US-Gesundheitsreform

Viel Feind, viel Ehr

Michaela Kampl, 22. März 2010, 14:52

Demokraten und Republikaner sind gespalten wie selten zuvor, aber die Gesundheitsreform ist beschlossene Sache - Und das ist gut so

Wer in den USA krank und nicht versichert ist, muss nicht gleich arm werden, sich in Schulden stürzen - oder wegen einer verweigerter kostenintensiven Spezialbehandlung früher sterben. Genau das bedeutet die gestern beschlossene Gesundheitsreform. Denn es wird "krank und nicht versichert" kaum mehr geben.

32 Millionen mehr US-Bürger werden in Zukunft krankenversichert sein. Obama fühlt sich zu Recht als Gewinner. Gegen internen Widerstand, absurde Vorwürfe der Republikaner und der rechten Tea-Party Bewegung hat er seine Reform durchgebracht. Natürlich hat er dabei Kompromisse gemacht. Es gibt beispielsweise keine staatlich geführte Krankenversicherung, die den privaten Versicherern Konkurrenz macht. Aber im Großen und Ganzen ist eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung beschlossen.

Kritik, Wahlen, Geld und die Fakten

Und jetzt soll nach Meinung einiger Kommentatoren (hier als Beispiel die New York Times) Obama daraus ein innenpolitischer Nachteil erwachsen. Weil die US-Amerikaner angeblich an der Sinnhaftigkeit der Reform zweifeln. Das könne den Demokraten bei den Anstehenden Midtermelections in Schwierigkeiten bringen. Die Mehrheit der US-Amerikaner lehnen Umfragen zufolge die Gesundheitsreform, wie sie gestern beschlossen wurde, ab. Allerdings sind hier auch Bürger als Reform-Gegner eingestuft, denen die Reform nicht weit genug geht. Diese Wähler von der Reform als pragmatischer Lösung, vom ersten Schritt in die richtige Richtung, zu überzeugen, dürfte Obama nicht schwer fallen. Wählerstimmen müssen also nicht verloren gehen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die angebliche Kostenexplosion im Gesundheitswesen durch die Reform. Das Congressional Budget Office (CBO) widerspricht. Nach den Berechungen des CBO senkt die Reform das Budgetdefizit in den kommenden zehn Jahren um 138 Milliarden US-Dollar. Diese Kritikpunkte lassen sich also mit Fakten widerlegen. 

Tiefe Gräben und Change

Ein Vorwurf ist allerdings nicht so einfach zu entkräften. Obama hat eines seiner Wahlversprechen gebrochen. Er hatte einen anderen Ton in Washington angekündigt und wollte als Präsident die Spaltung zwischen den Parteien überwinden, überlegt debattieren, statt sich auf eine unverrückbare Parteilinie zurückziehen. Das ist ihm nicht gelungen. Kein einziger Republikaner hat die Reform unterstützt. Das ist laut New York Times schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen. Der Graben zwischen Republikanern und Demokraten sei damit also noch größer geworden.

Na und? Dafür hat er ein anderes Versprechen gehalten. Dinge verändern sich. Der Change, von dem im Wahlkampf soviel zu hören und von dem bisher so wenig spürbar war, manifestiert sich. Zumindest innenpolitisch. Zumindest bei der Gesundheitsreform. (mka, derStandard.at, 22.3.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
*inmyhumbleopinion*
00
24.3.2010, 08:13
spricht für die demokraten:

We want to move this country forward, and we're willing to work with them to do it.

im gegensatz zu den repubs und vielen medien, die immer nur auf ihre vorteile schauen.

another_stranger_me
02
23.3.2010, 22:18

wie soll man auch gräben überbrücken, wenn der gesprächspartner alles außer "no" aus seinem wortschatz gestrichen hat??

diese republikaner erinnern mich irgendwie an die sowjets, die kannten auch nur "njet"

ironisch, nicht?

XOR
20
23.3.2010, 22:35

diese Reform wurde mit einem Trick gegen die Mehrheit im Land beschlossen. Sowjetisch eben. Rechnung kommt.

Dunkelpunkt
00
24.3.2010, 08:52

gegen die mehrheit 219 zu 210? nur weils keine 60 abgeordneten haben heißts nicht dass es nicht die mehrheit ist..

XOR
00
25.3.2010, 19:41

Sie wissen nicht wovon Sie reden. Die "repräsentative" Demokratie dient dort wie hier zu Aushebelung der Demokratie.

Jake Gittes
00
23.3.2010, 19:38

Reform ist durch. Eine epochale Errungenschaft.

Die Reps werden sich daran gewöhnen (müssen).

Fertig.

XOR
21
23.3.2010, 22:16

nur bis 2012 - geh nach Europa, Obamarx!

Kahuna
00
23.3.2010, 23:11
Palin-fan?

JP M
11
23.3.2010, 16:40
Was viele hier anscheinend nicht verstehen ist...

...dass die Amerikaner gegen diese Reform sind weil es Sache der einzelnen US-States waere dies zu tun. Daher auch die geplante Verfassungsklage gegen dieses Gesetz von mehreren Bundesstaaten.

