"Kunden leisten sich auch in Krise kleinen Luxus"

23. März 2010, 17:52
35 Postings

Für Bernhard Ölz ist Ostern purer Stress - Wie viele Zöpfe er wie schnell flicht und warum er kein Werk im Osten will

STANDARD: Wie viel Sekunden brauchen Sie für einen Striezel?

Ölz: Nicht länger als fünf. Ich habe mein erstes Auto damit verdient, das waren etwa 450.000 Zöpfe in neun Monaten. Alle Zöpfe werden bei uns von Hand geflochten. Drei Leute tun nichts anderes. An Spitzentagen produzieren wir 75.000.

STANDARD: Wie lange hält man das am Stück durch?

Ölz: Etwa zweieinhalb Stunden, das geht gut. Im übrigen ist das reine Übungssache, die Bewegungen gehen in Fleisch und Blut über.

STANDARD: Wann beginnt für Sie eigentlich Ostern?

Ölz: Vier bis sechs Wochen vorher. Da bestücken wir den Handel mit Osterprodukten. Wir sind ein Frischeproduzent, wie backen und verkaufen bis zum Karsamstag.

STANDARD: Frisch heißt ...

Ölz: ... zehn bis 14 Tage. Das geht ohne Konservierungsstoffe.

STANDARD: Schieben Sie in Dornbirn zu Ostern zusätzliche Schichten und Wochenendarbeit ein?

Ölz: Wir arbeiten sowieso 24 Stunden am Tag, das ganze Jahr hindurch. Spitzen decken wir mit Zusatzschichten, Überstunden und Saisonkräften ab. Wir können so flexibel arbeiten wie wir wollen.

STANDARD: Spüren Sie die Krise?

Ölz: Sie hat uns ungeschoren gelassen, unser Geschäft läuft stabil. Kunden leisten sich auch in der Krise den kleinen Luxus in der Ernährung.

STANDARD: Sie liefern auf Kommission. Was ist mit der Retourware?

Ölz: Sie geht zu regionalen Bauern in die Tierfütterung. Aber sie ist für uns nicht das große Thema, wie es etwa bei Brot der Fall ist.

STANDARD: Mitunter hat man aber doch den Eindruck, dass fast gleich viel Gebäck weggeschmissen wird als gegessen. Schmerzt Sie das?

Ölz: Die Regale im Supermarkt bestücken unsere eigenen Mitarbeiter. Sie sind mehrmals in der Woche in den Geschäften und können somit sehr flexibel auf Verkaufsschwankungen reagieren.

STANDARD: Was spricht gegen eigene Ölz-Filialen?

Ölz: Die Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelhandel funktioniert gut. Er ist der richtige Partner, wir konkurrieren uns nicht. Lieferanten klagen über massives Preisdumping. Der Anteil an Handelsmarken steigt. Der Preisdruck ist bei Kuchen und Feinbackwaren nicht so ausgeprägt. Es gibt hier treue Kunden. Unser Focus liegt klar auf der Marke, das bewährt sich. Der Anteil an Handelsmarken liegt bei uns nur bei zehn bis 15 Prozent.

STANDARD: Warum beliefern Sie keine Diskonter? Lassen Rewe und Spar das nicht zu?

Ölz: Es gibt keine Restriktionen. Wir benötigen aber unsere Kapazitäten für die Markenprodukte.

STANDARD: Wann gibt es das erste Ölz-Werk in Osteuropa?

Ölz: Das wird es nicht geben. Wir haben viel Know-how und Geld in die Ausbildung unserer Mitarbeiter in Österreich gesteckt, die Regionalität der Rohstoffe ist wichtig, und wir haben hohe Hygieneanforderungen. In dem Geschäft ist es nicht damit getan, einen Ofen in ein Gebäude zu stellen.

STANDARD: Die Regierung schnürt gerade ein Paket, in dem unter anderem eine CO2-Abgabe und eine höhere Mineralölsteuer steckt. Wie stark wird Sie das belasten?

Ölz: CO2 ist ein Riesenthema. Wir nehmen bei allem, was wir tun, darauf Rücksicht. Wir sind dabei, für jedes Produkt den CO2-Anteil zu berechnen. Wichtig sind auch die Öfen: Wir kaufen nur noch Maschinen mit der Energieklasse A+ und beheizen sie mit Gas statt mit Öl. Wir haben 187 Frische-Lkw, und wir bemühen uns um kurze Transportwege, nicht zuletzt auch durch regionalen Einkauf.

STANDARD: Ein Börsengang würde Sie nicht reizen?

Ölz: Wir sind ein Familienunternehmen in dritter Generation, und wir wollen eines bleiben. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.3.2010)

Zur Person

Bernhard Ölz (40) ist geschäftsführender Gesellschafter der Rudolf Ölz Meisterbäcker GmbH in Dornbirn. Das Unternehmen setzte zuletzt mit gut 800 Mitarbeitern 173,5 Millionen Euro um.

  • Artikelbild
    foto: corn
Share if you care.