Facebook-Mitgründer startet Social Network für Weltverbesserer

20. März 2010, 10:35
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Jumo von Chris Hughes bringt Freiwillige und Hilfsorganisationen zusammen

"Wir können damit unsere sozialen Kapazitäten erweitern", wies Chris Hughes vor gut einem Jahr im Standard-Interview auf den Nutzeffekt von Online-Netzwerken hin. Dass er schon damals nicht nur das Knüpfen und Pflegen von Freundschaften und gemeinsamen Interessen meinte, offenbarte der Facebook-Mitbegründer und Organisator von My.BarackObama.com jetzt mit seinem jüngsten Vorhaben: Jumo.com, einer Internet-Plattform, die soziale Organisationen und Freiwillige für weltweite Hilfsprojekte zusammenbringen soll.

"An einem Strang ziehen"

"Anfangs wusste ich nur, dass ich etwas tun wollte, bei dem sich globale Entwicklung und Technik verbinden ließen", sagte der 26-Jährige der Online-Zeitung Huffington Post. "Unter globaler Entwicklung verstehe ich einen breit gespannten Schirm, der Themen wie Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung umfasst." Mit diesem Gedanken im Gepäck reiste er im vergangenen Jahr durch Afrika, Asien und Lateinamerika, redete mit allerlei Leuten. Wie etwa mit dem prominenten US-Wirtschaftswissenschafter Jeffrey Sachs. Als Ergebnis kam Jumo heraus - was in der Sprache der in Afrika lebenden Yoruba "an einem Strang ziehen" bedeutet.

Noch besteht die Plattform nur aus wenigen Seiten. Bis Herbst sollen die Vorbereitungen dafür abgeschlossen sein, Besucher, die sich mit ihrer Mail-Adresse anmelden, werden um die Beantwortung einiger Fragen gebeten, mit denen sie selbst schon einmal herausfinden sollen, für welche Art von Projekten sie sich interessieren und bei welchen sie sich vorstellen könnten, sich durch Zeiteinsatz oder Spenden zu engagieren.

Auf Jumo sollen die unterschiedlichsten Organisationen eine weltweite Bühne finden. Wie etwa eine kleine afrikanische Gruppe, die Frauen dafür bezahlt, Kondome in ihrer Nachbarschaft zu verteilen. Oder ein Verein, der Freizeitaktivitäten in den Slums von Mumbai organisiert. Oder eine Gruppe wie Vittana, eine Mikrofinanzorganisation, die armen Studenten in Ländern wie Nicaragua oder Vietnam den Uni-Besuch ermöglicht.

Facebook-Fangruppe

"Wenn Menschen bisher darüber nachdachten, wie sie etwas für Ärmere, Schwächere tun könnten, hatten sie sehr häufig das Foto eines unterernährten afrikanischen Kindes vor sich", schildert Hughes. Sie schickten dann zehn Dollar an eine Hilfsorganisation und wendeten sich wieder ihrem Alltag zu.

Dieses Modell der Hilfsbereitschaft ändere sich aber durch das Internet. So habe etwa die Obama-Webkampagne gezeigt, dass das Interesse von Menschen mit modernen Kommunikationsmitteln sehr wohl längere Zeiträume aufrechterhalten werden könne. "Auf Jumo soll jeder die Organisationen und Projekte finden, die ihm persönlich wichtig und sinnvoll erscheinen. Wir bringen die beiden Seiten zusammen." Schon jetzt können Interessierte das Projekt unterstützen: indem sie sich auf Facebook der Jumo-Fangruppe anschließen. (Karin Tzschentke/ DER STANDARD Printausgabe, 20. März 2010)

  • Für das US-Magazin "Fast Company" im Vorjahr ein "Wunderknabe": Facebook-Mitgründer Chris Hughes will mit einer neuen Plattform soziale Wunder bewirken.
    foto: fast company

    Für das US-Magazin "Fast Company" im Vorjahr ein "Wunderknabe": Facebook-Mitgründer Chris Hughes will mit einer neuen Plattform soziale Wunder bewirken.

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