"Wer wen schluckt, steht nächste Woche fest"

23. März 2010, 11:41
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Raiffeisen ist wild entschlossen, die Fusion RI und RZB umzu­setzen, Stepic führt die Fusions­bank, Rothensteiner wird AR-Chef

Wien - Die Chefs der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und deren Tochter Raiffeisen International (RI) haben den Willen zur Fusion bekräftigt. Den RI-Anlegern wird eine "Wahrung der Aktionärsinteressen" zugesichert. Im Sommer sollen die Hauptversammlungen die Beschlüsse zur rechtsgültigen Verschmelzung fällen. Die ordentliche Hauptversammlung (HV) der RI wurde auf den 8. Juli verschoben. Sie wird in der Stadthalle abgehalten. Die HV der RZB findet aus heutiger Sicht ebenfalls im Juli statt.Für das Jahr 2009 schüttet die RI eine Dividende aus, allerdings wird die Ausschüttung reduziert. Für die Aktionäre gibt es 20 Cent je Aktie, nach 93 Cent im Jahr davor.

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Raiffeisen sei wild entschlossen, die Fusion umzusetzen, sagte Walter Rothensteiner, derzeit Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Aufsichtsratschef der Osttochter Raiffeisen International (RI). Rothensteiner nannte in der Pressekonferenz von RI und RZB heute, Dienstag, erstmals auch Details zur personellen Struktur:

Der bisherige RI-Vorstandschef Herbert Stepic wird Vorstandsvorsitzender der fusionierten Bank, sein Vize wird Karl Sevelda.

Vorstandschef der (nicht von der Fusion betroffenen) vorgelagerten Eigentümerholding für Sektor-Aufgaben und Beteiligungen wird Rothensteiner sein. Rothensteiner wird damit auch Aufsichtsratspräsident der Fusionsbank.

Der Risikomanager Johann Strobl wird RI-Vorstand und dazu der einzige Vorstand sein, der in beiden Häusern vertreten sein wird. Bis auf Rainer Franz, der in Pension geht, werden alle bisherigen Vorstände in der neuen Struktur im Amt bleiben. In der Fusionsbank sind es dann acht Vorstände.

Stepic: "Wir sind sehr gut aufgestellt, haben eine Super-Marke. Was sich ändert: Dass es de facto eine Holdingbank gibt, die an die Stelle der RZB tritt und statt Raiffeisen International - jetzt Holding ohne Banklizenz - die neue Fusionsbank, die börsenotiert ist."

Die Kosten der Fusion werden keinen dramatischen Umfang erreichen, sagte Rothensteiner.

Die Raiffeisen-Chefs wollen rückwirkend per 1. Jänner fusionieren. Für die Bewertungen werde es noch "einige Wochen" dauern. Bekannt gegeben werden sollen die Bewertungsverhältnisse aber erst später, offengelegt spätestens in der HV im Juli.

Wer wen schluckt, steht nächste Woche fest

Wer bei der Raiffeisen-Fusion wen schluckt, ist nach Vorstandsangaben noch nicht geklärt. Im Markt war zuletzt davon die Rede, dass die Raiffeisen Zentralbank (RZB) in die börsenotierte Tochter Raiffeisen International (RI) eingebracht wird. Immer noch steht aber auch die umgekehrte Form im Raum.

Dazu RZB-Chef Walter Rothensteiner am Dienstag: "Wir haben zwei Varianten: Die Fusion nach unten oder die Fusion nach oben. Das wird sich nächste Woche entscheiden."

In beiden Fällen aber würde das "Zentralinstitut Österreich" nach oben abgespaltet.

Die Frage, wie die Fusion ablaufen wird, werde nächste, spätestens übernächste Woche entschieden. "Da gibt es jede Menge rechtlicher Vorschläge, es gefährdet die Geschichte aber nicht". Jede der Varianten habe Vor- und Nachteile.

Nach derzeitiger Rechnung machte es steuerlich keinen Unterschied, ob man nach oben oder nach unten fusioniere. Fest steht, dass die gesellschaftsrechtliche Wiedervereinigung rückwirkend per 1. Jänner erfolgen wird.

Dass sich die Anleger sofort nach der Fusion auf eine Kapitalerhöhung einzustellen haben, sei nicht der Fall, so die Banker heute. "Wir setzen die Aktion nicht auf, um rasch und unmittelbar zu Kapital zu kommen", so Rothensteiner. In welcher Größenordnung die Fusion den bisher mit knapp 30 Prozent bezifferten Streubesitz verwässert, wurde nicht gesagt. Hinweise auf Bewertungen und Austauschverhältnisse wurden peinlichst vermieden.

"Ordentlicher Streubesitz"

"Es wird ein ordentlicher Streubesitz überbleiben", sagte Rothensteiner. Es brauche keiner Sorge haben, dass es am Schluss nur mehr drei Prozent seien.

