f.d. rest - konvois & patroullien (zerstörer reichen).

Der Ätzer
00
12.10.2010, 14:12
Wären die Methoden der Polizei wie beim Bahnhofneubau in Deutschland nicht am Zielführendsten?

Ins Wasser gemischtes Reizgas und Eisennägel ?

Sepp Seppi
00
11.6.2010, 13:39
Geleitschutz

Schiffsverbände mit Geleitschutz, hat sich ja auch im Krieg bewährt. Diese Methode wurde damals gegen die deutschen U-Boote entwickelt.

JWH
00
29.3.2010, 17:26

Wenn man hier von Bewaffnung etc. liest. Der Gedanke wurde deshalb niedergelegt, weil man dafür bestimmte Genehmigungen der Häfen und deren Staaten bräuchte. Für Wasser braucht man keinen Waffenschein.

Der Tourist
00
28.3.2010, 14:58
"nicht tödliche" Abwehrmaßnahme

Einen Angriff mit einer Handgranate überleben über 50% der Opfer - wenn auch schwer verletzt. Daher wird auch sie zu den nicht tödlichen Waffen gezählt.

Im offenen Meer wäre der Ausdruck "weniger tödliche" Waffe angemessener. Z.B. könnte das Piratenboot kentern und vom Sog der Schiffsschraube angesaugt werden...

Jim Kirk
00

Nennt man das dann Berufsrisiko?

FabulousX
11
31.3.2010, 23:23
die armen Piraten ;)

dlrow wen evarb
00
25.3.2010, 18:25
Naja,

für einen Überraschungsangriff mögen die Wasserkanonen ja gut sein.

advocatus diaboli:

Als Pirat würde ich ein kleines Boot vorschicken und auf einem zweiten Boot, inkl RPG 7, in ca 200m Entfernung warten und zur Warnung mal knapp über das Schiff schießen ]:)

Die meisten Reedereien würden wohl gerne 1 Million Seelagerer Zoll zahlen, um Schiff und Ladung nicht zu verlieren, speziell bei Öltankern.

Ich würde die Wasserkanonen jeweils gegen eine Browning M2 austauschen, automatisch gesteuert, Reichweite bis zu 6000m.

take it easy
00
dann würde...

...ein Regenschirm als high-tech-maßnahme der piraten gegen die spritzpistolen auch nicht mehr viel nützen! ich bin für die super-basooka mit einzeln verstellbarem doppellauf und flugregulierung, damit man um die ecke spritzen kann :)

t-bonesteak
01
25.3.2010, 17:35
warum keine kanonen?

die piraten sind auch nicht zimperlich

Werner Lischka
00
25.3.2010, 19:28
geschütze brauchen ...

... ausgebildete mannschaften, entsprechende modifikationen am schiff und haben auch nur einen bestimmten neigungswinkel - enteraktionen wehrt man am besten mit dem mg ab (und da gilt siehe oben).

Der Ätzer
00
12.10.2010, 14:14
Schmierseife ins Spritzwasser macht auch lustig!

OidaVoda
00
25.3.2010, 16:38
bin ja kein schifffahrtexperte

aber würde es nicht sinn machen, die routen ein wenig weiter aufs offene meer hinaus zu verlegen? die wenigsten der piratenschiffchen werden sich allzuweit von der küste entfernen können.
dann könnte man sich die ganzen verteidigungsmaßnahmen sparen.

Lethawae
00
25.3.2010, 17:16

Die wagen sich verdammt weit heraus aufs Meer.
Schau dir mal einen kleinen Fischer an - das sind winzige Kähne, trotzdem gondeln die bis nach Grönland.
(Nicht von Somalia aus wohlgemerkt)

Robert Meint
00
25.3.2010, 17:06
Das klappt leider nicht,

siehe z.B. die Karte in http://derstandard.at/122710268... en-wollten

OidaVoda
00
26.3.2010, 10:47

hätte nicht damit gerechnet, dass die so weit entfernt vom festland operieren können.
dann bleiben wohl wirklich nur kanonen, welcher art auch immer.

Feindschicht
44
25.3.2010, 14:35
an alle piratenverteidiger

ja , natürlich der westen ist an allem schuld ! die piraten sind die guten und die bösen sind die schiffe die total brutal mit ihren handelschiffen das meer kreuzen ! und die piraten sind nur kriminell geworden weil sie nichts mehr zum fischen haben , denn jeder weiß dass sich mit fischen viel mehr geld verdienen lässt als mit erpressung ! bitte wo ist die caritas, die sollte ein spendenkonto für arme piraten einrichtet ?

ad vocem
45
25.3.2010, 16:11
Mit einem Aug' ...

... schaut es sich gleich viel besser, gell?!

Da hat man nicht soviele lästige Dimensionen!

Michael Bakunin
35
25.3.2010, 14:53

deine weltsicht ist ziemlich einfach, gell?

Martin Schmidt
52
25.3.2010, 16:29

das wäre ihre auch wenn sie an bord wären und evt. in den lauf eines maschinengewähres gucken, gell? "überleben"

mitterechts
12
25.3.2010, 14:31
...Was aber, wenn das Boot der Piraten erst einmal geflutet ist?...

Ganz einfach.
is der Frachter ein deutscher, wird sich sicher ein anwalt dort für entschädigungszahlungen/dienstentgangsfordungen/Schmerzensgeld usw. finden.

chaossepp
18
25.3.2010, 14:05
Die Sorge um gekenterte Piraten...

...geht wohl dann doch ein bisschen zu weit! Von der romatischen Vorstellung der Piraterie sollte man sich schnell verabschieden! Und zur Überfischung - JA das WAR sicher ein Grund!
Mittlerweile sind Somalias Piraten aber perfekt organisierte mafiöse Banden, von Warlords finanziert, die sich auf Grund des geringen Risikos ihrer Aktionen ordentlich ins Fäustchen lachen!
Auf See wurde nicht ohne Grund jeher sehr hart durchgegriffen - man ist der Gewalt dritter komplett ausgeliefert! Die Polizei braucht hier nicht Minuten um zur Hilfe zu eilen, sondern TAGE!
Piraterie ist auf Grund wenig abschreckender Abwehrstrategien wieder voll in Mode! Auch Venezuela kämft neuerdings mit Piraten, und die wird man mit Nassspritzen wenig beeindrucken!

mitterechts
00
26.3.2010, 00:51
... Die Polizei braucht hier nicht Minuten um zur Hilfe zu eilen, sondern TAGE!..

Polizei kommt keine .-))
ds is immer ein fall für den Küstenschutz oder gleich militär

Der Unkurze
09
25.3.2010, 12:27

könnte man nicht einfach auf jedem schiff eine aufblasbare chuck norris atrappe anbringen?

ist doch deutlich abschreckender als wasserwerfer ;)

Sol´kanar -The Swamp King
01
25.3.2010, 15:41
eine einzige chuck norris attrappe auf einem schiff irgendwo am meer,

würde ausreichen, dass überhaupt jemals ein priatenschiff ausläuft!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 127
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.