Tiefere Konsequenzen fehlen

21. März 2010 19:50

Der Papst verweigert eine Entschuldigung und sieht keine Verantwortung des Vatikans

Papst Benedikt XVI. hat sich endlich zu den Missbrauchsfällen geäußert. Er hat einiges klargestellt, war aber nicht klar genug - und hat in seinem Hirtenbrief allzu vieles nicht angesprochen: Zwar hat der Papst "von den Sünden und dem Versagen einiger Mitglieder der Kirche" geschrieben und geht mit den irischen Geistlichen scharf ins Gericht: "Ihr habt Schande und Unehre auf Eure Mitglieder gebracht." Aber damit hat er die Missbrauchsfälle als begrenztes Phänomen dargestellt und den dortigen Priestern und Bischöfen die alleinige Schuld zugewiesen.

Die Verantwortung des Vatikans und seine eigene als Chef der Glaubenskongregation spart Ratzinger aus. Er war in dem Gremium mehr als 20 Jahre damit befasst, wie mit Missbrauchsfällen umzugehen ist. So soll es ein von Ratzinger vertretenes Dokument (Crimen sollicitationis) geben, das eine Schweigeverpflichtung vorsieht - für das Opfer, den Priester und allfällige Zeugen. Verschweigen und Vertuschen - und höchstens eine Versetzung des Priesters.

Ein solcher Fall ist nun auch aus Ratzingers Amtszeit als Erzbischof von München und Freising bekanntgeworden. In den 80er-Jahren durfte ein einschlägig vorbelasteter Priester wieder Gemeindearbeit machen, verging sich erneut an Jugendlichen und wurde dann gerichtlich verurteilt. Ein Satz des nunmehrigen Papstes hätte gereicht, um Klarheit zu schaffen.

Unklar ist auch, ob sich das Schreiben des Vatikans auch auf Deutschland und Österreich bezieht. "Es ist wahr, dass das Problem des Missbrauchs von Kindern weder ein rein irisches noch ein rein kirchliches ist", heißt es im Hirtenbrief. Wohl wahr, auch in nichtkirchlichen Einrichtungen ist es zu Übergriffen gekommen. Damit wird nur Verantwortung abgeschoben, das macht die Schuld nicht kleiner. Und wenn der Papst auch eine Botschaft an andere Länder vermitteln wollte, warum sagt er das nicht deutlich? Der Papst-Sprecher meint, es könne noch etwas kommen: Sollte er "es für notwendig halten, so wird sich der Papst auch mit den Problemen in Deutschland befassen". Wie groß müssen die Probleme in diesen Ländern werden, bis der Papst dazu Stellung bezieht?

Dass der Papst Fehler im kirchlichen System nicht klar benennt, sondern den "schnelllebigen sozialen Wandel" in Irland dafür verantwortlich macht, lässt darauf schließen: Er hat nichts verstanden oder er will nichts verstehen und vor allem keine Konsequenzen ziehen.

Zwar ist der Aufruf "Unterwerft Euch der Rechtsprechung" ein erster, wichtiger Schritt. Aber weiterzugehen, eine Anzeigepflicht und Entschädigungszahlungen zu versprechen oder gar tiefergehende Ursachen, wie den Zölibat, zu benennen, verweigert Benedikt XVI. Wenn selbst konservative Politiker und engagierte Katholiken wie Andreas Khol im Profil nun mit Vehemenz eine Aufhebung des Zölibats fordern, dann zeigt dies die Dimension der Krise.

Solange sich ihr Oberhaupt nicht klar äußert, wird weiter von den Verfehlungen der katholischen Kirche die Rede sein. Was fehlt, ist eine Entschuldigung des Papstes für die Rolle, die die kirchliche Hierarchie beim Schutz der Täter auf Kosten der Opfer gespielt hat. Solange die Institution - und als ihr Oberhaupt der Papst - nicht Verantwortung dafür übernimmt und strukturelle Konsequenzen zieht, werden sich immer mehr Menschen von dieser Kirche abwenden.(Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Printausgabe 22.3.2010)

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erwin 222
22.03.2010 18:55
Wie soll sich jemand seiner Verantwortung bewußt sein,

wenn er sich einreden läßt, er sei UNFEHLBAR!
Munter werden Herr Ratzinger! Auch Sie sind nur ein Menschwie alle anderen auch. MIT FEHLERN.
Munter werden, Her Schönborn. Die Gotteslüge hat ausgedient. Ein Gott würde ein derartig mieses Bodenpersonal nicht zulassen!

henne57
22.03.2010 18:42
nur jemand, der schon jenseits von gut und böse ist,

kann papst werden. alle anderen wären zu gefährlich. sie könnten etwas verändern wollen in dieser kirche.
wenn DAS, was man in den letzten wochen über den missbrauch in der kirche gehört hat, die werte sind, die es zu bewahren gilt, dann gehört der verein sofort geschlossen und verboten. DIE KIRCHE gefährdet die Gesellschaft, und nicht der Wertewandel in der Gesellschaft. DAS sei den Ratzingers und Schönborns und wie die ehrenwerten Herren alle heissen ins Stammbuch geschrieben. Wir wollen keine dummen und menschenverachtenden Ausflüchte mehr hören.

