Ein Viertel aller Akademiker ohne angemessenen Job

Günther Oswald , 22. März 2010 17:48
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    Foto: apa/heinz tesarek

    Längst ist ein Hochschulabschluss kein Ticket mehr für einen qualifizierten Job mit finanzieller Absicherung.

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    grafik: apa

Früher war alles besser: zumindest für Akademiker. Heute müssen viele Jobs annehmen, die nicht ihrem Bildungslevel entsprechen

Nur mehr 73 Prozent der Uniabsolventen erreichen berufliche Positionen, die auch ihrem Bildungslevel entsprechen. Ein gutes Viertel hat also keinen adäquaten Job, zeigt die aktuelle Studie "Zwischen Akademikermangel und prekärer Beschäftigung" des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft. 2001 hatten noch 80 Prozent einen angemessenen Job.

Ein Grund für diese Entwicklung: der öffentliche Sektor und die Großbetriebe in der Privatwirtschaft können nicht mehr alle Neuabsolventen aufnehmen. Dadurch wird der Berufseinstieg schwerer und ist oft mit prekären Beschäftigungsverhältnissen - vor allem in den wirtschaftsfernen Studien - verbunden. Außerdem werde ein erheblicher Teil der Nachfrage nach höheren Qualifikationen durch die Berufsbildenen Höheren Schulen und andere Formen der Berufsausbildung abgedeckt, heißt es in der Studie.

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Wien - Der Abschluss eines Studiums garantiert längst keine hochbezahlten Topjobs mehr. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Wirtschaftskammer-nahen Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw).

Wer einen Hochschulabschluss hat, findet nur mehr zu 73 Prozent einen Job, der tatsächlich seinem Bildungslevel entspricht. Zum Vergleich: 1991 lag dieser Wert noch bei 83 Prozent, 2001 bei 80 Prozent. In den letzten zehn Jahren ist es also zu einer deutlichen Verschlechterung gekommen.

Schlechtere Jobs sind naturgemäß auch mit niedrigerem Gehalt verbunden. Der Vorsprung von Uni-Absolventen gegenüber Arbeitnehmern mit Abschluss an einer Berufsbildenden Höheren Schule (BHS) wird laut Studie immer kleiner. Das oberste Viertel der unselbstständig Beschäftigten mit BHS-Qualifikation verdient sogar deutlich mehr als die Hälfte der Akademiker. Oder es lässt sich umgekehrt sagen: Viele Uni-Absolventen lukrieren nur ein Gehalt, das sie auch ohne akademischen Titel erzielen könnten.

Konkret waren 2008 rund 26 Prozent der Akademiker in Jobs tätig, für die kein Hochschulstudium nötig gewesen wäre. Dieser Wert ist in den letzten 20 Jahren fast um zehn Prozent gestiegen. In Absolutzahlen bedeutet das einen Zuwachs von 35.500 auf rund 118.000 Absolventen in Beschäftigungen, die kein Studium erfordert hätten.

Folglich konnten die Studienautoren auch keinen generellen Akademikermangel feststellen, der sonst bei internationalen Vergleichen der Akademikerquoten gerne beklagt wird.

Im Gegenteil:Studienautor Arthur Schneeberger ortet eher ein Problem der Überqualifizierung, die Studiendauer sei zu lang. "Länder mit Hochschul-Abschlussquoten von 40 bis 50 Prozent haben zwei- bis dreijährige Studien bis zum Erstabschluss, nicht durchschnittlich siebenjährige." Der Leiter der Abteilung Bildungspolitik der Wirtschaftskammer, Michael Landertshammer, fordert daher die Einführung eines Berufsorientierung-Fachs in der Sekundarstufe sowie einer "dritten Säule" hochschulischer Bildung neben Unis und Fachhochschulen.

Kaum Risiko eines Jobverlusts

Die Zahl der Studienabsolventen hat sich in den letzten 20 Jahren aber deutlich erhöht: von jährlich 12.000 im Studienjahr 1990/91 auf rund 28.500 im Studienjahr 2006/07. Insgesamt hat sich die Zahl der Absolventen zwischen 1991 und 2008 von 198.000 auf 451.000 erhöht.