Ich lebe in Massachusetts und wir haben hier eine vom State verordnete Krankenversicherungspflicht (mit State Hilfe fuer jene die es sich nicht leisten koennen)...uebrigens von einem republikanischen Governor (Mitt Romney) eingefuehrt.

Wir in Massachuesst zahlen dafuer auch mehr Einkommensteuer als Bewohner vieler anderer Staaten, wir haben mit 6.5% eine relativ hohe USt. (manche Staaten haben gar keine)...

Daufer leisten wir uns dieses Krankenversicherungsgesetz - wir wollen aber nicht fuer andere Staaten bezahlen die weniger Steuern haben.

Poldi Fesch
01
23.3.2010, 09:53
Und jetzt soll nach Meinung ...

Und warum nicht. Es zeugt nicht v. besonders offenem Geiste, wenn man europ. Vorstellungen ueberall ueberstuelpt. Vielleicht wollen sie es wirklich nicht, das werdens doch noch duerfen.

XOR
94
23.3.2010, 06:13

wird ein schöner Wahlsieg 2012 - und der Standardbobo vulgaris wirds wieder nicht fassen können, weil ihm nach Jahrzehnten an roter Gehirnwäsche liberale Argumente gar nicht mehr zugänglich sind. Zwangsversicherungen sind ja Zeichen von "Zivilisation" und "Fortschritt".

lessismore
00
24.3.2010, 08:57

Das ist nicht ganz klar. Single payer wäre ein Fortschritt -- die Versicherungen sind unnötig.

NotDarkYet
27
23.3.2010, 10:42

Und wenn dann 2012 Obama mit großer Mehrheit wiedergewählt worden ist, dann werden Sie einen neuen Nick haben und posten: "Das habe ich schon immer gesagt."

XOR
00
23.3.2010, 22:35

möchten Sie Geld setzen?

NotDarkYet
00
24.3.2010, 09:25

Ja, klar.

(Aber da wir das Online kaum bewerkstelligen können: Geben Sie mir einfach eine E-Mail Adresse unter der Sie auch 2012 noch höchstwahrscheinlich erreichbar sind. Sie bekommen dann von mir im Nov. 2011, nach Obamas Wiederwahl, ein liebes, kleines "Ätsch, habe ich doch gesagt"-Mail.)

wondering_Daughter
 
24
23.3.2010, 09:58
Das liberale Argument

Ich denke nicht dass hier von Seiten der Republikaner noch von vernünftigen liberalen Argumenten die Rede sein kann. Diese so genannten
Liberalen sind nämlich in Wirklichkeit Libertär! Ihnen geht es um Freiheit und Vorteil von wenigen einzelnen, solange dabei die anderen nicht verletzt werden. In diesem Rahmen ist hingegen alles erlaubt. Ein schönes Deckmäntelchen für eine radikale Einstellung. Die müsste in Wirklichkeit lauten: "Der Kuchen ist nicht groß genug, also sollen nur die besseren etwas davon haben und die anderen sollen die Krümel am Boden essen. Die sind ohnehin selber Schuld." Wer auf der anderen Seite einen einfachen sozialen Gedanken vertritt wird von ihnen kurzum als Kommunist abgetan ... Wo bleibt da die Ethik und Moral?

XOR
00
23.3.2010, 22:35

Zwang oder sozial, beides wird nicht gehen

wondering_Daughter
 
00
24.3.2010, 12:14

Zwang und Sozial hängt in unserem Verständnis vom Rechtsstaat aber zusammen, und zwar "gezwungenermaßen" ...
Die einzige Alternative wäre, dass Sozialleistungen zu freiwilligen Spenden gemacht würden, was den Untergang eines "sozialen" Staates mit sich bringen würde. Dann wäre ein Saat nämlich gewissermaßen nur noch für Eigentumsschutz und Vertragsrecht da, ein Minimalstaat.
Free play - have fun unless you loose!

Poldi Fesch
01
23.3.2010, 15:31
das IST

die Ethik u. Moral

der tueftler
18
22.3.2010, 22:43
über die politik der republikaner kann ich

...nur den kopf schütteln. so viel hass und borniertheit ist selbst für abgebrühte ein rekord. wer hände-haltend religiöse lieder singt um den ärmsten teufeln eine krankenversicherung vorenthalten zu dürfen, ist einfach ein a.... sonst gar nichts! ich beneide obama nicht darum mit solchen leuten diskutieren zu müssen!

Jake Gittes
00
23.3.2010, 19:36

Danke. Sie sprechen mir aus der Seele.

siliconvalley
05
22.3.2010, 20:18
wollte als Präsident die Spaltung zwischen den Parteien überwinden,

dazu braucht es 2 Parteien die wollen, nicht nur eine ;-)

No Na
02
22.3.2010, 19:42

obama ist schon ein armer hund: jetzt ist er auch schon für die republikaner verantwortlich

byron sully
214
22.3.2010, 19:30

"Kein einziger Republikaner hat die Reform unterstützt."

ist aber kaum obamas schuld. die haßerfüllte radikalopposition, wie sie die republikaner derzeit betreiben, ist in der jüngeren us-geschichte einmalig.

Hermine Berg
 
03
22.3.2010, 22:16
bloedsinn

unter Clinton war es am ende genau so. die gop mutiert immer mehr zu einem fanatischen spinnerverein.

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