Freie WLAN-Netze erobern Europa

20. März 2010, 16:54
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    foto: funkfeuer

    Freie WLANs am Vormarsch

Mesh-Routing sorgt für autonome Breitbandversorgung

Beim Zugang zu Breitband-Infrastruktur sind User im Normalfall auf das Angebot von ISPs, Telcos oder Mobilfunkanbieter angewiesen. Einen alternativen wie autonomen Weg weisen seit einigen Jahren Funknetz-Communitys, die über zusammengeschlossene WLAN-Router eine frei zugängliche Breitbandversorgung bereitstellen. Entstanden derartige Projekte zunächst vor allem in dicht besiedelten Ballungsräumen, findet sich in jüngster Zeit aber auch in Infrastruktur-schwachen Gegenden eine steigende Anzahl an derartigen privaten Netzen wieder.

Privates, dezentrales Netz

"Angesichts der akut grassierenden Überwachungsideen und der Datenschutzdebatte im Internet ist das Konzept eines privat aufgebauten, dezentralen Breitbandnetzes mit lokalen Servern und Diensten aktueller denn je", erklärt Aaron Kaplan, Obmann des Wiener WLAN-Funknetzes funkfeuer.at. Das Netz ist prinzipiell frei zugänglich und von überall innerhalb des gesamten Netzgebietes nutzbar. Voraussetzung ist allerdings, dass man selber einen WLAN-Knoten errichtet und zur Verfügung stellt. Die notwendige Bandbreite steuert der Verein bei, der seinerseits auf einige Sponsoren wie die Stadt Wien, aber auch ISPs wie Silver Server oder next layer zählen kann.

Technisch gesehen handelt es sich bei den Knoten nicht um WLAN-Hotspots, wie es das Konzept von kommerziellen Anbietern oder etwa auch von Fon vorsieht. Vielmehr sorgt die eingesetzte Mesh-Routing-Technologie dafür, dass die eingespeiste Bandbreite über die WLAN-Knoten intelligent verteilt wird. Durch die bei jedem Knoten eingesetzten Funkantennen können sich die Knoten bis zu 30 Kilometer weit problemlos verknüpfen. Um eine optimale Netzabdeckung zu erreichen, muss das Equipment allerdings auf dem Hausdach montiert werden, was gerade in der Stadt ein gewisses Hindernis für potenzielle neue User darstellt.

WLAN-Netz für die Alpen

"Neben unserem Bestreben, ein unabhängiges Bürgernetz zu schaffen, hatte das Netz von Anfang an immer auch einen experimentellen Charakter. Mittels der Technologie ist es theoretisch möglich, ein solarbetriebenes WLAN-Netz von Berggipfel zu Berggipfel aufzuspannen und so auch entlegene Gebiete zu erreichen, die bisher von Breitbandtechnologien abgeschnitten sind", erklärt Kaplan. Schon heute würden ländliche Gegenden, die von den ISPs vernachlässigt werden, von derartigen Projekten profitieren können. Aktuell entsteht etwa im Weinviertel, in Klosterneuburg sowie rund um Bad Ischl ein solches WLAN-Netz.

Ungeachtet der technischen Herausforderungen bestehe die Funkfeuer-Community aber keineswegs aus reinen IT-Profis und Computer-Nerds, so Kaplan. "Natürlich hilft es, wenn man sich technisch ein wenig auskennt. Durch die Community erhält aber jeder die notwendige Unterstützung, der sich am Projekt beteiligen möchte", erklärt Kaplan. "Von topgebildeten IT-Leuten bis zu Bauarbeitern sind schon jetzt fast alle Berufs- und Interessensgruppen bei uns vertreten".

Funknetz-Boom auch in Deutschland und Spanien

In Wien zählt das 2003 offiziell gestartete Projekt mittlerweile rund 500 WLAN-Knoten, womit praktisch die gesamte Stadt bis hin zu weit entfernten Orten wie Hainburg oder das Leitagebirge abgedeckt sind. Europäischer Spitzenreiter ist aktuell Barcelona, das bei seinem Funknetz Guifi bereits 9.200 Knoten und eine Flächenabdeckung von über 10.000 Quadratmetern aufweist. Aber auch Athen (5.000 Knoten) sowie mehrere deutsche Städte wie Berlin, Rostock, Weimar und Leipzig arbeiten seit Jahren am privaten Netzaufbau. In Deutschland bildet freifunk.net die übergeordnete Plattform. (pte)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 106
1 2 3
österreich mafia - övp
00
19.7.2010, 08:38
hohoho

napoleon hat auch europa erobert
die eu hats einfach befohlen

Ergates faber
00
25.3.2010, 09:08
Nette Idee und Spielerei...würde ich mir Spaßhalber sogar überlegen.