Die Raiffeisen-Bankengruppe wolle man mittelfristig mit rund 70 Prozent als Aktionäre in der fusionierten Bank erhalten. Wenn man sich aber die neuen Basel-III-Eigenkapitalvorschriften ansehe, wisse man nicht, was alles auf die Beteiligten zukomme, gab Rothensteiner zu bedenken. Mit Basel III werde freilich mehr Kapital notwendig sein. "Das heißt aber nicht, dass wir uns bei der nächsten Kapitalerhöhung unter 70 Prozent fallen lassen", fügte er hinzu.

Herbert Stepic wurde heute gefragt, wie lang er an der Spitze der Bank stehen werde. Er bleibe solange an Bord, meinte Stepic, solange diese Flotte unter Volldampf fahre. Solange es die Aktionäre wollten, werde er zur Verfügung stehen. "Wenn ich mit 60 in Pension gegangen wäre, hätte ich die "unheimlich" interessante Krise nicht erlebt."

Die RI habe kein deklariertes Personalabbauprogramm mehr. Auch 2010 werden weiter Stellen abgebaut, um die Effizienz zu steigern.

RI-Finanzchef Martin Grüll geht davon, dass mit den Road Shows in den nächsten Tagen die Stimmung an den Märkten wieder beruhigt.

Keine neue Bankengruppe

Eine völlig neue Bankengruppe wird mit der Fusion nicht entstehen, hieß es zuvor in einer Mitteilung. Hervorgehoben wird in den erstmals vorgelegten Unterlagen der Banken zur Fusion der "direkte Kapitalmarktzugang" und ein "stabiles und ausgeglichenes Funding". Mit der Verschmelzung von RI und RZB erwarten sich die Initiatoren zwischen 60 und 115 Mio. Euro Synergien im Jahr. Die Bankenchefs sehen nach der Transaktion einen "sofortigen Ertragsanstieg".

Zum erhofften "substanziellen" Synergiepotenzial der fusionierten Bank heißt es in der seit heute vorliegenden Präsentation, dass an Zusatzerträgen rund 50 bis 100 Mio. Euro jährlich drinnen sind.

Beispiele: Verstärkter Verkauf von Kapitalmarktgeschäft, Investmentbanking, Spezialfinanzierungen, stärkeres Cross-Selling und mehr Handels- und Exportfinanzierung in Osteuropa. Das soll sich entsprechend im Vorsteuergewinn niederschlagen.

An Kosteneinsparungen werden 10 bis 15 Mio. Euro pro Jahr veranschlagt. Operationelle und organisatorische Doppelgleisigkeiten sollen verschwinden. Zusätzliches Kostensynergiepotenzial werde durch IT-Konsolidierungen und gemeinsam genutzte Leistungen erwartet.

Kernkapitalquote bei 9,2 Prozent

Die Kernkapitalquote der fusionierten Bank wird pro Forma mit 9,2 Prozent angegeben, die Core-Tier-1-Ratio mit 8,3 Prozent.

Mit einem Kernkapital von 8,5 Mrd. Euro und Eigenmitteln von mehr als 12 Mrd. Euro wäre die fusionierte Bank "gut kapitalisiert", das Risiko breiter gestreut.

Die fusionierte Bank hätte zudem nur ein geringes Minderheitskapital (Minorities) von 759 Mio. Euro als Teil ihres Tier-1-Kapitals.

"Die fusionierte Bank würde anstreben, ein angemessenes Rating beizubehalten", hieß es heute zudem.

Für das Zustandekommen der Fusion ist in beiden Häusern eine 75-Prozent-Stimmrechtsmehrheit erforderlich. Die Beschlüsse werden für Juli erwartet.

Die genauen Austauschverhältnisse ermitteln gerade zwei unabhängige Wirtschaftsprüfer. Die RZB hat dazu BDO als Gutachter, Raiffeisen International beauftragte Deloitte. Ein gerichtlich bestellter Verschmelzungsprüfer soll dann die Angemessenheit beurteilen und bestätigen.

Pro-Forma-Finanzdaten der fusionierten Bank 2009:

Bilanzsumme 146,48 Mrd. Euro

Zinsüberschuss 3,36 Mrd. Euro

Kreditvorsorgen 2,25 Mrd. Euro

Vorsteuergewinn 825 Mio. Euro

Überschuss nach Steuern 568 Mio. Euro

Return on Equity (n. St.) 6,5 Prozent

Cost-Income-Ratio (CIR) 52,5 Prozent

Risk/Earnings-Ratio 66,8 Prozent (APA)

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    Die Chefs der Raiffeisen Zentralbank und der Ost-Tochter Raiffeisen International haben den Willen zur Fusion bekräftigt.  Herbert Stepic (li.) wird die Fusionsbank führen, Walter Rothensteiner wird Aufsichtsratschef.

  • Karl Sevelda wird in der neuen Fusionsbank Herbert Stepic' Vize.
    foto: rzb

    Karl Sevelda wird in der neuen Fusionsbank Herbert Stepic' Vize.

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