Salzburg

Nach Fekter-Demo auf Anklagebank

Markus Peherstorfer, 22. März 2010 16:11
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    Foto: peherstorfer

    Während des Prozesses gegen die beiden Fekter-Kritiker kam es am Montag zu einer Demonstration. "Wer praktisch bei jedem Satz über Asylwerber sofort Querverbindungen zu Sozialbetrug und Kriminalität herstellt, schürt ein Feuer, das niemals wieder brennen darf!", sagte Organisator Bernhard J.

Widersprüchliche Polizei-Aussagen bei Prozess wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt - Salzburger Brüder hatten gegen Asylpolitik demonstriert

Salzburg - Eine nicht angemeldete Protestkundgebung gegen die Asylpolitik von Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) hat jetzt in Salzburg ein gerichtliches Nachspiel. Auf der Anklagebank saßen am Montag zwei Brüder, Jan (27) und Nathanael J. (24). Ihnen wirft der Staatsanwalt Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Körperverletzung vor. Auf beide Vergehen stehen jeweils bis zu drei Jahre Haft. Die Brüder sehen sich als Opfer von Polizeiwillkür.

Friedlicher Protest

Eigentlich war der Protest am Beginn eines Vortrags der Innenministerin im Salzburger WIFI friedlich verlaufen: Am Eingang des Vortragssaals wurde Fekter von etwa zwei Dutzend Demonstranten mit Parolen wie "Ausländer bleiben, Fekter vertreiben" empfangen und als "Ministerin für Lager und Deportation" bezeichnet. Als eine Viertelstunde später die Polizei eintraf, verließen die Teilnehmer der Kundgebung freiwillig das Gebäude. "Letztendlich hat die Innenministerin diesen Vortrag auch unbehelligt durchführen können", betonte am Montag die Verteidigerin der beiden Brüder.

Nachdem vor dem Gebäude Schweizerkracher explodierten und ein Polizist den mutmaßlichen Werfer anhalten wollte, kam es aber zu "tumultartigen Szenen", berichteten die einvernommenen Beamten einhellig. Jan J. habe sich von hinten auf den einschreitenden Polizisten gestürzt und ihn mit einem Tritt am Knie verletzt; dann habe sich Nathanael J. in die Verhaftung eingemischt und sei selbst verhaftet worden, habe sich aber heftig gewehrt.

Widersprüchliche Aussagen

Bei näherem Nachfragen war es dann am Montag im Zeugenstand doch nicht so eindeutig: Dass es ein Fußtritt war, der ihn da am Knie getroffen habe, sei "eine reine Schlussfolgerung", räumte der angeblich attackierte Beamte ein. Ein zweiter war sich sicher, dass ein Demonstrant seinem Kollegen "ins Knie gesprungen" war, erkennen konnte er den Übeltäter aber nicht zweifelsfrei, obwohl die Sichtverhältnisse an diesem Winterabend "sehr gut" gewesen seien. Und ein dritter Polizist gab an, den Tritt ins Knie "selber persönlich nicht gesehen" zu haben: "Es war finster."

Für eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung könnte aber schon die Abschürfung am Knie ausreichen, die sich der erste Beamte im Zuge der Amtshandlung zugezogen hatte - schließlich qualifiziert das Strafgesetzbuch jede Körperverletzung gegen einen Polizisten im Dienst automatisch als schwer. Er könne aber auch nicht ausschließen, dass die Abschürfung erst später entstanden sei, sagte der erste der drei Beamten.

Verfahren vertagt

Die Angeklagten bestreiten, mit Tritten gegen die Beamten vorgegangen zu sein. Wenn er gewusst hätte, dass es sich um einen Polizisten gehandelt habe, "wäre ich nicht in die Amtshandlung eingeschritten", sagte Erstangeklagter Jan J. Und wenn er gewusst hätte, dass die Kundgebung nicht angemeldet war, wäre er überhaupt gar nicht erst hingegangen. Vom Vortrag der Innenministerin habe er durch eine SMS erfahren. Das Verfahren wurde am Montag zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

"Kriminalitätsvermutung"

Vor dem Gerichtsgebäude hatten zuvor in einer angemeldeten Demonstration etwa 60 Teilnehmer gegen die Vorgangsweise der Polizei und der Staatsanwaltschaft demonstriert, durch die die beiden Brüder nach den Vorfällen zwei Tage hinter Gittern verbringen mussten. Bernhard J., der Vater der beiden, hatte zu der Demonstration aufgerufen. "In unserem Land wird der politische Widerstand kriminalisiert", sagte er und kritisierte die Politik der Innenministerin: "Für Asylwerber, Migranten und deren Familien gilt im Fekterland eine Kriminalitätsvermutung." (derStandard.at, 22.03.2010)

Kommentar posten
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Sowizo
23.03.2010 14:55

Ich war nie jemand, der der Polizei wirklich ablehnend gegenüberstand, selbst, als ich noch grüne Haare hatte, hielt ich nichts von Sprüchen wie "A.C.A.B.".