Ein unabhängiges Netzwerk...da kommen als nicht-wlan-funk-experte einige Fragen auf, die mir evtl. jemand beantworten kann. Funktioniert die Kommunikation abseits von Internet zwischen den einzelnen Knotenbetreibern? Sprich, kann ich andere Knotenbetreiber per mail kontaktieren ohne je ins herkömmliche Internet zu gelangen? (ich denke ja-sonst wäre es ja nicht unabhängig)
Entstehen laufende Kosten abgesehen vom Strom sofern man keine Solaranlage betreibt?
Ich kann mir fast nicht vorstellen, daß Vater Staat hier nicht bald die Hand aufhält wie bei der GIS - für die Benützung des Raumes als Transportmittel für die Wellen. Noch ist es nicht interessant weil zu marginal aber wenn es durchstartet....

Prof. Challenger
00
29.3.2010, 09:30

.. die menschen die an solchen netzwerken teilnehmen bzw. diese betreiben tauschen sich ueber infrastruktur im internet aus.
Teilweise gibt es aber schon interne Systeme die das ermoeglichen (bei Funkfeuer z.b eine Telefonanlage auf Asteriskbasis, es gab mal ein Jabber IM System). Ein Handy und/oder alternativen Netzzugang hat aber dennoch jeder.
Natuerlich entstehen laufende Kosten .. m(

0Stoney0
00
22.3.2010, 08:34
super Idee - Sicherheitstechnisch holbrig

Allerdings ist das nichts für 0815 Anwender - da jeder Knotenpunkt den Datenstrom mitlesen kann.

So gut die Idee ist, aus Sicherheitsgründen, wie zum Beispiel Tor Ausgangsknoten, man in the middle attack, uvm. bietet ein MESH Netzwerk wunderbare Angriffsmöglichkeiten mit geringstem Aufwand.

dr.no3
00
26.3.2010, 10:48
besser ich schau mir deine daten an als

die telekominodekabel

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
02
22.3.2010, 15:11
nicht zwingend

Flaschenpost
00
22.3.2010, 07:18
zu den links...

wäre zu sagen dass "Fon" ein ganz normaler kommerzieller Anbieter ist, der spezielle router und onlinezeit verkauft bzw verrechnet, mit Projekten wie funkfeuer und freifunk hat das nix mehr zu tun.

Bodypainter
10
22.3.2010, 06:52
achtung!

in deutschland werden leute wegen benutzung offener wlans bereits verurteilt. krank, aber scheinbar echt: http://www.golem.de/1002/73366.html

Hans Laschnig
02
22.3.2010, 13:57

Darum sollte erst recht jeder seinen Zugang öffnen. Befreit das Internet ;) Nein, im Ernst, in diesem Falle ist ziviler Ungehorsam angesagt, am besten öffnen wir alle unsere WLAN Zugänge und einigen uns auf einen Stichttag, wo wir uns dann alle selbst anzeigen...

Freund der Sanktionen
06
22.3.2010, 00:44
Ich denke, die rechtlichen Implikationen sind viel

interessanter als die technischen.
Die diversen law-and-order-Fetischisten werden das mit Hinweis auf Raubkopierkinderpornoterroristen schnell wieder abstellen. Man stelle sich das vor: da werden Daten auf Vorrat gespeichert und man weiss nicht, wem die gehören...

Soft Werker
00
23.3.2010, 00:28
Ist in Italien schon passiert...

...denn dort sind unverschlüsselte WLANs schlicht und einfach VERBOTEN.
Natürlich gibt es WLANs (z.B. in Hotels), aber der Zugangscode wird nur gegen Vorlage eines Lichtbildausweises herausgegeben.

quisquam
10
21.3.2010, 18:13
worum geht es da eigentlich?

um kostenloses internet für jedermann oder was sonst?

Wanderfalke
06
21.3.2010, 20:04


Es geht um mehr als nur einen freien Zugang, einfach lesen auf funkfeuer.at

Freie Welt
02
21.3.2010, 14:53
Könnten wir dann bitte endlich diese Peinlichkeit

mit den 10000 Quadratmetern richtigstellen?
So etwas ist nämlich ganz sicher kein Tippfehler, sondern schlicht ein mangelndes Verständnis des Redakteurs...