Trotz schlechteren Umfelds ist Arbeitslosigkeit aber nach wie vor kein großes Problem für Akademiker. Das zeigt auch eine aktuelle Studie des Arbeitsmarktservice, die dem Standard vorliegt (siehe Grafik). Das Risiko für Absolventen einer Uni, Fachhochschule oder Pädagogischen Akademie, arbeitslos zu werden, lag 2009 bei nur 2,4 Prozent. Mit Abstand am höchsten ist das Risiko des Jobverlusts für Menschen, die nur eine Pflichtschule oder Lehre absolviert haben.

Noch deutlicher zeigt sich dieses Bild, wenn man die absoluten Zahlen hernimmt. Von den 260.000 Personen, die im Jahresdurchschnitt arbeitslos waren, hatten 118.000 nur einen Pflichtschul- und 93.000 einen Lehrabschluss. Arbeitslose Akademiker gab es etwa 10.600.

Große Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit lassen sich regional feststellen. Vor allem in Grenzregionen ist die Lage laut APA dramatisch. Traurige Spitzenreiter waren zuletzt die beiden Kärntner Regionen Spittal/Drau mit einer Arbeitslosenrate im Jänner von 16,2 Prozent und Völkermarkt mit 15,4 Prozent.

Es folgt in Niederösterreich die Waldviertler Region Gmünd mit 14,3 Prozent. Den vierten Platz hält die Region Oberwart im Burgenland mit 13,9 Prozent. Die hohe Saisonarbeitslosigkeit sei für die überdurchschnittliche Arbeitslosenquote in Spittal/Drau verantwortlich, meint Kärntens AMS-Chef Josef Sibitz. Spittal sei der Hauptsitz der Strabag. Dementsprechend seien die Bauarbeiter in der Region von Winterarbeitslosigkeit betroffen. Die Steiermark leidet vor allem an der eingebrochenen Industriekonjunktur. Im Burgenland sind traditionell viele Pendler, die am Bau arbeiten, tätig. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.03.2010)

Kommentar posten
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Joahnnes Bauer
24.01.2011 20:43

Jobaussichten für Akademiker: www.easydegree.at

das ist fix
30.03.2010 12:25
"können nicht mehr alle Neuabsolventen aufnehmen"


Vielleicht die falsche Studienrichtung gewählt?

racctor
24.03.2010 22:46
uiiiii

arbeit, arbeit, arbeit

wir brauchen technikern, nur wenige geisteswissenschaftler, paar mehr jusler und bwler. außerdem gehn htl absolventen ab, und facharbeiter, es gibt zu viele schlecht ausgebildete jugendliche, lalalalalala
überall beschränken, schimpfen, druck machen

u guys made my day lol

oder wie freiheit im kapitalismus wieder totalitär wird....

Ludmilla von Country de la Musica
24.03.2010 10:49
wichtig ist nur:

endlich einsehen, dass bildung nur das ist, was "der wirtschaft" und ihren "leistungsträgern" nutzt.

alles andere bitte auf den müllhaufen der geschichte:
zB goethe und konsorten braucht kein mensch.

schulpläne und studienpläne bitte endlich von der WK und IV manchen lassen! das bekommt der rendite besonders gut. und das ist wichtig, weil: geht's "der wirtschaft" gut, geht's "uns" allen gut - also den wenigen reichen ausgezeichnet, dem rest tendenziell eher schlecht bis sa+schlecht!
wenn man den bildungssektor endgültig an die bedürfnisse "der wirtschaft" anpasst, fällt das den armen tröpfen hoffentlich nie auf.

das ist fix
30.03.2010 12:22


Was arbeitet ein Kunstgeschichte Student später für andere Menschen?
Bei einem Maschinenbau Studenten ist das klar: er stellt Maschinen her.