Schön wäre es, Ostern einmal zu boykottieren: Stell dir vor se ist Ostern, und keiner geht hin.....

isai
04.04.2010 21:38
wohin?

Um an Ostern zu glauben, d.h. an die Auferstehung, muss ich nirgends hingehen - brauche dazu auch keine Instituation - nur meinen Glauben an Christus (egal ob evangelisch, katholisch, freikirchlich, o.a.)

Was nützt mir die äußerliche Feierlichkeit, wenn ich im Herzen nicht daran glaube - und umgekehrt?

Christoph Karl Steininger
22.03.2010 17:12
Hat wer was Anderes erwartet.

Das war der Papst der die Piusbruderschaft rehabilitiert. Der Papst der ökumenischen Dialog für unnotwendig hält. Der Papst der behauptet Homosexualität sei eine Gefahr wie globale Umweltverschmutzung. Der Papst der in Entwicklungsländern in Kauf nimmt daß hunderttausende sterben weil er ihnen kein Kondom erlaubt.
Ein Papst dem es lieber ist über den Limbus Infantorum zu schwadronieren als über wirkliche Probleme von wirklichen Leuten.
Von so einem erwartete ich mir gar nichts. Schon gar kein Schuldeingeständnis.

cipf
 
22.03.2010 16:50

Verflucht sollt ihr sein - bis hin in alle Glieder der Kirche!
Das wäre mal ein Bannfluch!

Entropix
22.03.2010 15:49
die wirkliche Ursache

liegt darin begründet, dass die katholische Kirche auf einem Fundament physischer und psychischer Gewalt aufbaut. Die Angst vor der "ewigen Verdammnis" wird schon Volksschülern ins Gehirn gehämmert, und das ist absolut verantwortungslos und intolerabel.

isai
04.04.2010 21:42
Wird die "ewige Verdammnis" noch immer Volksschülern ins Gehirn gehämmert?

In meiner Volksschulzeit ja, in der meiner Kinder glücklicherweise nein - die hatten scheinbar großes Glück mit der Religionslehrerin.

Charles Duchemin
22.03.2010 18:00
Naja aufgrund der Erbsünde ist ja bereits ein Neugeborenes

ein versündigtes Wesen, das auf den rechten Weg zurückfinden kann, wenn es denn zu Jesus Christus findet....

.... das sagt ja schon alles über diese Schlümpfe aus...

teuerzahler
22.03.2010 15:27
ratzinger:

wie breshnev anno 1968 und ceaucescu 1989.

kurz vor dem fall.

Clarissa Goldsmithprawndown
22.03.2010 19:05

Mir fehlt da leider der Glaube... :)

www10002
22.03.2010 15:01
"Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen"

sagte Ratzinger vor seiner Wahl zum Papst.
Jetzt funktionieren diese alten Strategien des früher so "bewährten" kirchlichen Mauerns nicht mehr.
R. ist offenbar zu alt und unflexibel, um sich auf die neue Situation einzustellen.
Ein gefährliches Verhalten, denn wenn die Kirche sich jetzt einer grundlegenden Reform verweigert, wird sie signifikant an Boden verlieren.

Grammelschmalzbrot
22.03.2010 13:53
Soso, "... der soziale Wandel ... " ist schuld!


Nach Jahrhunderten des Stillstands plötzlich vom gesellschaftlichen Wandel eingeholt worden und nun stellt man bestürzt fest das die traditionelle Pädophilie in dieser Realität nicht mehr en vogue ist?

;-)

Gilgamesch
22.03.2010 12:54

den "schnelllebigen sozialen Wandel" verantwortlich zu machen, ist nahezu perfide.
nicht die rückständigkeit und die absurde sexualmoral der katholischen kirche sind das problem. nein, das gewandelte klima in der gesellschaft, das solche praktiken nicht mehr tabuisiert und darüber schweigt, sind schuld!
wären wir noch im mittelalter, hätten wir gar kein problem - das ist die conclusio des papstes ...

Kohlhaas1
22.03.2010 11:15
Naja, die Rep. Österreich ist ja auch nicht verantwortlich für Fritzl und Prikopil.

Oder hat der Faymann die Verantwortung für den Fritzl übernommen ?
Selbst Organhaftunggeht nicht, denn auch die Rep.Öst. haftet nicht wenn ein Beamter beispüielsweise ein Kind mißbraucht.
Aber klare Worte kann man verlangen und eine bessere Kontrolle.

human ic
23.03.2010 16:48

du hast nichtmal bis zum zweiten absatz gelesen, oder ?

Karl Buschina
22.03.2010 17:30
Ein Vergleich: Wenn in einem Spital ein unfähiger Chirurg.,.

den Tod eines Patienten verursacht und das Spital so einen Vorfall vertuscht und als Folge davon dieser Chirurg den Tod weiterer Menschen verursacht dann ist nicht nur der Chirurg schuld sondern auch das Spital.

