Ein Zentimeter um einen Euro

23. März 2010, 12:58
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In der Ausstellung "Alltag rein“ bekommen Menschen die Möglichkeit den Alltag aus ihrer Perspektive zu zeigen - abseits von den Katastrophenmeldungen der täglichen Berichterstattung

Während in den Medien andere Länder nur dann von Interesse seien, "wenn sich dort gerade irgendeine Katastrophe" abspiele, setze ipsum das Hauptaugenmerk "ganz bewusst" auf den Alltag, sagt Johanna Kellermann vom Verein ipsum. Wichtig ist dabei die Idee, Menschen aus den jeweiligen Ländern selbst zu Wort kommen zu lassen. Man wolle "ihnen die Möglichkeit geben, ihre Geschichten, ihren Alltag aus ihrer Perspektive zu erzählen" und "sich durch selbstgemachte Bilder auszudrücken", so Kellermann weiter. Schließlich müsse man nicht „unbedingt irgendwo hinfliegen" und dann über jemanden berichten, wenn "diese Personen auch selbst sehr gut über sich berichten und das dann nach außen tragen" können.

Workshops

Eine Möglichkeit, über Alltag nachzudenken und diesen fotografisch festzuhalten, bekommen TeilnehmerInnen der von ipsum zum Thema der Alltagsfotografie durchgeführten Workshops. Diese wurden bisher u. a. in Angola, Pakistan, Afghanistan, in Palästina sowie in Israel angeboten. Im Mittelpunkt dieser vier bis acht Wochen dauernden Treffen stehe "weder die Technik, noch das Bestreben, den TeilnehmerInnen eine professionelle Ausbildung" angedeihen zu lassen. Vielmehr sei das "bewusste Erleben des eigenen Alltags" von zentraler Bedeutung. Mindestens "genauso wichtig" sei aber auch das Sprechen über die gemachten Fotos in den jeweiligen Workshopgruppen, sagt Kellermann. Man wolle schließlich den "Selbstausdruck und Austausch über kulturelle, politische, sprachliche, religiöse und geografische Grenzen hinweg" fördern, so Kellermann.

Selbstverwaltung

Zentral sei weiters "die Idee Selbstverwaltung". Wenn WorkshopteilnehmerInnen sich am Ende des Workshops dazu entschließen würden, kein einziges Bild zu veröffentlichen, wäre "das auch ok". Denjenigen, die ihre Fotografien einem größeren Publikum zugänglich machen möchten, bietet ipsum Hilfe an. In Ramallah habe es beispielsweise eine mit WorkshopteilnehmerInnen gemeinsam organisierte „Präsentation auf einer Verkehrsinsel im Stadtzentrum" gegeben, erzählt Kellermann. Ausstellungen müssten schließlich nicht immer „klassisch" sein.

Basar

Die aktuelle Ausstellung des Vereins trägt den Titel "Alltag rein" und unterteilt sich in zwei Ebenen. Während im Untergeschoß der Ausstellungsräumlichkeiten Fotografien von bisherigen WorkshopteilnehmerInnen gezeigt werden, fungiert das Obergeschoß als Basar. Hier werden Reproduktionen der ausgestellten Fotografien verkauft, wobei das Prinzip "ein Zentimeter um einen Euro" gilt. Entschließt man sich zum Kauf eines Bildes, wird dieses mit dem Maßband abgemessen um den Preis zu ermitteln. Dieser sei jedoch verhandelbar, man müsse "um den Preis feilschen" - wie am Basar.

Die Ausstellung "Alltag rein" des interkulturellen Kunstvereins ipsum ist von 19. bis 28. März 2010 täglich von 15 bis 20 Uhr in der Alten Schieberkammer zu sehen, Meiselstraße 20, 1150 Wien. Eintritt frei!

Link:
Verein ipsum

  • Ala Ledawieh: Ramallah, Palästina, 2009
    foto: ala ledawieh

    Ala Ledawieh: Ramallah, Palästina, 2009

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