Das Kapitalmarktrisiko muss aus den Produkten

22. März 2010, 19:11
82 Postings

Mit der Erweiterung der Mindeststan­dards für Fremdwährungskredite hat die FMA dieser Kreditform einen Riegel vorgeschoben

Mit der Erweiterung der Mindeststandards für Fremdwährungskredite hat die Finanzmarktaufsicht dieser Kreditform einen Riegel vorgeschoben. Nur noch in Einzelfällen soll es Finanzierungen in Yen oder Franken geben.

Wien – Fremdwährungskredite haben sich in Österreich seit den 1990er-Jahren zu einem wahren Massenprodukt entwickelt. Rund 43 Prozent aller im Euroraum vergebenen Fremdwährungskredite sind – meist zur Wohnraumfinanzierung – bei heimischen Haushalten gelandet (siehe Grafik).

Damit ist jetzt Schluss: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat die Mindeststandards für die Vergabe dieser Kredite derart verschärft, dass nur noch ausgewählte Personen Kredite in Schweizer Franken oder Yen bekommen sollen. "Fremdwährungskredite an Verbraucher sind kein standardisiertes Massenprodukt mehr", sagt FMA-Vorstand Helmut Ettl bei einem Pressegespräch am Montag.

Der Kreditnehmer muss künftig über ein ausreichendes Einkommen oder andere Erlöse in fremder Währung verfügen oder ein vermögender Privatkunde mit bester Bonität sein. Eine Kombination mit kapitalaufbauenden Tilgungsträgern darf es künftig nicht mehr geben. Denn durch den Sturm an den Börsen sind viele Tilgungsträger (zumeist waren das fondsgebundene Lebensversicherungen) abgestürzt. Die Folge: Die Kreditsumme erhöht sich.

Ein Beispiel: Ein ausstehender Kredit von 130.000 Euro erhöht sich um satte 22.000 Euro, wenn der Tilgungsträger statt der erwarteten Rendite von 4,6 Prozent nur 3,6 Prozent erwirtschaftet. Ende 2008 betrug die Finanzlücke bei einigen Fremdwährungskrediten bereits 60 Prozent der Forderung.

Kapitalaufbauende Tilgungsträger gibt es künftig nur noch bei endfälligen Euro-Krediten, die von den Banken aber auch nur noch in begründeten Fällen – etwa bei Lombard-, Lebenswert- oder Lebenszeitkrediten oder zur Vorfinanzierung von Versicherungsauszahlungen, Verlassenschaften etc. – vergeben werden sollen.

Die Banken sind von der FMA aufgefordert, Listen mit sicheren Tilgungsträgern zu erstellen. Neben der klassischen Lebensversicherung könnten Anleihen oder konservative Fonds auf der Liste stehen. Bei Fremdwährungskrediten wurden bisher auch Hedgefonds oder einzelne Immobilienaktien akzeptiert. Ab jetzt gilt: "Das Kapitalmarktrisiko muss aus den Produkten genommen werden", sagt Ettl.

Um- und Ausstiegshilfen

In Not geratenen Kreditnehmern sollen Banken jetzt unter die Arme greifen. Nach der Bank Austria hat am Montag auch die Raiffeisen Bausparkasse ein Paket für einen Umstieg in den Euro geschnürt – in Form eines Stufendarlehens mit niedriger Einstiegsrate und vierjähriger Fixzinsphase. Der Zinssatz liegt bei 1,5 Prozent fix auf 18 Monate, für weitere 2,5 Jahre beträgt er fix 3,5 Prozent. Die Rate wird im Fünfjahresrhythmus angepasst, was Umsteigern eine langfristige Kalkulierbarkeit ermöglichen soll.

Auch in Teilen Osteuropas werden Fremdwährungskredite (in Euro oder Dollar) zum Problem. Statt zur Wohnraumbeschaffung wurden sie für Konsumausgaben genützt. Sie sind daher mit Autos, TV-Geräten oder Bügeleisen "besichert" und nicht mit einer Immobilie, die sich verwerten lässt. Obwohl die endfällige Variante mit Tilgungsträger in Osteuropa nicht angeboten wurde, denkt Polen bereits über ein Verbot dieser Kredite nach. In Ungarn spricht sich die Nationalbank ob gravierender Kreditprobleme gegen Kredite in fremder Währung aus. Auch in Kroatien, Serbien und Rumänien wird über Beschränkungen nachgedacht. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.03.2010)

  • Der Wohnraum in fremder Währung finanziert: Was einst einfach und lukrativ klang, wird für viele Kreditnehmer zur Schuldenfalle.
    foto: standard

    Der Wohnraum in fremder Währung finanziert: Was einst einfach und lukrativ klang, wird für viele Kreditnehmer zur Schuldenfalle.

  • Artikelbild
    grafik: standard
Share if you care.