Der Irrtum der Kirche besteht darin, dass sie glaubt, dass Missbrauch nur eine Sünde und keine Straftat ist.

Kohlhaas1
22.03.2010 19:03
JA, aber wieviele Leute irren sich denn neben den Kirchenmännern.

Aber das ist kein Irrtum sondern System.
Bei Polizei, Justiz oder Militär, selbst bei Nachtwächtern nennt man das Korpsgeist.
Das Mauern scheint also nicht nur die Kirche zu betreffen. Das macht die Sache natürlich nicht richtiger. Aber man sollte sich seine Trennschärfe bewahren und nicht wahllos draudreschen weils Zuspruch bringt und derzeit opportun ist.
Was verbrochen wurde ist aufzudecken und anzuzeigen das gilt für jeden Menschen. Fehler sind abzustellen. Aber jetzt gleich alle, also auch Unschuldige zu perversen Finsterlingen zu stempeln, nur um Beifall zu erheischen ist allertiefste Schublade.

Lucky Punch
22.03.2010 14:59
Der Vergleich hinkt, ...

... denn würde ein Minister ein Vertuschen anordnen und der Beamte würde deshalb weiter Straftaten begehen, weiß ich nicht ob eine Amtshaftung nicht in Frage käme (bin aber kein Jurist). Auf jeden Fall trifft den Minister eine Mitschuld. Und das wäre mM nach auf das System Kirche umzulegen. ...

Kohlhaas1
22.03.2010 15:38
Erstens hinkt der Vergleich gar nicht , denn Missbrauch bleibt Missbrauch und damit ein Verbrechen.

Und zwar völlig unabhängig welchem Hobby der Verbrecher sonst noch frönt oder welchem Beruf er nachgeht !
Und die Vertuschung ist ein Verbrechen. Was soll das Gerede. Das muß aufgeklärt und abgestellt werden !
Das streitet wohl niemand ab.
Und NUR im Falle einer Vertuschung oder Strafvereitelung müsste eine Amtshaftungsklage eingereicht werden. Wenn das aber nicht nachgewiesen werden kann, sollte man von pauschalen Vorverurteilungen absehen.

Tethys
22.03.2010 14:41

Sie haben die Problematik echt nicht verstanden... Da nützen auch keine an den Haaren herbeigezerrten Vergleiche.

Kohlhaas1
22.03.2010 15:34
Nun, was hat Missbrauch mit der Kirche zu tun ?

Da ist doch auch der Mißbrauch und der deutschen Schule, vorher gab´s das gleiche Problem mit einem Sportlehrer und der Fall Fritzl sollte auch noch präsent sein. Diese werden sich für deinen Verniedlichungsversuch bedanken.
Willst du das Alles der Kirche anlasten?
Ich bin wahrlich keiner der mit der Kirche irgendwas am Hut hat aber in deiner Verblendung und deinem Hass gehst du zu weit und verallgemeinerst.

Tethys
22.03.2010 16:03

Ihr Posting disqualifiziert sich von selbst.

der kata
22.03.2010 11:10
und wo ist die ueberraschung?

dieser papst war leiter der glaubenskongregation, somit der hoechste inquisiteur im kirchenstaat. er ist erzkonservativ und unter ihm erleben fundamentalkatholische sekten (siehe opus dei) eine renaissance.

hat irgendjemand von DIESEM papst ernsthaft erwartet, dass er verantwortung uebernimmt, dinge differenziert betrachtet oder einfach nur menschlich ist???

Winter20
22.03.2010 11:06
"Schnelllebiger sozialer Wandel" als Ursache des habituellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen?

Pädophilie, sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, brutale Erziehungmethoden sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil klösterlicher Tradition und röm.-kath.Erziehung. Sie befand sich damit früher durchaus im Einklang mit den gesellschaftlichen Normen und Praktiken in staatlichen Erziehungsinstituten und dem Militär.
Seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrunderts haben die staatlichen Institutionen allerdings den gesellschaftlichen Wandel zu demokratischer Kontrolle und Achtung der Menschenreachte langsam nachvollzogen. Die Kirche hingegen tradierte weiterhin ihre pädagogischen "Bräuche". Es ist daher nur konsequent, wenn der Papst im "schnelllebigen sozialen Wandel" eine wesentliche Ursache der aktuellen Probleme sieht.

Charles Duchemin
22.03.2010 11:02
Leider wird es noch Generationen dauern, bis die kath. Kirche den Stellenwert hat,

der ihr zusteht.
Solange es noch "normal" ist, das Kind "halt" taufen zu lassen, solange wird noch immer die überwiegende Mehrheit der Katholiken Taufscheinkatholiken bleiben und nichts weiter.
Und die Kirche beruft sich dann auf diese Phantasiezahlen um auf ihren Stellenwert zu pochen...

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