Tragen Sie ihr Geld selbst zum Georgier!

    23. März 2010, 15:50
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    Davon haben Sie was: Khinkali zum Beispiel, oder, noch besser, Khachapouri, empfiehlt Harald Fidler - und noch ein bisschen mehr das "Marktachterl" mit neuem Koch

    Der Georgier als solcher hat es nicht leicht in diesen Tagen. Verständliche Panik in der Heimat, weil eine - fiktive - TV-Reportage von russischen Bombardements des Landes und vorrückenden Panzertruppen berichtete. Die - realen - Aktivitäten mancher Georgier außerhalb ihrer Heimat wiederum, von denen wir in unseren Medien gerade erfuhren,  werden, wiewohl hoch professionell, in Österreich und anderen europäischen Ländern nicht gerade geschätzt. Auch verständlich.

    Au! Thentisch!

    Da trag ich mein Geld doch lieber gleich und freiwillig zum Georgier auf den Karmelitermarkt. Da bekomm ich zum Beispiel einen Vorspeisenteller mir ordentlich erdigen roten Rüben, Bohnensalat, Melanzanirollen, geht schon ganz gut. Pikant in Form wie Geschmack die fleischgefüllten Teigtaschen. Fragen Sie mich nicht nach den Gewürzen (wie eigentlich eh besser nie), ich kann nur soviel sagen: So interessant, dass ich den starken Verdacht habe, dass die Dinger ganz schön authentisch schmecken, auch wenn ich das nie sagen oder gar schreiben würde, weil ich mir dieses Urteil nicht einmal im Piemont zutraue.

    Ich hatte ja die schlimmsten Befürchtungen, als die Vegetarierin an meiner Seite zum Georgier drängte. Weder aus Sorge um Hab und Gut noch vor dem russischen Einmarsch. Aber sie erweckte den Eindruck eines ungemein verrauchten, abgef...irtschafteten Beisls mit unglaublich fetter, dröger Faserfleischeintopfküche. Und - angeblichen - vegetarischen Köstlichkeiten. Sie werden verstehen, dass es einige Monate brauchte, um mich ins Madiani zu schleppen.

    Trüb von Natur

    Und? Keine Rede von verraucht, angenehm einfach im Design. Erfreulich groß die Auswahl naturtrüber Fruchtsäfte. Und definitiv das Allerbeste unter den drei Gerichten war das Vegetarische: Khachapouri, praktisch georgische Frischkäsepizza, offiziell "georgischer Germteigfladen mit Frischkäsefüllung in der Pfanne gebraten". Nicht gerade light, aber tatsächlich sehr, sehr super, und in seiner großen Form nach den anderen zwei Portionen kaum wegzukriegen.

    Aber damit das Vegetarische hier nicht ganz die Kontrolle übernimmt, schau ich gleich noch einmal zum Karmelitermarkt, klingt auch ziemlich spannend - bleiben Sie dran! Diesmal österreichisch, soweit ich das überblicke. Und wenn's doch nicht so spannend wird, hol ich mir für den Heimweg noch ein kleines Khachapouri.

    Ein Marktachterl voll Innenleben

    PSt: Khachapouri hab ich definitiv nicht mehr gebraucht, ich bin hoch zufrieden heimgetschundert. Ich hab' aber versprochen, dass ich nicht groß darüber schreibe. Daher nur soviel: Kutteln in Barolo hätten mich schon sehr interessiert, aber ich hab mich dann doch für den zart schmelzenden Kalbskopf mit Schnecken entschieden. Das Pörkölt mit paniertem Ei hätte mich interessiert, auch die kleine Tagliata als Vorspeise, aber es wurden die Sardinen in Saor. Kein Fehler. Das Rieslingbeuschl meines Mitessers von erfreulich ausgeprägter Säure, und über viel Gemüse an Lunge und Herz meckert er schon lange nicht mehr. Ich hatte dieses Problem bisher ohnehin selten (mich stört eher zuviel Obers, hier nicht der Fall). Seine Rindssuppe mit Markscheiben davor - Kraft und Herrlichkeit, quasi. Meine sautierte Niere hab ich aber auch nicht bereut. Und die Rechnung verhielt sich erstaunlich reziprok zur Qualität - offiziell, weil ich um kleine Portionen gebeten hatte (die so klein - siehe Khachapouri - gar nicht waren).

    Ich vermute ja, ich wurde als publizistischer Gastro-Dilettant erkannt Oder sind die immer so nett, wenn einer drei und der andere zwei Gänge bestellt, ein kleines Gänseleberparfait als Zwischengang einzubauen. Der Mitesser murmelte etwas von: Das bestellt er nicht mehr, aus Tierschutzgründen, dem kann ich mich inzwischen anschließen. So überrumpelt allerdings schmeckte die Leber schon ziemlich fein. Wo das alles?

    Es ist Freitag, ich darf's nun verraten: Im Marktachterl kocht nunmehr Josef Hohensinn, langelange bei Gerer zu Gange. Und wie! Mehr dazu bei Gastroprofi Severin Corti im aktuellen RONDO.

    Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Schlicht, gut: Georgier (eigentlich ja Georgierin) am Karmelitermarkt.
MadianiKarmelitermarkt Stand 21-241020 Wien0664/456 12 17www.madiani.atZu
 zweit gut satt: unter 30 Euro.
      foto: madiani

      Schlicht, gut: Georgier (eigentlich ja Georgierin) am Karmelitermarkt.

      Madiani
      Karmelitermarkt Stand 21-24
      1020 Wien
      0664/456 12 17
      www.madiani.at
      Zu zweit gut satt: unter 30 Euro.

    • Interessante in Form und Inhalt: Teigtaschen mit ziemlich würziger Fleischfülle.
      foto: fidler

      Interessante in Form und Inhalt: Teigtaschen mit ziemlich würziger Fleischfülle.

    • Ich hätt doch die Lumix mitnehmen sollen: Vorspeisenteller mit dem iPhone. Sorry!
      foto: fidler

      Ich hätt doch die Lumix mitnehmen sollen: Vorspeisenteller mit dem iPhone. Sorry!

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