Ober Heinzi
23.03.2010 18:00
Ich finde es zwar häufig spaßig auf dem Nachhauseweg nach eine durchzechten Nacht mit dem Fahrer über

journalistische Leistungen oder über das Peterprinzip zu philosophieren und mich an dessen Allgemeinbildung zu erfreuen. Und dann immer die Aussage - "wie kann man nur Chemie studieren - is ja uuuurschwer" ;-).

Ich weiß allerdings nicht wirklich ob es gesamtökonomisch sinnvoll ist BWL oder Gewi Absolventen vorne ins Taxi zu setzen.

Aber es ist lustig.....

das ist fix
30.03.2010 12:24

Chemie ist sicher besser als, Kunstgeschichte, Publizistik oder BWL...

Dr. H. Odensack
23.03.2010 19:35

Man muß das nur gescheit vermarkten:

"Bitte ein Nichtrauchertaxi mit einem Akademiker..."

wer wenn nicht er
23.03.2010 16:30
"2-3 Jahre statt 7 Jahre Studium"

Irgendwie habe ich den Verdacht, dass wir am Ende alles haben werden wie früher, nur dass wir alle Akademiker nennen.

Wer nach der Matura eine HTL macht, braucht dafür 4 Semester plus 6 Semester nachweislich einschlägige Praxis bis zum Ing. Dies ist wohl nicht wesentlich anders als die im Artikel geforderten Kurzstudien...

Soweit ich das verstehe soll doch der Bologna-Prozess Verbesserung bringen, oder? Erst Bachelor dann Master, dann Doktor. Also gleich nach 3-4 Jahren Studium wirtschaftstauglich, der Rest vielleicht berufsbegleitend...

Manche Studenten demonstrieren zwar dagegen, aber letzten Endes muss jede Ausbildung vom (Arbeits-)Markt gebraucht werden um Sinn zu machen. Sonst kann man gleich den Taxischein ins Studium integrieren.

moody 100
 
24.03.2010 10:04
Richtig.

"Irgendwie habe ich den Verdacht, dass wir am Ende alles haben werden wie früher, nur dass wir alle Akademiker nennen."
Ganz genau so ist das. Danke.

Dante Alighieri
23.03.2010 16:45

Diese Aussage der Studienautoren ist doch ohnehin vollkommener Schwachsinn -- sehen Sie das nicht? Es sind 3-4 statt 4-5 Jahre. Der Unterschied ist VIEL kleiner als uns die WK-Propaganda weismachen will. Und außerdem: wer macht nach der Matura (!) eine HTL?!

wer wenn nicht er
23.03.2010 17:02
Nach der Matura eine HTL

Na da gab es vor der Erfindung der FHs aber nicht grad wenige...

Klassisch war auch: 3-4 Jahre Lehre, 2 Jahre berufsbegleitend Meister, 3 Jahre berufsbegleitend HTL.

Kurz nach der Erfindung der FHs konnte man angeblich einige Zeit lang sogar in manchen FHs mit 2 weiteren Jahren berufsbegleitend den DI (FH) machen... inzwischen wird einem nicht mehr so viel angerechnet.

Dennoch: Solche Leute sind in der Regel praxisnäher und verdienen meist lebenslang mehr als klassische Uni-Absolventen.
-> Das sind nämlich nämlich die sprichwörtlichen 30-jährigen Akademiker mit 15 Jahren Berufserfahrung ;-))

Finanzhai2010
23.03.2010 16:53
wer macht nach der Matura (!) eine HTL?!

Das habe ich mich auch gefragt. Ich habe Leute kennengelernt, die ein normales Gym. gemacht haben, ihr Studium bald abgebrochen haben und dann das 2 jährige HTL-Kolleg besuchten. Ist vielleicht nicht die gleich gute Ausbildung, wie 5 Jahre HTL, aber der Druck in den HTLs ist extrem hoch und nicht jedermanns Sache. Ausserdem schafft die HTL in 5 Jahren bei weitem nicht jeder.

