Wer vorausschauend fährt, kann mit einer Rekuperationsbremse ordentlich Geld sparen und schont dabei die Umwelt
Es kommt ja nur mehr in Fernsehserien und Actionfilmen vor, dass die Reifen eines Autos bei einer Vollbremsung quietschen, als würde ein Heer von Meerschweinchen um sein Leben schreien. Seit die Verbreitung von ABS in Autos - die der von Radios gleicht - quietscht es nur mehr ganz selten, und gleichzeitig haben sich die Bremswege verkürzt. Trotzdem ist das Antiblockiersystem, so wie wir es kennen, nicht der letzte Schrei was das Verzögern angeht.
Ohne verschleißende Bremsklötze und Bremsscheiben kommt die neueste Generation von Bremsen im Auto aus: die Rekuperationsbremse. Was hier so hochgestochen gescheit klingt, ist nichts anderes als eine Bremsenergie-Rückgewinnung, wie sie bei Straßenbahnen und Zügen schon in der Anfangszeit der E-Züge zum Einsatz kam.
Statt mit Verschleißbremsen zu verzögern, schaltete man die Motoren, mit welchen man gerade noch den Zug beschleunigte, zu Generatoren um. Um diesen Generator anzutreiben, braucht man Energie, die aus dem Vortrieb gewonnen wurde - heißt: Der Zug wurde abgebremst. Den Strom, welchen der Generator dabei erzeugt hat, führte man einfach in die Oberleitung zurück.
Akkuspeisung bei Hybrid-Autos
Das Gleiche passiert derzeit bei Hybrid-Autos. Diese haben neben dem Verbrennungsmotor auch einen Elektro-Antrieb. Im Schiebebetrieb, also wenn nicht beschleunigt wird, und beim Bremsen schaltet der Elektromotor einfach um, wird zum Generator und erzeugt Strom, den er in die Akkus speist, aus denen er seine Energie fürs Beschleunigen holt.
Es gibt noch weitere Arten, die Bremsenergie zu speichern: in einem Schwungrad oder in Kondensatoren. Was aber stets bleibt, ist die verlustfreie Verzögerung. Deswegen bremst man neuerdings auch so in der Formel 1: mit KERS, Kinetic Energy Recovery System. Mit der gespeicherten Bremsenergie wird dann später das Fahrzeug wieder beschleunigt.
Das erste Serienauto mit einer Bremsenergie-Rückgewinnung war der wohl bekannteste Hybrid bis jetzt, der Toyota Prius. Inzwischen haben viele andere Hersteller nachgezogen und bieten Bremsenergie-Rückgewinnungs-Systeme sogar für reine Verbrennungsmotoren an. Die Energie wird dann einfach in der Autobatterie gespeichert, und weil dadurch die Lichtmaschine nicht immer am Motor hängen muss, wird durch die geringere Belastung Sprit gespart.
BMW hat im Riesen-SUV ActiveHybrid X6 gleich zwei Elektromotoren, die einzeln oder gemeinsam als Generatoren verwendet werden. Deutliche Zahlen erarbeitete BMW bei Tests mit dem reinen Elektro-Auto Mini E: Durch die Bremsenergie-Rückgewinnung kann man die Reichweite um bis zu 20 Prozent erhöhen. Der Grund dafür liegt darin, dass vor allem im Stadtverkehr, bei vorausschauender Fahrweise, 75 Prozent aller Bremsmanöver ohne Verschleißbremse auskommen. In Zukunft wird es also umso wichtiger sein, nicht allzu scharf zu bremsen, denn dann braucht man zum einen nicht so oft Bremsscheiben und -klötze zu wechseln und tankt dabei zum anderen jedes Mal das Auto ein wenig auf. (derStandard.at, 22.03.2010)