Die Ereignisse und Erlebnisse in den letzten Monaten (Krems, Tierschützerprozess, WKR-Ball...) haben mein Vertrauen in die Exekutive (aber auch für so manch Justizbeamten) jedoch schlimm minimiert.

Mucosaprolaps
23.03.2010 15:16

Hm.
Man nehme einen anstrengenden, gefährlichen Job, bei dem Fingerspitzengefühl gefragt ist, Spürsinn und Menschenkenntnis; der oft unerträglich ist, etwa wenn sich Hirn und Motoröl am Straßenrand vermischen, oder wenn es immer wieder um Schlägereien geht und um Randalierer und Diebe und Gesindel; überhaupt einen Job, wo einen fast jeder "Kunde" anlügt und der Rest einen beleidigt ... ein schwieriger, harter Job.

Dann hat man zwei Möglichkeiten:

a) Bestmögliche Ausbildung und attraktive Bezahlung, damit man die besten Kandidaten anlockt; psychologische Betreuung.

b) Miserabel finanzierte Ausbildung, miserable Bezahlung, keinerlei Betreuung, bei Problemen schickt man Wracks in Frühpension.

Letzteres haben wir, und das seit mind. 40 Jahr

der d
24.03.2010 11:07
it's not the players, it's the game!

das problem liegt nicht bei den arbeitsbedingungen sondern bei der politischen einstellung mancher hoher polizei und staatsbeamter. sowohl bei den §278 verfahren als auch bei der wkr demo als auch in diesem aktuellen fall gibt es menschen in entscheidungspositionen die ganz bewusst ihnen nicht genehme politische gegner verfolgen wollen.

im übrigen glaub ich nicht dass die polizei miserabel bezahlt oder schlecht ausgebildet wird. geh mal nach griechenland auf eine demo, dann weißt du wie schlecht ausgebildete polizisten arbeiten ;-)

Der Beobachter23
23.03.2010 14:22
Nun, es handelte sich um eine illegale Demonstration, die...

...daran Teilnehmenden waren daher alle rechtswidrig unterwegs. Es zeigt sich, daß die Linken meinen, sie hätten die Herrschaft über die Straße und könnten bestimmen, wer wo welche Veranstaltungen abhalten kann.
Daß der Staat seine Beamten schützt, ist ja wohl klar (nicht nur bei Polizisten, sondern bei jedem Beamten wird Körperverletzung automatisch als schwere Körperverletzung gewertet).
Der feine Herr Papa sollte sich lieber darum kümmern, daß seine Söhne nicht bei Veranstaltungen auftreten, bei denen offen zu strafbaren Handlungen (Fekter vertreiben) aufgerufen wird, teilnehmen, denn wie anders, als rechtswidrig, sollte denn so eine "Vertreibung" aussehen?

Kapitalismus Luege
23.03.2010 12:41
schaut mir sehr nach Tierschutzmafia-Terroristen aus

lebenslang

- so eindeutig, da braeuchte ma nicht einmal ein Verfahren !

Mucosaprolaps
23.03.2010 13:23

Bitte die normalen Demonstranten, die sich für die Rechte von Asylwerbern und anderen Mitmenschen einsetzen, nicht mit den diverse Hendl-Befreier-Sekten verwechseln!

Verzweifelnd
23.03.2010 10:50

Was protestieren die Buben auch gegen die beste Innenministerin aller Zeiten! Arbeiten sollten`s gehen die Rotzbubn! Hände falten Goschn halten, hat scho der Schüssl gsagt...

Functio Laesa
23.03.2010 10:41
Da hat sich ein Polizist

das Knie angehauen und dafür muß jetzt ein Demonstrant büßen. Was sind das blos für Männer? Die sollen nicht so wehleidig sein. Bei dem was man in letzter Zeit so hört haben die Herren in Blau aber wohl ihren Glaubwürdigkeitsbonus verspielt. Da wird wegen jeder kleinen Rempelei gleich ein riesen Gerichtsverfahren angestrengt. Fast lächerlich. Die Typen sind nunmal dazu da sich gelegentlich anrempeln zu lassen - rempelts halt einfach zurück. Aber möglichst ohne das Gegenüber gleich schwer zu verletzen. Man haut nicht den der das eigene Gehalt zahlt bzw. die Hand die einen Füttert - nicht vergessen :-)

Yes I can!
24.03.2010 06:47
rempeln und rempeln lassen?

was ist denn das für eine aufforderung?

weder haben polizisten für ihr gehalt "anrempeln" zu lassen, genauso wenig dürfen sie zurück rempeln. so was fällt unter polizeibrutalität.

misanthropie
23.03.2010 10:14
so ist das

wenn korruptiker in einer demokratur die macht haben..

Anyuser
 
23.03.2010 09:24
berichteten die einvernommenen Beamten einhellig

Genauso wie bei der 1. Mai Demo, wo es dann ein Video gebraucht hat um die 'einhellige' Meinung der Beamten zu entlarven...

