Budgetplanung

EU will nationale Haushalte mitgestalten

21. März 2010 18:47
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    montage: beigelbeck

    Kommissar Rehn will sich nicht nur auf nationale Statistikbehörden verlassen. Die EU soll Haushalte stärker überwachen.

Die Europäische Kommission hat genug von den Tricks der EU-Mitgliedsländer. Währungskommissar Rehn will schärfere Kontrolle der nationalen Haushalte

Wien - Wie das Beispiel Griechenland eindrücklich gezeigt hat, funktioniert die Kontrolle der nationalen Budgetplanung in der Europäischen Union unzureichend. Währungskommissar Olli Rehn hat reagiert und amWochenende einen aufsehenerregenden Vorschlag unterbreitet: Die Kommission soll künftig in die Haushaltsplanung der 27 EU-Mitgliedsländer eingebunden werden.

Rehn kritisierte, dass die Kommission von den Mitgliedsländern erst dann informiert werde, wenn deren Budgets längst feststehen. "Das ist zu spät", betonte er in der Welt am Sonntag. Die Kommission sollte daher künftig bereits in die Planung der nationalen Budgets eingebunden werden, um Fehlentwicklungen im Finanzrahmen eines Landes rechtzeitig zu erkennen. "Bewegt sich dann ein Haushalt in die falsche Richtung, muss darüber in der Eurogruppe sehr ernsthaft diskutiert werden."

Forderungen nach härteren Strafen für Defizitsünder wie Griechenland wies Rehn zurück. "Das oberste Ziel der EU sollte jetzt nicht die Verschärfung der Sanktionsinstrumente für Defizitsünder sein, vielmehr muss die Prävention im Rahmen des Stabilitätspaktes verbessert werden." Die EU habe "bisher nicht die Mittel, ordnungsgemäße Haushalte in den Mitgliedsländern durchzusetzen, sodass am Ende keine Probleme entstehen und Strafen gar nicht nötig werden."

Tatsächlich haben in der Vergangenheit unzählige Staaten ihre Defizitgrenzen "legal" überschritten. Griechenland hingegen hat seine Bilanzen frisiert:

  • So steht fest, dass Griechenland seinen Beitritt in die Eurozone 2001 durch manipulierte Zahlen erschlichen hat. Für das Jahr 2000 meldete Athen ein Defizit von zwei Prozent, zwei Jahre später stellte sich heraus, dass die Neuverschuldung mehr als doppelt so hoch war. Ein Eurostat-Bericht stellte fest, dass Athen von 2000 bis 2003 seine Bilanzen geschönt und vor allem mit den Zahlen im Verteidigungsetat nach Belieben jonglierte. So wurden bestellte Rüstungsgüter später oder gar nicht verrechnet, rund die Hälfte der Manipulationen wurde beimKauf von Kampfjets, U-Booten und Panzern durchgeführt.
  • Nach ihrem Amtsantritt im Oktober 2009 musste die von der sozialistischen Pasok gestellte Regierung eingestehen, dass das Defizit mit 12,7 Prozent der Wirtschaftsleistung mehr als doppelt so groß sein wird wie von der konservativen Vorgängerregierung angekündigt. Korrigiert wurden auch die Zahlen für 2008. Athen dürfte falsche Daten über Steuereinnahmen gemeldet haben.
  • Inzwischen interessiert sich die EU auch für Währungsgeschäfte Griechenlands mit der Bank Goldman Sachs: Athen nutzte Cross-Currency-Swaps - dabei werden in Fremdwährungen aufgenommene Staatsschulden in Euro getauscht werden - für Budgetkosmetik.

Heute, Montag, findet im EU-Parlament der erste Teil einer Anhörung zu den Manipulationen statt. Geladen ist unter anderem der Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker. Mitte April werden griechische Politiker und Goldman-Banker befragt. (szi, DER STANDARD, Printausgabe, 22.3.2010)

Kommentar posten
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KTHXBYE
22.03.2010 15:19

Die Korruption muß endlich effizienter werden. Zentralisierung hilft da sehr.

120 Jahre Karl Schranz
22.03.2010 14:12
sinnerfassendes lesen...

die antwort auf die interessanteste frage steht nicht im artikel, und ohne diese machen sich sämtliche aufgeregten poster lächerlich: möchte die kommission inhaltlichen einfluss auf die nationalen budgets nehmen (wofür es in der tat keine rechtsgrundlage gibt), oder möchte mna einfach in zukunft früher erfahren wenn ein budget rechtswidrig geplant wird? gegen letzteres wäre nichts einzuwenden. es ist ohnehin komisch, dass die kommission die haushalte der mitgliedsstaaten erst im nachherein auf "friss oder stirb"-art erhält. wie soll sie denn dann ihre aufsichtfunktion wahrnehmen, wenn sie nur später stellung nehmen darf

also dann ...
22.03.2010 13:25
welch ein d o o f e s ... ablenkungsmanöver von der eigenen un_fähigkeit : dass GR schon beim euro-beitritt "trickste"

genauso wie italien, belgien usw.
war jedem bekannt !

