"Redaktion von innen gesehen haben"

21. März 2010, 19:28
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Reinhard Christl startet diesen Herbst am Wiener FH-Institut für Journalismus & Medienmanagement den ersten Master-Studiengang für Journalismus - Wozu eigentlich?

STANDARD: Wozu starten Sie im Herbst überhaupt einen Master-Studiengang Journalismus? Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin und Daniela Kraus vom Medienhaus Wien haben vorige Woche die internationale Branchenelite wie "Guardian"-Boss Alan Rusbridger nach Wien geholt, um mit ihnen die Zukunft des Journalismus zu diskutieren. Wolfgang Blau, Chefredakteur von "Zeit Online", sagte da: Journalismus ist keine Profession, Journalismus ist eine Tätigkeit.

Christl: Wenn heute jemand Journalistin oder Journalist werden will, sollte er eine wirkliche Begeisterung für den Job aufbringen. Wenn er oder sie wirklich wollen, werden sie es schaffen. Wenn sie Journalismus nur als einen Job wie jeden anderen betrachten, dann nicht.

STANDARD: Abgesehen vom Mitbewerb via Blogs und Tweets: Die Jobchancen als Journalist oder Journalistin haben sich in den vergangenen Jahren nicht gerade verbessert.

Christl: Es gibt 37 Studienplätze. Wir werden also keineswegs den Arbeitsmarkt überschwemmen. Wir wollen mit dem Master vor allem junge Journalisten ansprechen, die sich fit machen wollen für multimedialen Journalismus der Zukunft. Sie sollen nach vier Semestern alles können, zumindest alle relevanten Basics: TV- und Videojournalismus, Radio, Print und Online- und Multimediajournalismus. Wir produzieren also nicht neue Journalisten, sondern bilden die, die schon Journalisten sind, aber oft nur in Print oder Radio einsetzbar sind, besser aus.

STANDARD: Neben dem Job?

Christl: Mit Lehrveranstaltungen am Abend. Und wir rechnen an, was sie schon können: Ein Printjournalist etwa braucht nicht mehr lernen, wie man einen Kommentar schreibt.

STANDARD: Nur wer Journalist ist, darf den Master machen?

Christl: Man kann hier, wie international üblich, ein Fachstudium und ein Journalismusstudium kombinieren. Unsere Absolventen sollen ihr Fachgebiet plus journalistisches Handwerk beherrschen. Also zum Beispiel erst Wirtschaftsstudium, Politik, Jus, Geschichte, Naturwissenschaften, dann Master. Aber man sollte eine Redaktion von innen gesehen haben, etwa als freier Mitarbeiter. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 22.3.2010)

Zur Person:

Christl, geboren 1962, schrieb vor der FH bei "profil" und "Format". Er leitet auch das FH-Forschungsprojekt Public Value. Christl verspricht für den Master ein "extrem praxisorientiertes" Studium. Kostenpunkt 363 Euro pro Semester, "also nur die üblichen Studiengebühren".

Link
www.fh-wien.ac.at/Jour

Nachlese
"Journalismus 2020": Viel stärker mit den Lesern kommunizieren - "Zeit Online"-Chefredakteur Blau: Bürgerjournalismus oder Blogger nicht minder schätzen - "Guardian"-Chef Rusbridger: Neue Kommunikationsmöglichkeiten als Gewinn - Mit Videos

  • Reinhard Christl.
    foto: standard/newald

    Reinhard Christl.

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