Ex-Regierungschef Allawi und das Bündnis von Maliki bei Auszählung bisher fast gleichauf
Bagdad - Der irakische Premier Nuri al-Maliki hat landesweit eine Neuauszählung der Parlamentswahl gefordert. Andernfalls drohe dem Land eine Rückkehr zur Gewalt, warnte Maliki am Sonntag. Es gebe Forderungen verschiedener Gruppierungen, die Stimmen neu auszuzählen. Sie müssten befolgt werden, um zu verhindern, dass die politische Stabilität im Land Schaden nehme. Auch Präsident Jalal Talabani forderte die Wahlleitung zur Neuauszählung in einigen Provinzen auf.
Wahlleiter Faraj al-Haidari äußerte sein Unverständnis über diese Forderungen. Es gebe immer die Möglichkeit, sich über konkrete Fälle von Manipulationen zu beschweren. Die Wahlkommission werde beraten.
Nach Auszählung von 93 Prozent der Stimmen lag am Wochenende, zwei Wochen nach den Wahlen, das überkonfessionelle Bündnis Irakiya von Ex-Premier Iyad Allawi wieder knapp vor der Rechtsstaat-Allianz des Schiiten Maliki. Der Vorsprung betrug aber nur rund 8000 Stimmen. In den vergangenen Tagen haben sich die beiden Bündnisse immer wieder gegenseitig die Führung abgerungen. Angesichts des seit Tagen anhaltenden Kopf-an-Kopf-Rennens ist so gut wie sicher, dass dem Irak schwierige Koalitionsverhandlungen bevorstehen, was die ohnehin fragile Sicherheitslage im Land weiter belasten könnte. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 22.3.2010)