GR : der wahre grund = niedrige steuereinnahmen :

"Da wird der "Niedergang" des Landes beschworen
meist von Sesselkommentatoren, die sich bis vor Kurzem bestenfalls mit Ouzo auskannten.
Und der Chefökonom der (EZB) empfiehlt gleich mal durchweg sinkende Löhne.
Hau ruck.

Wenn das Staatsdefizit dennoch hoch blieb, lag das eher daran, dass zugleich die Einnahmenquote ( ! )des Staates sank - ein Befund, der es in sich hat. Immerhin hat ja jene E U - K o m m i s s i o n...,
die sich jetzt über hohe Defizite so entrüstet ( ? ), jahrelang auch auf sinkende Steuern gedrungen.

http://www.ftd.de/politik/k... 70057.html

Heimwerkerkönig
 
22.03.2010 11:48
Nun sollten auch die hartnäckigsten EU-Jubelperser...

.... nachdenklich werden.

Wenn nicht, dann beweißt das endgültig, wie verkappt großmannssüchtig dieses Herrschaften in Wirklichkeit sind.
Denn wer bereit ist, diese Form der Diktatur, einem Kollateralschaden gleich, zu akzeptieren, nur um international vielleicht irgendwann einmal den starken Maxl markieren zu können, der ist mit seinem Denken tief in vordemokratischen Zeiten verhaftet.

Melchior Kreutzer
22.03.2010 11:44

warum versteckt man diese meldung, das müsste eigentlich der aufmacher sein, immerhin ist das de facto das definitve ende der eigenstaatlichkeit der mitgliedsländer und der beginn eines zentralistischen europischen bundestaates.

denn wer den staatshaushalt bestimmt, bestimt die gesamte politik: nein für diesen bereich dürfen sie nicht so viel ausgeben, das geld müssen ins ressort xy stecken und vergessen sie nicht sie müssen noch den betrag xy an brüssel abliefern.....

Sag' zum Abschied leise "Euro"
 
22.03.2010 11:10
Bürokratie,

wie Du wächst und gedeihst....

Claus_W
22.03.2010 11:08
Problem, reaction, solution

Problem, Reaktion, Lösung...

Fällt euch was auf?

Die "EU" (wer auch immer das ist) hat "nichts" mitbekommen das Griechenland herumpfuscht, nun haben wir den "Salat" und nun gibts die "Lösung"

NOCH MEHR KONTROLLEN

JA toll

Wer seine Freiheit für Sicherheit aufgibt verliert mich recht beides.

Mähh, wir lassen uns ja so gerne Versklaven...

Lösungvorschläge?
A:) Eigenes Geldsystem machen (Tauschkreise, Regionalwährungen, Grundeinkommen) um dem Zins zu entkommen
B:) Unabhängig machen (als erstes mal realisieren wo wir abhängig sind, primär ESSEN, ENERGIE)
C:) Gemeinschaften gründen

Sternchen100
22.03.2010 12:12
Gelogen

Erstmal müsste man dann auch Österreich und ich wette noch andere Staaten wegen Budgetfrisierungen vor dem Beitritt sanktionieren.

Zweitens wusste die EU inoffiziell immer, dass die Daten aus Griechenland nicht stimmen, das wurde seit Jahren von jedem Hausdach gekräht. Aber wenn man offiziell das einfach nicht zur Kenntnis nimmt...

Drittens ist das ein abgekartetes Spiel - ev. um die Türkei in die EU zu bekommen, oder um einen Grund zu haben noch mehr Euro von der EZB aus zu drucken, oder um härtere Gesetze und noch mehr Kontrollen durchzusetzen. Ein Teil der Schulden stammen aus großen Rüstungsaufträgen der Griechen, z.B. an die Franzosen.

Gestern nacht, Bloomberg TV: man sprach über Griechenland und den sehr schwachen Euro (!!)

Christoph ************
22.03.2010 11:13

Sie regen sich also auf, das die EU "nichts" mitbekommen hat. Wohl eher hatte sie nicht die Kompetenzen Griechenland wirklich gründlich und rechtzeitig zu durchleuchten.

Der jetzige Vorschlag, beschneidet gar keine Freiheiten. Er stärkt nur die Kontrollrechte der EU. Die ist weiterhin auf die Hilfe der Mitgliedsstaaten angewiesen wenn es um Taten geht, nur verstecken von bestimmten Budgetaktionen wird erschwert.

Ich wünsche Ihnen mit ihren "Lösungsvorschlägen" viel Spaß aber bitte darum, diese so umzusetzen, dass nur jene mitmachen die unbedingt wollen.

