Eine Filmschau des Regisseurs läuft bis 7. April im Österreichischen Filmmuseum
Graz/Wien - Romuald Karmakars herausragendes Filmschaffen prägt eine Radikalität, die von vielen als Provokation empfunden wird. Der deutsche Regisseur mit französisch-iranischen Wurzeln, der mit Filmen wie "Warheads" (1992) oder "Der Totmacher" (1995) bekannt wurde, ist ob seines unkaschierten und kompromisslosen Werks vielfach angegriffen, teils angefeindet und sogar der politischen Rechten zugerechnet worden. Zuletzt in Graz bei der Diagonale und nun in Wien wird der 45-Jährige mit einem neuen Buch und einer Filmschau gewürdigt.
Warum die Rezeption in Deutschland nach anfänglicher Euphorie irgendwann ins Negative gekippt ist, kann sich der Filmemacher selbst nicht wirklich erklären: "Es ist ja nicht so, dass ich zu Hause sitze und mich frage: Wie kann ich die Deutschen jetzt als nächstes ärgern? So arbeitet man doch nicht, das hat mich nie interessiert."
"Man verfolgt halt die Dinge, die einen faszinieren, über die man etwas wissen will, weil man neugierig ist", so der Regisseur, durch dessen Werk, das bis 7. April im Österreichischen Filmmuseum zu sehen ist, sich Themen wie die deutsche Geschichte, Gewalt und Krieg, Männlichkeit und Rituale, aber auch Tanz, Musik und Leidenschaft wie ein roter Faden durchziehen. "Man muss die Dinge so erzählen, wie man sie erzählen möchte - dann kann es sein, dass die Leute so Amok laufen gegen dich, dass du das erstmal gar nicht nachvollziehen kannst."
Erster Super 8-Film 1985
1985 drehte Karmakar seinen ersten Super 8-Film "Eine Freundschaft in Deutschland", 1988 wurde sein Kurz-Dokumentarfilm "Coup de boule" im Panorama der Berlinale uraufgeführt. Zu dieser Zeit war er noch in der Armee, arbeitete daneben als Foto-Assistent bei einem Modefotografen. Seinen Entschluss, vom Filmemachen leben zu wollen, untermauerten die Reaktionen auf die Balkankriegs-Doku "Warheads" (1992). "Ein Drei-Stunden-Film über Söldner, Legionäre und Krieg und über den Tod und bedeutende Dinge des Lebens - das war schon eine ziemlich wichtige Arbeit für mich."
"Dass sich manche Leute provoziert fühlen, das kann man nicht steuern", so Karmakar, "es ist ja nicht so, dass ich mich vor die Kamera stelle und wixe, sondern ich sage, ich möchte dreieinhalb Stunden den Himmler verfilmen oder bei einem Film wie 'Warheads', dass der Krieg nicht mal 500 Kilometer von München, wo ich damals gewohnt hab, stattfand. Und da gab es eine unglaubliche Aggression gegen diesen Film, nicht nur wegen des Krieges, sondern dass man sich überhaupt damit beschäftigt. Bis heute gibt es in Deutschland nicht mal eine Handvoll Filme dazu, dabei war das der schlimmste Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg auf unserem Kontinent. Aus Österreich hat es ja auch nichts dazu gegeben, das war ja noch viel näher." (APA)
Termine
Montag, 22. März: 19.00 Das Frankfurter Kreuz / 20.30 Utopia von Sohrab Shahid Saless
Filme in Anwesenheit und Publikumsgespräche mit Romuald Karmakar und Manfred Zapatka
Mittwoch, 24. März: 19.00 Die Nacht singt ihre Lieder / 21.00 Werkstattgespräch: Sprache
Filme in Anwesenheit und Werkstattgespräch mit Romuald Karmakar mit Hartmut Geerken
Donnerstag, 25. März: 19.00 Eine Freundschaft in Deutschland / Der Tyrann von Turin / 21.15 Werkstattgespräch: Material
Filme in Anwesenheit und Werkstattgespräch mit Romuald Karmakar
Freitag, 26. März: 19.30 Warheads
Film in Anwesenheit und Publikumsgespräch mit Romuald Karmakar
Die Werkstattgepräche sind kostenlos zu besuchen bzw. um 1 EUR Soldiarbeitrag zugunsten der Aktion Kulturpass.
Zum Weiterlesen:
"Wegen
meiner Filme ins rechte Eck gedrängt" - Romuald Karmakar im
Interview