Bergdolm
23.03.2010 16:12

In unserer Wirtschaftswelt ist "zuviel Wissen" gar nicht gefragt, gewünscht vielleicht, aber bezahlt kann es aufgrund der hohen Kosten nicht werden.

Aufgrund des hohen Automatisierungsgrades der Wirtschaft, ist es garadezu nötig, dass viele Menschen erst nach einem Studium (25+) ins richtige Erwerbsleben eintreten, um dann bis 65++ zu arbeiten.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen:
Aufgrund der derzeitigen Verteilung von Arbeit, Einkommen und Vermögen geht uns - unserer Gesellschaft - schlicht die bezahlte Arbeit aus.
Dass Akademiker keine angemessenen Jobs bekommen, ist ein Randproblem.

Die Forderung nach einer "neuen Ordnung" ist jedoch noch nicht vernehmbar. Weder von Intellektuellen, noch seitens (sozialdemokratischer) Politikern.

AttHerInn
23.03.2010 20:07
tja

aber es wird Zeit !!

Finanzhai2010
23.03.2010 16:05
BHS Absolventen

BHS Absolventen bekommen zwar keine Toplöhne, ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass sie Akademikern den Job wegnehmen. Vor allem natürlich im technischen Bereich. Natürlich wird es viele Bereiche geben, wo der HTL-Absolvent den Akademiker nicht ersetzen kann, aber es gibt diese Bereiche. Dies ist auch ein Grund warum in Österreich oft billiger entwickelt werden kann als in Ländern ohne HTLs. Die HAK-Absolventen haben aber oft leider keine guten Jobchancen.

oh_rly
23.03.2010 16:16
"Die HAK-Absolventen haben aber oft leider keine guten Jobchancen."

kann ich bestätigen von ehem. Kollegen aus der HAK, da wurden nach der Matura x-Bewerbungen geschrieben bis endlich mal eine Firma einen genommen hat, und das waren Leute die absolut kein schlechtes Maturazeugnis hatten

hosenörl
23.03.2010 15:29
Ein Geisteswissenschaftler

wird in der Wirtschaft genauso gebraucht wie ein Nichtschwimmer als Badewaschl. ERst nach dem Studium merken die Leute, die so etwas studiert haben und keinen Assi-Job ergattern konnten, dass ihnen die Firmen nicht nur nicht nachlaufen, sondern auch noch den Kuckuck zeigen. Die müssen sich dann, wenn sie nicht zu Almosenempfängern werden wollen als Taxi-Fahrer oder Nachtportiers durchfretten.

Naschgul
29.03.2010 14:59

Komisch. Sämtliche meiner Studienkollegen und -innen haben trotz geisteswissenschaftlicher Studien Jobs gefunden, die von Taxifahrern oder Nachtportiers meilenweit entfernt sind.

Tomse10
23.03.2010 15:03
Ganz klar!

Aufgrund des obigen Artikels, lasse ich das Studieren jetzt lieber doch sein :D

Rune Rebellion
23.03.2010 15:09
Alternative

Gehen Sie doch in die Politik: geringe Qualifikation = trotzdem maximal abcashen.

Hannes Weber
23.03.2010 14:40

Fassen wir also zusammen, wem die Hebung der Akademikerquote genützt hat:

Ich kann mir heute um 800,- Euro im Monat für praktisch jede Arbeit einen Akademiker leisten. Wenn der nicht spurt, warten schon drei andere, die es auch um 750,- machen.

Bitte also um die Errichtung von noch ein paar "Säulen hochschulischer Bildung", dann krieg' ich die doktorbehüteten Helferlein vielleicht schon bald um 600,-.

moody 100
 
24.03.2010 10:06

auch hier: so isses.

Ivan Bukov
23.03.2010 16:48

Das will ich sehen wie sie um 800 Euro im Monat einen Aka anstellen!
Laenger als 3 Monate versteht sich...

Dante Alighieri
23.03.2010 16:46

Woher haben Sie diese Phantasiezahlen? Sind Sie etwa auch einer der "Studien"autoren? ^^

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