HookMind
22.03.2010 11:07
ich wuerde es gar nicht so schlecht finden

Wenn unseren Politikern auch ein wenig auf die Finger geschaut wuerde...
Zur Zeit koennen sie ja tun und lassen, was sie wollen - ohne Konsequenzen.
Der Steuerzahler muss es wieder ausbaden.

holla2
22.03.2010 14:47

Das einzige Ergebnis waere wahrscheinlich, dass unsere Politiker sich noch weiter hinter der EU verstecken wuerden, wenn sie wieder eine unpopulaere Massnahme setzen, anstatt selbst Verantwortung fuer ihre Entscheidungen zu uebernehmen.

Wuwu1
22.03.2010 13:35

was laesst sie denn glauben, dass die EU Zentral-Politiker um soviel moralischer waeren als unsere lokalen?

Miss Spock
22.03.2010 10:25
Wir kommen der Zentral Regierung Europas immer näher ...

Die Mitgliedstaaten der EU haben dann maximal Minister, und der Bundesrat bzw. die Länderkammer eintscheidet über die Gesetzgebung der EU Abgeordneten. Für was die Mitgliedsstaaten tatsächlich noch ein Parlament haben?

leftjustified
22.03.2010 10:38

ein schritt in die richtige richtung!
wieso gibt es in österreich landtage?

Markus1975
22.03.2010 10:20
weiter so, das ist ein gar guter weg

alle reden von der Union, wenns dann allerdings um den eingriff in den nationalstaat geht (den es ja seit dem Lissabon Vertrag de facto nicht mehr gibt), dann schreien alle. Natürlich müssen solchen Katastrophen die Riegel vorgschoben werden. Zahlen wird es immer die Allgemeinheit ... siehe auch Hilfspaket für die Griechen. Also muss es auch Kontrollmechanismen für die Allgemeinheit geben. Das ist eben das Prinzip der EU. Und dann auch gleich alle Strukturen in den einzelnen Mitgliedsländern überdenken, da brauchen wir so einen aufgeblähten Bematenapparaet nämlich sicher nicht mehr.

Sternchen100
22.03.2010 12:16

Geh bitte, die EZB druckt dann einfach neue Euro-Scheine wie bisher, mit ein Grund warum der Euro seit der Einführung immer mehr an Wert (Kaufkraft) verliert.

Natürlich bezahlt die Geldentwertung die normale Bevölkerung, die Eliten richten sich schon durch Steuerbefreiungen (Casinos Austra erhielten z.B. eine Steuersenkung, warum - fragt Pröll) und höhere Managergehälter. Die Bevölkerung wird sukzessive an das Hunger-Lohnniveau der Oststaaten angepasst, einfach durch Geldentwertung bei seit Jahren kaum Lohnerhöhungen.

MCU
22.03.2010 09:41
Vielleicht würde dann auch die Einsparungen des Staates in Angriff genommen,

denn ob SPÖ oder ÖVP, in der Verwaltungsreform zwischen Bund und Länder geht einfach nichts weiter.

Miss Spock
22.03.2010 10:30
Wenn eine Verwaltungsreform; Dann soll die zuerst in " Brüssel " beginnen...

MCU
22.03.2010 13:41
Auch wenn es noch so oft der EU vorgeworfen wird: Es ist falsch!

Allein die Gemeinde Wien (also ohne Bundesverwaltung) hat mehr Bedienstete als die EU-Verwaltung !! Aber die EU hat zum Unterschied zur Gemeinde Wien einen sehr großen Anteil an Übersetzern und Dolmetscher.

leftjustified
22.03.2010 10:40

verglichen mit der größe der Union hat die EU einen ziemlich schlanken verwaltungsapperat. ich weiß schon, es gibt sicher noch einiges an optimierungsbedarf, aber wie gesagt, vergleicht man das verhältnis bevölkerung zu beamten, dann schauts nicht so schlecht aus.

griasdi
22.03.2010 10:35

na na na da kehrt man wohl besser zuerst vor der eigenen haustüre, bevor auf "die da in brüssel" (wer?) verwiesen wird.

"ich mach meine hausaufgaben erst wenn die grete sie auch macht"

powerpack
22.03.2010 08:53

glücklicherweise werden sich so mächtige eu-staaten wie frankreich oder deutschland wohl kaum von der eu in ihre budgets eingreifen lassen, deshalb ist zu hoffen, dass diese allmachtsfantasie der eu nicht durchkommen wird.

leftjustified
22.03.2010 10:42

Wer ist denn dieser EU wenn er allmachtsphantasien hat? Oder ist die EU vielleicht doch eine supranationale vereinigung in der jeder mitstimmrecht hat? ja, frankreich und deutschland haben mehr einfluss als österreich.
aber zb. wien oder nö haben auch in österreich mehr einfluß als blgd oder kärtnen.
Erkennen sie da vielleicht ein system dahinter?

griasdi
22.03.2010 10:36

guit zahlst du dann die fahrlässig angehäuften schulden? viel spass.

Therimon
22.03.2010 09:58
ja und nein

... mit dem selben Argument kommen ja auch unsere Bundesländer im Prinzip. Selber haushalten wollen, aber wemmas verbockt haben, zum Bund rennen ...

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