Gerhard Müller
00
21.3.2010, 18:59
Der Redakteur wird Dir sicher sagen

dass es richtig ist. Denn, schließlich ist das immerhin ein Hektar.

postinger tom
00
22.3.2010, 21:36
Eng...

...wird's da auf dem Hektar mit über 9000 Knoten...

marty fink
10
21.3.2010, 12:37
In der Grazer Innenstadt gibts sicher wenig Provider ;-)

Beiddenker
22
21.3.2010, 09:20
Ich sehe da keinen "autonomen" Weg, denn ...

... schlussendlich muss ja eh wieder ein "normaler" ISP-Knoten benutzt werden. Klingt nur in der Theorie "toll".

yomellamo
00
21.3.2010, 12:14

für alle verbindungen die zwischen leuten stattfinden die in relativer lokaler nähe sind (über das mashup netzwerk verbunden) brauchen sie keinen ISP mehr.
Und verbindungen die dann von einem netzwerk in ein anderes über einen ISP geroutet werden können verschlüsselt werden. Nur wenn man richtige webseiten ansurft muss man über den ISP gehen.

Aber zb. facebook müsste nicht zentral sein, ... man könnte das genauso dezentral lösen (wär auch in sachen privacy wesentlich besser).

Norbert Müller
 
22
21.3.2010, 13:50
hast nix verstanden!

es geht um die "letzte meile", was praktisch das hauptgeschäft für ISPs heute ist. hier kann man den ISPs einen strich durch die rechnung machen, und weitfläche selber die letzte meile abdecken, über das sogenannte schneeball-prinzip.
Als ehmealiger amateurfunker bin ich von dieser art netzwerk total überzeugt.
jeder kann das netz gratis nutzen, muss aber halt selber wieder als knoten für andere zurverfügung stehen, ist einfach genial. Das ganze netz ist natürlich extremst dynamisch, aber bietet eine engmaschige extremst breitbandige versorgung an, welche dir ISPs alleine niemals gewährleistet werden kann. kein ISP kann in jeden haus ein bis mehrere konten installieren - ist logisch, aber mit diesen konzept passiert das automatisch.

Heavyweather
00
23.3.2010, 21:50

Funkfeuer geht unterirdisch direkt ins VIX.
Der Flaschenhals ist der letzt Knoten und seine Verbindungen.
Je grösser das Mesh wird desto enger muss es im Zentrum sein bzw. mehrere dezentrale-zentrale Anbindungen ans Internet (Breitbandiger Node oder eben VIX) haben.

Habe selbst mal mitgemacht und bin dann weit raus in den 21. gezogen. Mittlerweile sind die Lücken schon halbwegs geschlossen und ich werde vielleicht wieder einsteigen.

Man kann auch selbst einen Uplink anbieten.
Rechtlich ist das aber eher illegal mit meinem Telekom Zugang.
Früher hatte ich einen Server Uplink mit echter voller Bandbreiten und Nutzungs Garantie (also auch kein Problem wenn der 24/7 voll ausgelastet war).

Kostet halt auch alles nicht nix.

Wanderfalke
11
21.3.2010, 20:08

Sie haben aber auch wenig bis gar nichts verstanden.
ISP gehen sehr wohl bis zum Konsumenten, die Blöcke sind relativ klein gehalten und mit max. Anzahl an User angelegt. = Kommen mehr Kunden dazu, teilt man den Node auf.
Konten installiert ein ISP sowieso nicht, das macht die Bank.....

yomellamo
00
21.3.2010, 16:09

... und?

wo genau sehen sie nun genau den widerspruch zu meinem posting?

scenox
00
21.3.2010, 11:13

wobei man zumindest relativ anonym unterwegs ist, da alles über diesen einen knoten abläuft.

awsd
12
21.3.2010, 10:13

das ist aber kein grund, nicht damit anzufangen. irgendwann sind server und serverzentren vielleicht direkt mit in besagtes netz eingebunden und man kann komplett auf zentrale, komerzielle isp´s verzichten.

allerdings glaube ich, dass es inzwischen eine überarbeitung des tcp-ip und vor allem auch des email-protokolls braucht... es muss doch möglich sein, eine angemessene mischung aus freiem aber auch sicherem netz zu machen...

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