Firemonkey
23.03.2010 10:29
Und genau deswegen nimmt ein vernünftiger

vorsichtiger Demonstrant auch "immer" eine Videokamera auf eine Demo mit.

Mucosaprolaps
23.03.2010 13:24

Das fragen die öfter ... 1. Mai Berlin mittags: Polizist kontrolliert mich, "Was, ne Digitalkamera? Ist dat nüsch zu jefährlich?"

... 3 Stunden später flogen Steine, die hab ich aber gottseidank nur mehr im Fernsehen erlebt :)

I. O.
23.03.2010 07:37
Was worden aus...

dem Fall wo ein gewisse Hr. Hojac, eine Polizisten angefahren hat und im Knie verletzt hat?
.......ach, ja er war ja keine "Linke Demonstranten".....

H. Kienhammer
23.03.2010 10:08

Der Verdacht auf Körperverletzung des Polizisten konnte nie bestätigt werden.
Der Polizist, ein SPÖ-Funktionär, war nie bei einem Arzt.
Zwar hat Staatsanwalt Jarosch gegenüber einer Zeitung behauptet, es liege ein amtsärztliches Attest vor, musste diese Behauptung aber wieder zurücknehmen.

suboptimal
 
22.03.2010 23:54
wieder mal sehr präzise Zeugenaussagen .... :-)

zweiter Polizist: Sichtverhältnisse an diesem Winterabend "sehr gut"

dritter Polizist: "selber persönlich nicht gesehen" ... "Es war finster."

Gerhard Ingolf
23.03.2010 18:20

Zumindest kann man ihnen nicht unterstellen, dass sie sich abgesprochen haben! Also ich würde das eher positiv bewerten.

-_-
22.03.2010 23:48
werden vermutlich auch wg. dem Mafiaparagrafen angeklagt,

weil sie eine "Terrororganisation" gründen ...

Frau Fekter darf gegen Minderheiten hetzen, aber Demonstrieren darf man gegen die Mizzi net...

aussenstehend?
22.03.2010 22:57
summa summarum

gehen die zwei 3 Jahren in Haefn weil sie ohne glaubwuerdige (=konsistente) zeugen oder anhaltspunkte eines vergehens nahe eines polizisten waren der sich irgendwann im zeitlichen umfeld einmal das knie aufgeschuerft hat? also wenn das kein linksliberaler anarcho-staat ist weisz ich auch nicht...

Munis
22.03.2010 21:44
Tja die Polizei hat Narrenfreiheit...

und die Justiz macht oft fleissig mit, um Demonstranten zu kriminalisieren oder einzuschüchtern. Die Parole lautet: Pass auf, auf was für eine Demo Du gehst, das kann dir teuer zu stehen kommen. Selbst wenn man freigesprochen wird, bleibt man auf dem Grossteil der Anwaltskosten sitzen. Die Polizisten können vor Gericht aussagen, es wird ihnen meistens immer geglaubt. Vor allem gewisse Richter (innen) im LG für Strafsachen Wien haben einen Ruf, immer als Verteidiger der Polizisten auftreten zu müssen. Österreich geht schnurstracks Richtung Polizeistaat, man soll nur mehr mit einer guten Rechtsschutzversicherung Demos besuchen und im Falle einer Festnahme konsequent die Aussage verweigern - das ist die beste Taktik vor Polizeiwillkür!!!!

100mph
22.03.2010 21:36
..

Nein, kann ich gut verstehen, ich meine die Zeugenaussagen sind ja mehr als überzeugend und übereinstimmend. 3 Jahre mindestens... -> Widerstand gegen die Staatsgewalt. That's how it works...

Sukram's Panopticum
 
22.03.2010 20:19

Gott... ich was für einer Demokratie lebe ich eigentlich?

Und das allerschäfste: "Jede Körperverletzung gegen einen Polizisten ist automatisch eine Schwere." Gleiches Recht für alle und differenziertes Recht?

Achja, was die werten Österreich nicht wissen: In Deutschland gibt es einen Paragraphen in der Verfassung, der Widerstand gegen die Staatsgewalt zulässt, wenn Unrecht zu Recht wird, sprich die Grundrechte der Bürger eingeschränkt werden zugunsten einiger weniger, meist der Machthaber.

In Österreich gibt es kein solches Gesetz, nirgends. Darf sich jeder selbst ein Bild davon machen, warum.

a lang!... hat heada...
23.03.2010 08:35

dieser parapraph lässt widerstand nicht zu, er verpflichtet den bürger dazu!

DER-STANDARD-JURIST
23.03.2010 10:52
falsch

es handelt sich um einen rechtfertigungsgrund. dh die handlung ist zwar strafwürdig aber im besonderen falle gerechtfertigt.

es ist ein "dürfen" und kein "müssen".

a lang!... hat heada...
23.03.2010 11:18

stimmt. hab jetzt nochmal nachgesehn:

grundgesetz paragraf 20 (4):
"Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist."

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